„Shaun das Schaf“ im Kino : Ein Alien im Zuckerrausch

Im zweiten Film zu „Shaun das Schaf“ sorgt eine Außerirdische für Unruhe auf der Farm. Das Ergebnis ist ein angenehmes Gegengewicht zu Disneys Pixel-Produkten.

Alien LU-LA musste mit ihrem Raumschiff notlanden und findet unter den Schafen neue Freunde.
Alien LU-LA musste mit ihrem Raumschiff notlanden und findet unter den Schafen neue Freunde.Foto: Aardman/Studiocanal SAS

Es läuft auf der Mossy-Bottom-Farm. Kühe, Hühner und Schweine gehen brav ihrem Tagewerk nach, nur die Schafe treiben mal wieder Schabernack. Mit einer Frisbeescheibe bringen Shaun und seine Herde den Hofhund in Rage. Er stellt ein Verbotsschild auf, dem an diesem Tag noch ein Dutzend weitere folgen. Am nächsten Morgen entdeckt Shaun eine Pizzakrümel-Spur. Sie führt zu einem seltsamen blauen Wesen mit Kulleraugen, das sich im Stall versteckt. Nach dem ersten Schreck freunden die beiden sich an.

Der Besuch stellt sich als Lu-La vor und hat erstaunliche Fähigkeiten. Er kann jeden Ton perfekt imitieren und mittels seiner Schlappohren Dinge in Bewegung versetzen. Shaun begreift, dass sein neuer Freund oder seine neue Freundin – so genau lässt sich das nicht sagen – von einem anderen Planeten stammt. Das kleine Alien ist mit seinem Raumschiff in einem Wald notgelandet und versucht, dieses „Sum-Sum“ nun wiederzufinden, um damit zurück nach Hause zu fliegen. Shaun hilft ihm dabei.

Diese an „E.T.“ erinnernde Mission ist das zweiten Filmabenteuer von Shaun dem Schaf, das ab 2007 in der gleichnamigen Fernsehserie bekannt geworden ist und 2015 schon einmal als Leinwandheld zu erleben war. Galt es für die Schafe damals noch, sich in der großen Stadt durchzuschlagen, geht es in „Shaun das Schaf – Ufo-Alarm“ höher hinaus, was die Regisseure Will Becher und Richard Phelan für zahlreiche Anspielungen an Klassiker des Science-Fiction-Films nutzen.

So sind die Ufo-Ansichten von Steven Spielbergs „Unheimliche Begegnung der dritten Art“ inspiriert, Stanley Kubricks „2001“-Beginn wird auf der Tonspur und mittels eines verbrannten Toasts als Monolithen-Ersatz zitiert. Natürlich gibt es auch einen E.T.-Vollmond-Moment, als Shaun und Lu-La im gelben Müllcontainer an einer Fassadenwerbung mit einem Mondmotiv vorbeifliegen.

Lu-La stiehlt die Show

Können darüber natürlich nur die erwachsenen Zuschauerinnen und Zuschauer lachen, gibt es für die Jüngeren viele Slapstickszenen und Albernheiten. Wobei Lu-La dem ansonsten für seinen Anarcho-Geist bekannten Shaun des Öfteren die Show stielt. Nur als Statist ist der Titelheld etwa in einer der wildesten und buntesten Sequenzen dabei, als das Alien ein unglaubliches Chaos in einem Supermarkt anrichtet. Nachdem es mehrere Liter zuckeriger Limos gesoffen und alle Süßigkeitenregale leer gefressen hat, lässt es auch noch einen Rülpser von erdbebenhafter Intensität los – da schaut das Schaf bedröppelt aus. Immerhin bringt es dem blauen Wesen bei, wie man High-Five gibt.

„Shaun das Schaf – Ufo-Alarm“ schnurrt zwar etwas weniger originell ab, als man es vom britischen Aardman-Team gewohnt ist. Doch kann die vor allem für „Wallace and Gromit“ bekannte Animationsschmiede wieder mit ihrer immensen Liebe zum Detail punkten. Dass sie zudem völlig ohne Dialoge auskommt, erzeugt in Verbindung mit der Stop-Motion-Technik einen feinen Retro-Touch. Was ein angenehmes Gegengewicht zu den Pixel- Power-Produkten von Disney und Co. bildet.

Die große Tugend lautet Warmherzigkeit

Den Charme des Handwerks und der Improvisation feiert „Shaun“ auch noch auf der zweiten Handlungsebene, die auf der Farm angesiedelt ist. Dort schraubt der Bauer mit Hilfe der restlichen Schafherde einen Freizeitpark namens Farmageddon zusammen. Er will den Ufo-Hype im Ort ausnutzen, um Geld für einen neuen Mähdrescher zu verdienen. Ein großer Schwindel, der teilweise nur von Kaugummi zusammengehalten wird.

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In dem Park kommt es zum großen Showdown, bei dem die staunenden Besucher den finalen Auftritt der Geheimagentin erleben, von der Shaun und Lu-La die ganze Zeit verfolgt wurden. Sie hat einen an Wall-E erinnernden Roboter dabei, ihr Auto entpuppt sich als echter Transformer. Doch weil Warmherzigkeit die größte Tugend im Aardman-Universum ist, wird sogar diese harte Woman in Black in das Happy End integriert. Mission erfüllt.

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