„Wir lassen niemanden im Stich“ : Rettungsschirm für Künstler kommt

Allein diesen Monat entsteht der Kulturbranche mehr als eine Milliarden Euro Verlust. Viele bangen um ihre Existenz. Monika Grütters sichert rasche Hilfe zu.

Monika Grütters (CDU).
Monika Grütters (CDU).Foto: Jörg Carstensen/dpa

Mit der Lähmung des öffentlichen Lebens durch die Ausbreitung des Coronavirus drohen aus Sicht von Kulturstaatsministerin Monika Grütters „bundesweit unwiederbringliche Verluste in der Kulturlandschaft“.

„Das Coronavirus ist auch ein Angriff auf ein Lebensmodell der vielen Künstlerinnen und Künstler, die die Kulturnation Deutschland ausmachen und prägen“, sagte Grütters der Deutschen Presse-Agentur am Freitag in Berlin.

Der Stillstand des gesellschaftlichen Lebens treffe Kulturinstitutionen und -akteure sowie Freiberufler massiv. „Aufgrund geringer Rücklagen, die Folge niedriger Durchschnittseinkommen sind, ist die Lage für viele schnell existenzbedrohend.“

Von März bis Mai müssen nach Schätzung von Grütters rund 80 000 Veranstaltungen im Land abgesagt werden. Allein in diesem Zeitraum werde der Schaden für die Kulturbranche auf 1,25 Milliarden Euro geschätzt. Zudem gebe es Absagen bis weit ins Jahr hinein mit entsprechenden Folgen für die Branche.

Grütters kündigte rasche und unbürokratische Hilfe an. „Wir lassen niemanden im Stich“, sagte sie. Dafür seien milliardenschwere Hilfspakete vorgesehen. Die Bundesregierung sei „zu allem entschlossen - koste es, was es wolle“. Den verheerenden Folgen der Covid-19-Pandemie solle im Kultur- und Kreativbereich in der gesamten Fläche begegnet werden, sagte die CDU-Politikerin.

Montag sollen die Maßnahmen verkündet werden

Derzeit werde ein milliardenschweres Programm fertiggestellt, das den vielen Solo-Selbstständigen in Kunst, Kultur und Medien helfe. „Das wird ein Rettungsschirm gerade auch für den Kulturbereich sein“, sagte Grütters. Konkrete Zahlen nannte die Kulturstaatsministerin nicht. Die Maßnahmen sollten voraussichtlich an diesem Montag verkündet werden.

Neben diesen geplanten Milliardenhilfen für Solo-Selbstständige und Kleinstunternehmen will Grütters unter anderem Mittel umwidmen von Förderprojekten, die in diesem Jahr nicht mehr umgesetzt werden können. Zudem solle auf Rückforderungen verzichtet werden, wenn Veranstaltungen oder Projekte nicht umgesetzt werden können.

Bruttowertschöpfung höher als bei vielen anderen Sektoren

Grütters verwies auf die Bedeutung der Kultur- und Kreativwirtschaft, die mit einer Bruttowertschöpfung in Höhe von 100,5 Milliarden Euro im Jahr 2018 noch vor der chemischen Industrie, Energieversorgern und Finanzdienstleistern gelegen habe. Die mehr als 250 000 Unternehmen erwirtschafteten mit knapp 1,2 Millionen Kernerwerbstätigen einen Umsatz von 168,3 Milliarden Euro.

In der geplanten flexibleren Handhabung des Kurzarbeitergeldes für Unternehmen sieht Grütters auch für Kultureinrichtungen mit festen Angestellten eine Option. Zudem seien Liquiditätshilfen teilweise für Kultur- und Medienakteure gut nutzbar. Für die neuen Sonderkredite bei der KfW sollten die Genehmigungsprozesse beschleunigt werden. (dpa)

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