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Goodbye, Dieter. Kosslick leitete 18 Jahre lang die Berlinale.
© TOBIAS SCHWARZ/dpa

Berlinale 2019: Tickets werden teurer und Netflix ist im Wettbewerb

Dieter Kosslick stellt ein letztes Mal das Programm als Leiter der Berlinale vor. Die große Abschiedsshow bleibt aus. Trotzdem ändern sich ein paar Sachen.

Von Andreas Busche

Das Foto, auf das in diesem Jahr alle warten, ist Mr. Berlinale Dieter Kosslick am roten Teppich, zusammen mit seinen Nachfolgern Carlo Chatrian und Mariette Rissenbeek. Ein Bild mit Symbolwert, die Stabübergabe nach 18 Jahren. Keine Sorge, das wird sich ergeben, beruhigt Kosslick auf seiner letzten Pressekonferenz als Festivalchef die Journalisten. Zur Zukunft der Berlinale fällt sonst kein Wort, das mögen die Neuen richten. Stattdessen dankt Kosslick noch einmal seinen Weggefährten auf dem Podium, auch Veteranen wie Wieland Speck und Ulrich und Erika Gregor. Eigentlich fehlt nur der Ex-Forums-Leiter Christoph Terhechte, der 2018 nach Marrakesch wechselte.

Irgendwie hatten alle zu seiner letzten PK noch einmal die große Dieter-Show erwartet, aber Kosslick hält sich zurück, gibt sich fast geschäftsmäßig. Sichtlich stolz betonen er und Programmkurator Thomas Hailer die hohe Zahl weiblicher Filmschaffender in allen Sektionen und den 80-prozentigen Frauen-Anteil bei den Auswahlgremien: Hier können sich Cannes und Venedig einiges abschauen.

Dem Vorbild Venedigs folgt die Berlinale wiederum, indem sie die Netflix-Produktion „Elisa y Marcela“ in den Wettbewerb gehoben hat. Man will Filme, „die für das Kino geeignet sind“, auch künftig in der Bären-Konkurrenz zulassen. Festivals und Kinos müssten ihr Verhältnis zu den Streamingproduzenten neu überdenken. Mit diesem Problem darf sich nun Carlo Chatrian herumschlagen.

Ein anderes Problem hat Kosslick seinen Nachfolgern netterweise abgenommen. In diesem Jahr ziehen die Kartenpreise an, von 12 auf 13 Euro, von 8 auf 10 Euro am Publikumstag. Laut Kosslick die einzige Chance, den hohen Eigenanteil am Budget weiter aufzubringen. Das wirkt zwar etwas unglücklich für ein Publikumsfestival, aber Kosslick ist – einmalig in der internationalen Festivallandschaft – nicht nur künstlerischer Leiter, sondern auch Geschäftsführer. 18 Jahre also. 1 plus 8. Zum Abschied hat Dieter Kosslick ein Zahlenspiel in petto. 9 bedeute in der hebräischen Numerologie Wohlstand und Glück. Ein gutes Zeichen.

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