Bilanz zum Olympia-TV : Eurosport kann’s auch

Der private Eurosport-Kanal kann mit der öffentlich-rechtlichen Konkurrenz mithalten, wenn es um die Qualität der Olympia-Übertragungen geht

Gut drauf für Eurosport. Fabian Hambüchen (links) und Sven Hannawald.
Gut drauf für Eurosport. Fabian Hambüchen (links) und Sven Hannawald.Foto: dpa

Was wird fernsehmäßig in Erinnerung bleiben von diesen Olympischen Spielen? Bestimmt auch der lang gezogene Jubel von Eurosport-Kommentator Patrick Ehelechner nach Erfolgen des deutschen Eishockeyteams: „Jaaaaaaaaaaa ..., Waaaahnsinn, ihr seid geeeil!“ Gänsehaut pur, sagt man wohl dazu, und warum auch nicht?

Nach dem erstmaligen Verkauf der Olympia-TV-Rechte an den Privatsender Discovery-Eurosport wurde – auch von den enttäuschten ARD, ZDF, die rechtemäßig zunächst leer ausgingen – schon der Untergang des televisionären Abendlandes beschworen. Discovery? Wer? Nun durften die Öffentlich-Rechtlichen ja auch noch ran in Südkorea, zogen mit Biathlon-Entscheidungen mittags mit bis zu sechs Millionen Zuschauern genauso spektakulär und durchaus volksnah Publikum, wie sie mit den Mehrfach-Einsätzen von Doping-Reporter Hajo Seppelt in kritische Distanz zum großen IOC-Event zu gehen vermochten.

Eurosport kann auch Doping

Eurosport hatte auch einen Doping-Reporter vor Ort, den Berliner Benjamin Best. Den sah man, zugegeben, seltener vor der Kamera als Seppelt im Ersten. Der neue Olympiasender Eurosport präsentierte die Winterspiele als Reigen aus schönen Bildern, viel Jubel und bester Laune, im Grunde also kaum anders als die Kollegen von ARD und ZDF, nur eben noch kraftvoller und vielleicht auch noch ehrlicher. Die x-te Reporterfrage „Wie fühlen Sie sich als Olympiasieger?“ können sie alle. Olympia ist Show, ist Kommerz. Passt zu Eurosport. Die Muttergesellschaft Discovery hatte die TV-Rechte für die Spiele von 2018 bis 2024 für 1,3 Milliarden Euro erworben. Da darf Begeisterung schon mal überschwappen.

Wer will der täglichen Primetimeshow „zwanzig18“ verdenken, dass sie die zwei Stunden sportlicher Unterhaltung mit Promibiathlon, dem „Wichtigsten“ aus dem Netz und Gastbeiträgen von Wigald Boning oder Howard Carpendale vollstopfte. Zur Wahrheit gehört auch, dass man bei Eurosport über Randsportarten mehr erfuhr als bei ARD/ZDF. Es wurde journalistisch gut investiert. Experten, Reporter und Moderatoren wie Sven Hannawald (Skispringen), Sigi Heinrich (Biathlon) oder Marco Schreyl („zwanzig18“) machten keinen schlechteren Job als Katrin Müller-Hohenstein, Rudi Cerne (beide ZDF), Gerhard Delling (ARD) oder Tom Bartels (Skispringen/ARD).

Quoten gibt es erst am Montag

Und die Quoten? Eurosport zeigte sich sehr zufrieden mit der Bilanz der ersten Olympischen Spiele des Senders, auch wenn man nicht an Zahlen von ARD/ZDF herankam, die zudem viele Höhepunkte im Free TV zeigen konnten (Biathlon, Eishockey). Nach dem Auftaktwochenende meldete Discovery „im Durchschnitt 186 Millionen Zuschauer im Free- und Pay-TV“ sowie „26 Millionen User auf allen digitalen Plattformen“. Die linearen TV-Reichweiten mit digitalen Kennzahlen kombiniert sollen erst im Anschluss an die Spiele Anfang der Woche bekannt gegeben werden, sagte Discovery-Sprecher Timo Ditschkowski.

Discovery/Eurosport habe stets betont, mit der Berichterstattung von den Olympischen Spielen mehr Menschen als je zuvor über alle Plattformen erreichen zu wollen. „Das ist uns mit unserem ,Digital First‘-Ansatz gelungen. Das direkte Feedback der Fans über die Digitalkanäle wie auch das der Medien ist sehr gut.“ Natürlich gebe es immer Kleinigkeiten zu verbessern. „Im Anschluss an Pyeongchang 2018 werden wir uns in eine intensive Analyse begeben und im Hinblick auf Tokio 2020 besprechen, was wir noch verbessern müssen, welche Strategien wir weiterverfolgen und was wir nicht wieder machen werden.“ Vielleicht ist die Einladung mancher Experten zu überdenken.

Den ehrlichsten Satz lieferte Matthias Sammer, der als Eurosport-Fußballexperte in einer „zwanzig 18“-Ausgabe ins Olympia-Studio gelotst wurde. Als ihm Moderator Marco Schreyl entlocken wollte, wie er es fände, wenn diese tollen Olympischen Spiele bald wieder nach Deutschland kämen, sagte Sammer: „Wir haben doch Probleme, eine Regierung zu bekommen, da wird es hier so schnell keine Spiele geben.“ Da sage noch einer, bei Eurosport gäbe es nur Jubel-Ausraster und Gänsehaut. Markus Ehrenberg

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