
© Klaus Stuttmann für den Tagesspiegel
Merz legt los, Trump zerlegt die Welt: Der Rückblick auf das Jahr 2025 in Karikaturen
Während in Berlin ein neuer Kanzler die Arbeit aufnimmt, ordnet Trump aus Washington die Welt nach seiner Vorstellung. Und im Nahen Osten droht die Lage endgültig zu eskalieren.
- Dennis Pohl
- Klaus Stuttmann
Stand:

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Es war ein atemloses Jahr – mal wieder. Deutschland erlebt die ersten Monate unter Kanzler Friedrich Merz – und merkt schnell, dass Regieren in Zeiten knapper Mehrheiten kein Spaziergang ist. Während Merz nach einer Balance zwischen Aufbruch und Stabilitätsversprechen sucht, ringt die neue schwarz-rote Koalition um ihre innere Ordnung.

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Parallel dazu dominiert außenpolitisch ein Mann die Schlagzeilen: Donald Trump, zurück im Weißen Haus und fest entschlossen, Amerika wieder zur bestimmenden Kraft der Weltpolitik zu machen – mit Folgen für Europa, die man hier erst langsam begreift. Die Ukraine erlebt das härteste Jahr seit Kriegsbeginn, militärisch wie diplomatisch. Im Nahen Osten flammt derweil ein neuer Großkonflikt auf, während sich in Gaza die Realität zwischen brüchiger Waffenruhe, Hunger und Tod beständig verschiebt.
Ein Jahresrückblick in Karikaturen.
K.o. in Runde eins

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Den Kanzler zu kritisieren, ist leicht, aber Kanzler sein? Fragen Sie mal Friedrich Merz. Sicher, es ist ein Erfolg für den Sauerländer, es in diesem Jahr doch noch ins Kanzleramt geschafft zu haben. Aber ansonsten? Hat er als Kandidat schwach angefangen und als Kanzler stark nachgelassen. Anfang des Jahres bringt er seinen Wahlsieg mit einem eilig anberaumten Antrag zur Migrationspolitik in Gefahr, später knirscht es bei seiner Kanzlerwahl.
Und dann bricht er bereits in seinen ersten Wochen im Amt Wahlversprechen, etwa mit einem 500-Milliarden-Sondervermögen auf Pump. Uff. Merz jedenfalls kassiert die Quittung: Das Jahr beendet er mit Zustimmungswerten von knapp über 20 Prozent. So unbeliebt war vor ihm nur einer: Olaf Scholz.
Thematisch enger Wahlkampf

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Das Jahr startet mit Entsetzen. Mitte Januar sterben bei einem Messerangriff in Aschaffenburg ein Mann sowie ein Kind. Der Täter: ein abgelehnter Asylbewerber. Die Politik reagiert selten einstimmig – mit Forderungen nach mehr Sicherheit und einer härteren Gangart in der Asylpolitik.
Das ist ob der schrecklichen Bilder verständlich, stellt aber den laufenden Wahlkampf völlig auf den Kopf. Wirtschaft, Soziales und Reformen sind als Themen abgemeldet, die Migrationsfrage überschattet alles. Davon profitiert am Ende eine bereits Totgesagte: Die Linke, seit Monaten unter fünf Prozent, gibt sie die einzige Alternative zum Überbietungskampf. Und schafft es erstaunlich komfortabel ins Parlament.
Die blaue Mauer

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Deutschland feiert in diesem Jahr 35 Jahre Wiedervereinigung. Aber es ist ein Fest mit bitterer Note. Denn entlang der ehemals innerdeutschen Grenze verläuft wieder ein nicht übersehbarer Bruch. Nicht zwischen zwei Ländern, sondern zwischen Blau und Bunt, könnte man sagen. Bei der Bundestagswahl wurde die AfD nur in einer Handvoll ostdeutscher Wahlkreise nicht stärkste Kraft. Insgesamt ist die Partei im Osten doppelt so stark wie im Westen.
Dafür gibt es viele Erklärungsansätze: den demografischen Wandel, die Diktaturerfahrungen, eine Trotzreaktion auf die Mär von „den Ossis“. Sie alle scheinen zu kurz zu greifen. Fakt ist: Diese Teilung wird politisch auch die kommenden Jahre prägen. Mit ungewissem Ausgang.
Liberale Leiden

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23. Februar, Wahlabend, kurz nach 18 Uhr. In der FDP-Zentrale in Berlin könnte man eine Stecknadel fallen hören. Die Liberalen im Bund blicken in diesem Moment auf das schlechteste Ergebnis ihrer Geschichte: 4,3 Prozent, Bundestags-Aus. Zwar beschwört die Partei augenblicklich den „Neuanfang“, aber der fällt bislang marginal aus. Auf Christian Lindner folgt ein neuer Christian, Christian Dürr.
Seither liegt die Partei bei drei Prozent, laut Umfragen trauen ihr nur zwei Prozent der Deutschen zu, die Probleme des Landes lösen zu können. Und im kommenden Jahr stehen wichtige Landtagswahlen an. Gehen diese schief, könnte 2025 den Anfang vom Ende einer altgedienten politischen Kraft markieren.
Kahlschlag bei der Kultur

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Berlin sei arm, aber sexy, sagte ein Berliner Bürgermeister mal. Unter dem Amtierenden soll die Stadt sich nun offenbar wandeln: arm, aber arm. Um rund neun Prozent kürzt die Landesregierung unter Kai Wegner in ihrem Haushaltsentwurf für die kommenden beiden Jahre die Mittel für Kulturförderung, das macht knapp 90 Millionen Euro weniger. Während gleichzeitig der Gesamthaushalt um 3,6 Milliarden steigt. Der Protest aus Kultur und Zivilgesellschaft ist laut, aber letztlich nur in Teilen erfolgreich. Der im Dezember beschlossene Haushalt trifft Kulturschaffende weiter hart.
Weiträumig umfahren

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Rente, Wirtschaft, Bürokratie und eigentlich alles andere auch: Selten war der Reformstau größer. Und damit auch die Erwartungen an einen neuen Kanzler: Friedrich Merz, einer, der anpacken würde, das Land umkrempeln, ein „Reformkanzler“. Siebeneinhalb Monate später muss man fragen: Re- was? Dass es so kommen würde, ist eigentlich bei der Unterzeichnung des Koalitionsvertrags im April klar.
Zwar betont das Papier einen generellen Willen zum Wandel, verschiebt dringliche Vorhaben aber in Kommissionen. Das bedeutet auf Politdeutsch so viel wie: mal sehen. Für Merz ist dieses Zwischenfazit gefährlich, droht es doch, seine Kanzlerschaft schon zu definieren, bevor sie überhaupt richtig begonnen hat.
Hier gibt es nichts zu sehen

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Besondere Zeiten erfordern besondere Maßnahmen. Und damit machen bitte alle früher Feierabend und schauen mal nicht so genau hin. So in etwa lässt sich Jens Spahns Argumentation zu seinem Handeln als Gesundheitsminister während der Corona-Pandemie zusammenfassen. Aber rechtfertigen diese Zeiten auch einen Schaden in Milliardenhöhe?
Im Sommer wird dazu ein Bericht der Sonderbeauftragten Margarete Sudhof öffentlich, der Spahn schwer belastet: Beschaffungen von Masken zu überhöhten Preisen, vorbei an etablierten Strukturen, Beauftragung von Unternehmen im eigenen Wahlkreis. Konsequenzen für den Unions-Fraktionschef? Bleiben bisher aus.
Einstufung mit Haken

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Es sieht aus wie eine Ente, schwimmt wie eine Ente, quakt wie eine Ente, also … Im Mai schafft der Verfassungsschutz vermeintlich Fakten, indem er die AfD nach jahrelangem Streit als „gesichert rechtsextremistisch“ einstuft. Der Hauptgrund: das „ausgrenzende Volksverständnis“ der Partei. Okay, haben wir nun also Klarheit? Natürlich nicht.
Die Partei geht juristisch gegen die Entscheidung vor und erringt eine „Stillhaltezusage“. Die Einstufung durch die Behörde steht also. Die Bezeichnung ist aber ausgesetzt, bis das Verwaltungsgericht Köln ein finales Urteil darüber fällt. Klingt kompliziert? Ist es auch, zumindest juristisch.
Ein weiteres Reförmchen

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Nehmen Sie an, Sie haben einen Topf, der von immer weniger Menschen befüllt wird, müssen mit dem Inhalt aber immer mehr Menschen durchbringen. Was tun Sie? Richtig, Sie benötigen einen neuen Topf. Die Bundesregierung sieht das anders. In ihrem Rentenpaket schreibt sie nämlich auf Betreiben der SPD unter anderem die Stabilität des Rentenniveaus über 2025 hinaus fest, was sich nur mit einem erheblichen Plus an Steuermitteln stemmen lässt.
Die Zeche zahlt also die nächste Generation. Diese geht Ende November in Form einer Gruppe jüngerer Unionsabgeordneter mit Vehemenz dagegen auf die Barrikaden. Ohne Erfolg: Das Paket geht durch, eine echte Rentenreform soll nun, natürlich, eine Kommission erarbeiten.
Er ist wirklich zurück

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Zumindest der erste Tag der zweiten Präsidentschaft Donald Trumps verläuft nicht nach Plan. Wegen Temperaturen unter dem Gefrierpunkt muss der 47. Präsident der Vereinigten Staaten seine zweite Amtseinführung kurzerhand in die Rotunde des Kapitols verlegen. Aber auch drinnen wird es frostig. Trump teilt auf Spielfilmlänge gegen politische Gegner, die Medien und viele andere aus und verspricht gewohnt vollmundig ein „Golden Age of America“.
Derweil demonstrieren draußen Tausende. Die meisten von ihnen dürften ahnen, was er mit diesem Zeitalter meint: Isolationismus, den Bruch von Konventionen, eine harte, fast despotische politische Hand. Für all das stand Trump bereits 2017. Aber dieses Mal ist er besser vorbereitet.
Schutt und Asche

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2025 wird für die Menschen in Gaza zu einem weiteren Jahr massiver Zerstörung. Im März wird ein erst wenige Wochen alter Waffenstillstand durch einen nächtlichen Angriff Israels gebrochen, bei dem laut Gazas Gesundheitsbehörde mehr als 400 Menschen sterben. Im Frühjahr verschärfen Blockaden und fehlende Hilfslieferungen die Lage; internationale Organisationen melden Hunderte Hungertote und sprechen von einer „vollständig menschengemachten“ Krise. Im Herbst tritt ein US-gestützter Friedensplan in Kraft – doch auch dieser erweist sich als brüchig. Eine dauerhafte Lösung des Konflikts dürfte auch im neuen Jahr ein frommer Wunsch bleiben.
Mobbing beim Staatsbesuch

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Mobbing ist für sich genommen schon ein ernstes Problem. Dass es im Büro des mächtigsten Mannes der Welt stattfindet, ist jedoch neu. Als Ende Februar Wolodymyr Selenskyj die USA besucht, spielen sich im Oval Office entwürdigende Szenen ab. Trump, sein Stellvertreter J.D. Vance und einige Berater umringen den ukrainischen Präsidenten wie Schulhofschläger, die Ärger suchen: breitbeinig, aggressiv, provokant. Ob er sich oft genug bedankt habe, fragen sie ihn. Wo sein Anzug sei, ob er so was überhaupt besitze? Als Selenskij wenig später seinen Staatsbesuch abbricht, dürfte der Welt klar sein, wo gerade die eigentliche „Zeitenwende“ stattfindet: im Weißen Haus.
Zollpolitischer Jo-Jo-Effekt

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2025 ist das Jahr, in dem der Jo-Jo-Effekt politisch wird. Schon kurz nach seinem zweiten Amtsantritt verhängt Donald Trump per Notstandsrecht eine Gebühr von zehn Prozent auf alle US-Importe und belegt Länder mit „unfairen“ Überschüssen mit Zöllen von teils über 40 Prozent.
Es folgen irrlichternde Ausnahmen und Rücknahmen – mal für Agrarprodukte, mal im Zuge neuer Deals, etwa mit der EU, dem Vereinigten Königreich und Japan. Das Ergebnis: ein ständiges Rauf und Runter, das Handelspartner irritiert, die Märkte verunsichert – und dennoch über 200 Milliarden Dollar in die US-Kasse spült.
Auftakt für Leo

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Weißer Rauch über der Sixtina – und Überraschung darunter. Die Kardinäle wählen den US-Amerikaner Robert Prevost zum neuen Papst, nun Leo XIV., und das bereits am 8. Mai, dem zweiten Tag des Konklaves. Wenig später ruft Protodiakon „Habemus Papam“ von der Bendiktionsloggia – und die Menge auf dem Petersplatz jubelt.
Prevost, zuvor lange Jahre als Missionar in Lateinamerika tätig, beginnt sein Pontifikat denkbar schlicht: „Peace be with all of you“, sagt er, Friede sei mit euch allen. Für die einen ist das ein Signal der Erneuerung. Für andere ob der Weltlage gleich am ersten Tag ein politisches Wagnis.
Folgenreicher Angriff

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13. Juni, kurz nach Mitternacht: Israel startet eine der folgenreichsten Operationen seiner Geschichte. In einem Überraschungsangriff bombardiert das Land Dutzende iranische Atomanlagen, Militärstützpunkte, Politiker und Wissenschaftler, wohl mithilfe von im Iran tätigen Mossad-Agenten. Teheran spricht von Attentaten, Israel von „notwendiger Prävention“.
Die USA steigen nach einigem Zaudern ein und greifen selbst iranische Nuklearstandorte an, darunter Fordo und Isfahan. Präsident Trump erklärt die Anlagen für „obliterated“, Geheimdienste widersprechen. Am Ende steht ein Waffenstillstand – und ein Konflikt, in dem für den Moment die Waffen schweigen. Aber für wie lange?
Ein klares Angebot

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Wenn man einen Krieg in 24 Stunden beenden möchte, hilft es, wenn einem Moral und Völkerrecht herzlich egal sind. Im November sickert ein 28-Punkte-Plan der USA durch, der für Frieden in der Ukraine sorgen soll – in Kiew aber eher wie der Vordruck einer Kapitulationserklärung ankommt. Denn laut den Entwürfen soll die Ukraine zusätzliches Territorium an Russland abtreten, ihre Armee verkleinern und auf eine Nato-Mitgliedschaft verzichten. Europäische Partner sprechen von einem „Basisdokument, das erhebliche Arbeit braucht“. Moskau hingegen zeigt sich zufrieden. Kein Wunder, schließlich wirkt der Plan, als habe man eine Liste mit Putins Forderungen kurzerhand aus dem Russischen übersetzt.
Kompromiss auf Französisch

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Kompromisse? Hält man in Frankreich für langweilig. Man wählt lieber den kompletten Systemabsturz. So im Oktober. Da tritt mal wieder ein Premier zurück, dieses Mal Sébastien Lecornu, und das nur Stunden nach der Vorstellung seines Kabinetts. Ein Rekord an Kürze.
Grund für das Chaos? Ein Parlament, das seit 2022 so gespalten ist, dass jede Regierung fällt, sobald sie das Wort „Haushaltsentwurf“ nur denkt. Barnier scheitert am Budget. Bayrou fliegt wegen des nächsten Budgets. Lecornu? Scheitert schon an der Frage, wer im Kabinett sitzen darf. So läuft es eben in Frankreich: lieber eine Regierung pro Monat als ein schnöder Kompromiss. Oder wie man in Paris sagen würde: la stabilité, c’est suspect.
Zaungast der Debatte

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Am Willen fehlt es Europa sicher nicht, zumindest einem Großteil der europäischen Länder. Als sich eine Handvoll Staats- und Regierungschefs Mitte Dezember in Berlin mit US-Vertretern und Wolodymyr Selenskyj zum Ukraine-Gipfel treffen, sind die Absichten gut und das Communiqué handfest: Es benötige „robuste und glaubwürdige Sicherheitsgarantien“ für Kiew und einen europäisch geführten „multinationalen Schutztrupp“.
Das klingt gut, dürfte aber kaum Einfluss haben. Denn Europa hat, das lehrt auch 2025, international zu wenig Gewicht. Fast zeitgleich macht Kiew klar, dass solche Pläne ohne die USA wenig wert wären. So bleibt Europa erneut Zaungast seiner eigenen sicherheitspolitischen Debatte.
Ein großer Plan

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Natürlich hat Trump auch für Gaza eine Vision – und natürlich ist sie groß. Sein Plan sieht vor, das zerstörte Gebiet in zwei Phasen für insgesamt 50 Milliarden Dollar wieder aufzubauen, flankiert von Hightech-Zonen, Luxusprojekten und sogar künstlichen Inseln für Investoren. Aus einem Trümmerfeld zur Dubai-Fantasie sozusagen. Finanziert werden soll das vor allem von arabischen Staaten – die allerdings bislang wenig Begeisterung für diese Vision zeigen.
Möglich, dass Trumps Idee also ein Fiebertraum bleiben wird. Denn sie hat noch einen weiteren, kleinen Haken: Der US-Präsident scheint vergessen zu haben, wo genau die zwei Millionen Einwohner während des Baus leben sollen.
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