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Schulen in Deutschland: Alle wollen aufs Gymnasium

Das Statistische Bundesamt hat einen ausführlichen Bericht zu Schulen in Deutschland herausgegeben. Wie hat sich die Schulstruktur in den vergangenen zehn Jahren verändert?

Die Hauptschulen haben ausgedient. Statt des traditionellen dreigliedrigen Schulsystems setzt sich ein zweigliedriges System mit Gymnasien und Sekundarschulen durch, in denen Haupt- und Realschulen zusammengelegt werden. Zu diesem und anderen Trends im deutschen Bildungssystem hat das Statistische Bundesamt am Donnerstag ein Zahlenwerk präsentiert, das Schlaglichter auf aktuelle Schulreformen wirft.

„Gewinner“ ist das Gymnasium. Mit 38,6 Prozent der Schulwechsler nach der 4. Grundschulklasse ist es im Schuljahr 2010/11 mit Abstand die am meisten besuchte Schulart. Das sind zwölf Prozent mehr als vor zehn Jahren. In Berlin und Brandenburg, wo der Wechsel für die Masse der Grundschüler nach der 6. Klasse ansteht, liegt der Anteil bei überdurchschnittlichen 46 Prozent, nach der 4. Klasse sind es in Berlin 8,6 Prozent. Weit vorne liegt auch Hamburg mit einem Anteil von 52,6 Prozent.

Im Schnitt noch höher liegt die Zahl der Schulabgänger, die ein Studium aufnehmen können. Fast die Hälfte aller Schüler (49 Prozent) erreichte im vergangenen Schuljahr die allgemeine Hochschulreife oder die Fachhochschulreife. Diese Zahlen erhöhen den Druck auf Bund und Länder, mehr zusätzliche Mittel als geplant für den Aufbau neuer Studienanfängerplätze über 2015 hinaus bereitzustellen.

Doch während Abiturienten auch der Weg in eine Berufsausbildung offensteht, geraten Jugendliche mit Hauptschulabschluss mehr und mehr ins Hintertreffen. Weil Hauptschulen in etlichen Ländern abgeschafft wurden, sank der Anteil der Übergänge von der Grundschule auf diese Schulart um sechs Prozent auf aktuell 13 Prozent. Der Anteil der Hauptschulabschlüsse verringerte sich in den vergangenen zehn Jahren von 25 auf 21 Prozent.

Trotz Rückgangs ist die Zahl der Jugendlichen, die die Schule ohne Abschluss verlassen, nach wie vor alarmierend. Rund sieben Prozent waren es im Schuljahr 2010/11. Ein Viertel der Jugendlichen, die damit so gut wie keine Chance auf eine Ausbildungsstelle hatten, kam von einer Hauptschule, 57 Prozent von einer Förderschule. Doch ein großer Teil der Förderschüler erwarb stattdessen einen Abschluss für Lern- oder Geistigbehinderte, betonen die Statistiker. Groß sind die Unterschiede zwischen den Bundesländern, die Schlusslichter finden sich in Ostdeutschland.

Einschulung mit fünf Jahren und "G8" bewegen die Eltern besonders

Den Trend, dass Mädchen in der Schule die Nase leicht vorn haben, bestätigen die Statistiker. Die Ausgangslage ist naturgemäß nahezu ausgeglichen; 50,9 Prozent der Kinder und Jugendlichen an Schulen sind Jungen, 49,1 Prozent Mädchen. An den Gymnasien sind die Mädchen mit 52,7 Prozent überrepräsentiert. Jungen dagegen dominieren die Hauptschulen (56,1 Prozent) und die Förderschulen (63,7 Prozent). Ohne Abschluss verließen 7,7 Prozent der Jungen die Schule, nur 5,2 Prozent der Mädchen. Jungen müssen auch häufiger eine Klasse wiederholen. Im Schnitt ist der Anteil an „Sitzenbleibern“ mit aktuell zwei Prozent aber gesunken – gemäß einer Forderung, die Bildungsforscher immer wieder erheben.

Zwei Trends, die Eltern besonders bewegen, sind die Einschulung mit fünf Jahren und „G 8“, der nur noch zwölfjährige Weg zum Abitur. Von der frühen Einschulung werden noch immer sehr wenige Kinder erfasst, mit fünf Jahren waren vor einem Jahr nur 0,4 Prozent der Kinder an einer Schule angemeldet, mit sechs Jahren waren es bereits 61 Prozent. Stärker wirkt sich die Verkürzung am Ende der Schulzeit aus. In Ländern, die komplett auf G8 umgestellt haben, liegt der Anteil der 19- bis 20-Jährigen, die eine Schule besuchen, zwischen 1,5 und 3,3 Prozent, im Bundesschnitt sind es 9,8 Prozent.

Wegen des demografischen Wandels sank die Zahl der Erstklässler in den vergangenen zehn Jahren deutlich um 13 Prozent. Besonders gravierend ist der Rückgang im Saarland (29 Prozent) und in Rheinland-Pfalz (23 Prozent). In Ostdeutschland dagegen steigen die Einschulungszahlen, nachdem sie wegen des Geburtenrückgangs nach der Wiedervereinigung drastisch zurückgegangen waren. In Sachsen sind es 35 Prozent mehr, in Brandenburg 32 Prozent. Bei den Schulschließungen kommen der demografische Wandel und der Trend zur Zweigliedrigkeit zusammen: 7400 Schulen wurden bundesweit seit 2000/2001 geschlossen, betroffen waren 34 Prozent der Hauptschulen und 30 Prozent der Realschulen.

Den gesamten Bericht finden sie hier.

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