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Da wächst schon Gras drüber. Das jahrelange Warten auf die Eröffnung des Flughafens hinterlässt Spuren.

© dpa

Eröffnung des BER: Ein neuer Flughafen 2016 passt allen

Es spricht viel dafür, dass die SPD den Wahlkampf im Herbst 2016 in der Hoffnung auf ein Großereignis führen kann. Ein Kommentar.

Ein Kommentar von Gerd Appenzeller

Mit Allergikern ist es so: Beim ersten Kontakt mit dem die allergische Reaktion auslösenden Reizstoff kann die Warnung des Immunsystems noch glimpflich abgehen. Jede weitere Berührung wächst sich jedoch schnell zur tödlichen Bedrohung aus.

Was für den normalen Allergiker ein Insektenstich oder die Berührung einer bestimmten Pflanze sein können, ist für Klaus Wowereit und Hartmut Mehdorn die Nennung eines Eröffnungstermins für den neuen Flughafen BER in Schönefeld. Zu oft ist diese Festlegung schon schiefgegangen, vor allem, weil Mehdorns Vorgänger im Amt entweder schwindelten, keine Ahnung hatten oder die tatsächliche Lage schönschminkten. Mit jeder Absage aber wuchs die öffentliche Empörung über das Versagen von Politik und Flughafenplanern. Wenn jetzt also letztlich nur indirekt auf einen Eröffnungstermin im Oktober 2016 geschlossen werden kann, darf sich niemand wundern, dass die offizielle Bestätigung fehlt. Die Wahrscheinlichkeit spricht aber für die Richtigkeit.

Eine Vorlage für den Aufsichtsrat der Flughafengesellschaft nennt für 2016 eine Zahl von voraussichtlich 31,4 Millionen Passagieren. Dieser Zahl angenähert hatte sich die IHK bereits im Januar 2013 in ihrem Jahresthema „Kapazität des Flughafenstandorts Berlin sichern“. Damals ging die Kammer noch von einer notwendigen Verlängerung der beiden Seitenflügel des Hauptterminals aus, um so viele Fluggäste abfertigen zu können. Hartmut Mehdorn bringt jetzt wieder seine Lieblingsidee ins Gespräch – Schönefeld-alt so aufzuhübschen, dass dort weiter sieben Millionen Passagiere der Billigflieger abgefertigt werden können. Zusammen mit den 27 Millionen Passagieren, die zu bewältigen man dem neuen Flughafen zutraut, wäre also sogar noch ein Sicherheitspolster vorhanden.

Wenn Schönefeld-Alt in Betrieb bleibt, muss für den Regierungsflughafen ein neuer Standort gefunden werden. Das ist bereits geschehen. Der Bürgermeister von Schönefeld kann ein geeignetes Areal nördlich des neuen Flughafens zur Verfügung stellen. Bisher ziert sich der Bund als Bauherr des Regierungsflughafens noch, denn er hat eine vollzugsreife Baugenehmigung. Spätestens nach den brandenburgischen Landtagswahlen werden sich aber wohl alle drei Gesellschafter auf die Umplanung verständigen.

Die Arbeitsfortschritte bei der Erstellung des Brandschutzes im neuen Flughafen stützen Mehdorns Hoffnung, mit dem Winterflugplan 2016/2017 eröffnen zu können, auch wenn er über diesen Termin noch eisern schweigt. Siemens hat immer eine Umrüstzeit der Brandschutzanlage von 18 Monaten genannt, ab dem Zeitpunkt der Übernahme der kompletten Unterlagen, was wohl geschehen ist. Und noch eins spricht dafür: Das neue Abgeordnetenhaus von Berlin muss spätestens am 25. September 2016 gewählt werden. Flughafeneröffnung könnte am Wochenende darauf, vom 1. auf den 2. Oktober, sein. Gleich, ob Wowereit dann noch Regierender Bürgermeister ist oder nicht: Den Wahlkampf kann die SPD in der Hoffnung auf das Großereignis führen – weitere allergische Reaktionen einmal ausgeschlossen.

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