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Angriffe auf Tanker : Forderungen nach internationaler Untersuchung mehren sich

Der britische Außenminister ist „fast ganz sicher“, dass iranische Revolutionsgarden Tanker im Golf von Oman attackiert haben. Beweise bringt er nicht.

Ein Foto des US-Militärs soll links den Schaden und rechts eine Haftmine am Tanker „Kokuka Courageous“ zeigen.
Ein Foto des US-Militärs soll links den Schaden und rechts eine Haftmine am Tanker „Kokuka Courageous“ zeigen.Foto: AFP

Die Angriffe auf zwei Tanker im Golf von Oman sind nach Überzeugung des britischen Außenministers Jeremy Hunt von den iranischen Revolutionsgarden ausgeführt worden. „Unsere eigene Einschätzung führt uns zu der Annahme, dass die Verantwortung für die Angriffe fast ganz sicher beim Iran liegt“, betonte Hunt in einer Erklärung seines Ministeriums vom Freitagabend. Kein anderer Staat oder nicht-staatlicher Akteur käme dafür vernünftigerweise in Betracht, betonte Hunt. Beweise aber legte der Minister ähnlich wie zuvor sein US-Kollege Mike Pompeo nicht vor. Die Regierung in Teheran hat die Vorwürfe zurückgewiesen. Inzwischen mehren sich auch die Forderungen nach einer unabhängigen internationalen Untersuchung.

Der britische Außenminister Jeremy Hunt
Der britische Außenminister Jeremy HuntFoto: AFP/Isabel Infantes

Hunt betonte, die Vereinigten Arabischen Emirate (VAE) seien schon nach den Sabotageakten gegen vier Handelsschiffe vor vier Wochen in derselben Region zu dem Schluss gelangt, dass sie von einem hochentwickelten Staat ausgeführt worden seien. Die genauen Umstände auch dieser Vorfälle blieben jedoch unklar.

US-Sicherheitsberater John Bolton sprach später von Angriffen mit Seeminen, für die „fast sicher“ der Iran verantwortlich sei. Beweise für seine Anschuldigung legte auch er damals nicht vor. "Der Iran hat das gemacht", sagte Präsident Donald Trump dem Sender Fox News am Freitag und verwies auf ein Video des US-Militärs, das ein Boot der iranischen Revolutionsgarden an einem der Tanker zeigen soll. US-Verteidigungsminister Patrick Shanahan forderte eine "internationale Antwort". Er sagte: "Wir haben hier eine internationale Situation, es ist nicht eine US-Situation."

Irans Außenminister Mohammed Dschawad Sarif wies die Vorwürfe der USA als "gegenstandslos" zurück. Die US-Regierung beschuldige den Iran, ohne einen "Schnipsel" Beweise vorzulegen, kritisierte er. Die USA wollten die diplomatischen Bemühungen etwa von Japans Ministerpräsidenten Shinzo Abe sabotieren, um ihren "Wirtschaftsterrorismus" gegen den Iran zu verschleiern. Der iranische Präsident Hassan Ruhani bezeichnete die USA als "schwere Bedrohung für die Stabilität" in der Region.

UN-Generalsekretär Antonio Guterres forderte, es müsse herausgefunden werden, wer für die Explosionen an Bord der beiden Schiffe verantwortlich sei. "Es ist sehr wichtig, die Wahrheit zu erfahren", sagte er. Es sei Aufgabe des UN-Sicherheitsrats, solche Ermittlungen in die Wege zu leiten.

Russland und Deutschland fordern internationale Untersuchung

Russland verurteilte die Vorfälle und verlangte eine "gründliche internationale Untersuchung". Es dürften keine "voreiligen Schlüsse" gezogen werden, erklärte das Außenministerium in Moskau. Auch die Bundesregierung forderte eine eingehende Untersuchung. Über die Urheberschaft habe Berlin "keine eigenen Erkenntnisse", sagte Vize-Regierungssprecherin Ulrike Demmer.

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Mutmaßliche Tanker-Angriffe verschärfen Konflikt zwischen den USA und dem Iran
Mutmaßliche Tanker-Angriffe verschärfen Konflikt zwischen den USA und dem Iran

Eine ähnliche Forderung kommt auch von der deutschen Opposition: Grünen-Politiker Omid Nouripour sprach sich für eine internationale unabhängige Untersuchung aus. „Es geht hier um den Schutz der freien Schifffahrt in internationalen Gewässern“, sagte der Obmann der Grünen im Auswärtigen Ausschuss des Bundestags. „Es geht aber auch darum, einen verheerend Krieg zu verhindern, bevor vorschnelle Urteile die Situation eskalieren lassen.“

Bei den neuen Zwischenfällen nahe der Küste des Irans waren am frühen Donnerstagmorgen zwei Tanker beschädigt worden. Das zweite der beiden Schiffe, die „Front Altair“ einer norwegischen Reederei, geriet nach Explosionen in Brand. Die norwegische Seefahrtsbehörde sprach von einem Angriff, was die Reederei zunächst nicht bestätigte. Die genauen Umstände der schweren Zwischenfälle blieben zunächst weiter mysteriös. Der Auswärtige Dienst der EU schloss sich den US-Schuldzuweisungen gegen den Iran vorerst nicht an. (dpa, AFP)

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