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Gustavo Gimeno hat sich russische Werke ausgesucht für sein Philharmoniker-Debüt.
© Stephan Rabold

Berliner Philharmoniker: Zwei Debüts an einem Abend

Zum ersten Mal sind der Dirigent Gustavo Gimeno und der Geiger Augustin Hadelich zu Gast bei den Berliner Philharmonikern. Beide Künstler überzeugen.

Debütiere nie mit spanischer Musik! Das schwor sich Gustavo Gimeno. Zu groß sind die Bedenken des jungen Dirigenten, zum Vermittler der Klänge seines Heimatlandes abgestempelt zu werden. So findet der ehemalige Assistent von Mariss Jansons und Claudio Abbado auch für sein Philharmoniker-Debüt sein Programm am gegenüberliegenden Rand Europas. In Prokofjews 2. Violinkonzert verbindet ihn ein glückliches Gespür für Klang und Tempoflexibilität mit dem Solisten Augustin Hadelich, auch er ein Philharmoniker-Debütant, den das Orchester sich selbst gewünscht hat.

Der nimmt durch die unspektakuläre Innerlichkeit für sich ein, mit der er das Kopfthema nachdenklich in den Raum stellt und dramatisch steigert, durch die lupenreine Süße seiner Guarneri del Gesú in lyrischen, seine Beweglichkeit in virtuosen Passagen, die bei aller Leichtigkeit auch das Dämonische streifen können.

Nach tosendem Beifall setzt Augustin Hadelich noch einen drauf: mit dem punktgenau zwischen klassischer Virtuosität und lässigem Swing angesiedelten „Louisiana-Blues“ von Coleridge-Taylor Perkinson. Und doch stiehlt Noah Bendix-Balgley dem großartig wandlungsfähigen Geiger fast die Schau: Das Solo aus Rimsky-Korsakows „Sheherazade“ geigt der 1. Konzertmeister so bezwingend schön, in seinen ornamentalen Ausschweifungen so flexibel filigran, in Doppelgriffsteigerungen fast verzweifelt ausdrucksvoll, dass der Erzählfaden dieser „symphonischen Suite nach Tausendundeiner Nacht“ erst richtig bewusst wird.

Grandios, wie die Musiker kommunizieren

Wenn auch Gustavo Gimeno den Spannungsbogen bei sehr kontrastreichen Tempi nie zerbrechen lässt, die Orchesterfarben mit samtweichen Streichern, leuchtendem Holz und strahlendem Blech erblühen lässt, so liegt das Glück hier doch im Detail: in den warmtönenden Antworten des Solo-Cellos auf die Geige, den fein ziselierten „Wettläufen“ zwischen Oboe, Flöte, Klarinette und Fagott, in erstaunlichen Mischungen zwischen Pauke und Posaunen, denen Becken und Triangel behutsame Glanzlichter aufsetzen.

Märchenhaftes Flair entfaltet sich so mit virtuoser Bravour und begeistert. Sie ist, präzise und schwungvoll, bereits dem „Concert Românesc" von György Ligeti anzumerken, folkloristisch getönte erste Kompositionsschritte, die zehn Jahre später in die grandiose Klangerneuerung „Atmosphères“ münden – ein meisterhaftes Debüt auch dies.

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