• Tom Cruise in "Mission Impossible - Fallout": James Bond und Jason Bourne können einpacken

Tom Cruise in "Mission Impossible - Fallout" : James Bond und Jason Bourne können einpacken

Tom Cruise schont sich in „Mission: Impossible – Fallout“ nicht – und hat eine Selbstironie entwickelt, die immer öfter sein unverschämt selbstgefälliges Grinsen umspielt.

Voller Einsatz. Ethan Hunt (Tom Cruise) entspannt sich in luftiger Höhe an der Kufe eines Helikopters.
Voller Einsatz. Ethan Hunt (Tom Cruise) entspannt sich in luftiger Höhe an der Kufe eines Helikopters.Foto: Paramount

Tom Cruise ist der härteste Arbeiter in Hollywood. Dass er fast alle seine Stunts selbst erledigt, hat nicht unwesentlich zu dieser Legendenbildung beigetragen. Cruise ist in einer Epoche des Blockbusterkinos, in der Kinetik und Action fast ausschließlich anhand von Vektorgrafiken am Computer berechnet werden, ein wandelnder Spezialeffekt. Eines der letzten Exemplare einer aussterbenden Spezies. Wo Dwayne  Johnson, die Antithese zu Cruise’ drahtiger Athletik, seinen gewaltigen Körper durch Greenscreen-Landschaften wuchten muss, hängt Cruise seine 1,70 Meter noch selbst an die Außenhülle eines Transportflugzeugs.

„Mission: Impossible – Fallout“, der sechste Film um die superklandestine Spezialeinheit der Täuschung und Indoktrination, zieht einen nicht unbeträchtlichen Reiz aus Cruise’ alertem Arbeitsethos bei vollem Körpereinsatz. Cruise hat in der Rolle Ethan Hunts, von Hochhausfassaden hängend und im freien Fall auf das nächtliche Paris niederstürzend, eine Selbstironie entwickelt, die zum Ende des sechsten Lebensjahrzehnts immer öfter sein unverschämt selbstgefälliges Grinsen umspielt. Die angeborene Arroganz des jungen Cruise ist einem entspannten Gleichmut gewichen. „Ich lass’ mir was einfallen“ (im Original: „I’ll figure it out“) wird zum professionellen Mantra des Körperarbeiters, der erst aus dem Flugzeug springt und dann über den rettenden Fallschirm nachdenkt.

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Cruise hat sich bei den Dreharbeiten den Knöchel gebrochen

„Mission: Impossible – Fallout“ schließt nahtlos an seinen Vorgänger „Rogue Nation“ von 2015 an – sowohl was die Qualität der Actionszenen als auch die Handlung angeht. Wobei, Handlung: Die Plots der „Mission Impossible“-Filme sind unter Fans längst ein Running Gag. Im dritten Teil führte Regisseur J.J. Abrams eine mysteriöse Waffe namens „Hasenpfote“ ein, deren einzige Funktion darin bestand, eine Kette von irrwitzigen Action-Tableaus zu motivieren. Die Funktion der Waffe blieb bis zum Schluss ungeklärt. „MacGuffin“ hieß das bei Hitchcock.

Das Schlachtfeld der modernen Spionage ist in den „Mission Impossible“-Filmen der Körper des Helden. Cruise brach sich während der Dreharbeiten in London bei einem Sprung vom Dach der Tate Modern den Knöchel. Berufsrisiko - für ihn aber eben auch professionelles Selbstverständnis. Solange Tom Cruise rennt, und sei es im Kreis (eine Wendeltreppe hinauf), geht die Welt nicht unter. Es ist die Logik des Perpetuum mobile, die diese Erzählmaschine antreibt.

In „Mission: Impossible – Fallout“ kehrt ein alter Widersacher der „MI“-Einheit zurück: Solomon Lane (Sean Harris), der im Vorgänger „Rogue Nation“ eine Gruppe abtrünniger Agenten innerhalb der CIA formiert hatte, muss im Austausch für drei gestohlene Nuklearsprengsätze heimlich aus dem Gefängnis befreit werden. Die Weltmächte schieben sich den Superschurken wie eine heiße Kartoffel zu, bei einer dieser Übergaben sollen Hunt und sein Team zuschlagen. Ihnen zur Seite gestellt wird ein Aufpasser (Henry Cavill), der Informationen direkt zu seiner Vorgesetzten im Verteidigungsministerium (Angela Bassett) durchsteckt.

Die wechselnden Allianzen und Täuschungsmanöver sind absurd kompliziert. Nicht minder absurd ist aber, dass der alte Trick mit den Latexmasken noch immer funktioniert, wie Alec Baldwin als „MI“-Boss mal kopfschüttelnd bemerkt. Die Gummimaske aus dem 3-D-Drucker fungiert aber eher als nostalgisches Requisit, das wieder daran erinnert, dass die Ursprünge von „Mission Impossible“ bis in die Frühgeschichte des Fernsehens zurückreichen – wie auch das musikalische Thema von Lalo Schifrin.

„Mission: Impossible – Fallout“ hätte die 3-D-Effekte gar nicht nötig

„Mission: Impossible – Fallout“ setzt in der Geschichte der globalen Jetset-Spionage neue Maßstäbe. James Bond und Jason Bourne wirken nach ihren letzten Reboots etwas über ihrem Zenit, vielleicht hat sich das hochkinetische Actionkino eines Paul Greengrass aber auch einfach erschöpft. Christopher McQuarrie, der schon bei „Rogue Nation“ Regie führte, inszeniert seine Actionszenen „erdiger“, die Kamera ist nicht bloß Werkzeug, sondern eigenständige Protagonistin.

Das wird in den logistisch aufwendigen Verfolgungsjagden durch Paris und London, die die 3-D-Effekte (erstmals in einem „Mission Impossible“-Film) gar nicht nötig hätten, auch körperlich spürbar. Besonders wirkungsvoll aber kommt McQuarries Inszenierung im Showdown über dem Himalaja zur Geltung, in dem Cruise nicht nur einen Helikopter im Sturzflug steuert, sondern gleichzeitig die Kamera bedienen muss. Die Auszeichnung „Mitarbeiter des Monats“ ist ihm nicht mehr zu nehmen.

Was Cruise – ein durchaus egomanischer Star – heute auszeichnet, ist seine Eigenschaft als Teamplayer. Das Drehbuch von McQuarrie und Bruce Geller gibt dem Ensemble viel Spielraum, mit Rebecca Ferguson als Ilsa Faust (kann man sich einen schöneren Namen für eine Agentin vorstellen?) bekommt Cruise endlich auch eine ebenbürtige Partnerin. Chemie ist ein wichtiges Bindemittel, das die unter der Dauerbelastung auseinanderstrebenden Elemente zusammenhält. Seine Menschlichkeit wird für Arbeitstier Ethan Hunt zur finalen Bewährungsprobe.

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