• Coronakrise in den USA schlimmer als je zuvor: Noch nie gab es so viele Neuinfektionen an einem Tag

Coronakrise in den USA schlimmer als je zuvor : Noch nie gab es so viele Neuinfektionen an einem Tag

In den USA wütet Corona aktuell heftiger als in den Anfangswochen der Pandemie. Die tägliche Zahl der registrierten Neuinfizierten erreicht knapp 40.000.

Noch nie gab es so viele Neuinfektionen an einem Tag – trotzdem spielt US-Präsident Donald Trump das Coronavirus als leichte Grippe herunter.
Noch nie gab es so viele Neuinfektionen an einem Tag – trotzdem spielt US-Präsident Donald Trump das Coronavirus als leichte...Foto: Sue Ogrocki/AP/dpa

Die Corona-Krise in den USA verschärft sich erneut dramatisch: Für den Mittwoch wurde laut "Washington Post" und "New York Times" die höchste tägliche Zahl an Neuinfektionen seit Beginn der Pandemie gemeldet. Beide Zeitungen sammeln unabhängig voneinander die täglichen Infektionsfälle in den USA.

Die Johns-Hopkins-Universität, die Daten immer etwas später meldet, verzeichnete für den Dienstag 35.900 neue Infektionsfälle.

Besonders deutlich ist der Anstieg der Zahlen im Süden des Landes. Die Bundesstaaten New York, New Jersey und Connecticut ordneten deshalb an, dass aus mehreren Staaten des Südens kommende Reisende in Quarantäne müssen.

Corona-Ausbrüche: Vor allem die Südstaaten sind betroffen

Die Vereinigten Staaten sind derzeit neben Brasilien das mit Abstand am härtesten von der Pandemie betroffene Land der Welt. Seit zwei Wochen verzeichnen sie in rund der Hälfte ihrer 50 Bundesstaaten deutlich steigende Ansteckungsraten.

Dies gilt besonders für Regionen des Südens - so registrieren die Bundesstaaten Texas und Florida derzeit ihre höchsten Infektionsraten seit Beginn der Krise. Beobachter führen dies unter anderem auf eine voreilige Lockerung der Corona-Beschränkungen zurück. Der texanische Gouverneur Greg Abbott appellierte nun an die Einwohner, möglichst daheim zu bleiben und beim Verlassen ihrer Häuser Atemschutzmasken zu tragen.

[Alle aktuellen Entwicklungen in Folge der Coronavirus-Pandemie finden Sie hier in unserem Newsblog. Über die Entwicklungen speziell in Berlin halten wir Sie an dieser Stelle auf dem Laufenden]

Doch den erneuten starken Anstieg der Fallzahlen in mittlerweile mehr als 20 Bundesstaaten allein mit den Lockerungen zu erklären, wäre zu einfach. Denn die meisten Staaten haben nicht nur die Kontaktbeschränkungen gelockert, sondern auch begonnen, viel mehr zu testen. Und wo mehr getestet wird, da werden auch mehr Fälle registriert. Die höhere Zahl an Tests zeigt damit vielleicht erstmals das beunruhigende Ausmaß der Pandemie in den USA.

Bei den Tests lohnt der Blick auf die Details: Denn obwohl die Bundesstaaten in den USA viel mehr testen als zu Beginn der Pandemie, sind es im Vergleich zum Ausmaß des Ausbruchs im Land immer noch wenige Tests. Kanada zum Beispiel führt auf eine Million Einwohner gerechnet ungefähr so viele Tests durch wie die USA, hat aber ungefähr zehn Mal weniger Infizierte pro Million Einwohner als der Nachbar im Süden.

Eine weitere Zahl, die zeigt, wie schwer die Pandemie in den USA noch wütet: In den USA fallen fünf Prozent der Tests positiv aus, in Deutschland dagegen nur 0,7 Prozent (einen guten Überblick über die Zahl der Tests weltweit finden Sie an dieser Stelle).

[Mit dem Newsletter „Twenty/Twenty“ begleiten unsere US-Experten Sie jeden Donnerstag auf dem Weg zur Präsidentschaftswahl. Hier geht es zur kostenlosen Anmeldung: tagesspiegel.de/twentytwenty.]

Wie Shoshana Ungerleider, Fachärztin für Innere Medizin am California Pacific Medical Center im TV-Sender CNN sagt: „Mehr Tests führen tatsächlich zu mehr Fällen. Aber wenn weitverbreitete Tests der einzige Grund für den Anstieg der Fälle waren, würde man erwarten, dass der Anteil der positiven Tests zurückgeht oder zumindest konstant bleibt. Das sehen wir nicht.“

New York und seine Nachbarstaaten New Jersey und Connecticut ordneten eine zweiwöchige Quarantäne für aus Alabama, Arkansas, Arizona, Florida, South Carolina und Texas eintreffende Reisende an. Bei Verstößen in New York drohen Geldstrafen von 2000 Dollar sowie 5000 Dollar im Wiederholungsfall, wie Gouverneur Andrew Cuomo mitteilte.

[Mehr zum Thema: Rapide steigende Corona-Zahlen – „Es fühlt sich so an, als hätten die USA aufgegeben“]

Reisende aus den inzwischen besonders von der Pandemie betroffenen Gegenden könnten "die Infektion mit sich bringen", warnte Cuomo. "Wir sollten der Realität ins Auge sehen. Leugnen ist keine Lebensstrategie."

Der Schritt zeigt, wie sich die Coronavirus-Krise in den USA regional verlagert hat: Lange Zeit waren der Bundesstaat New York und die gleichnamige Millionenstadt das Epizentrum der Pandemie, dort starben mehr als 30.000 Menschen.

Einreiseverbot für US-Bürger für Europa?

Zwischenzeitlich verlangten andere Bundesstaaten, dass sich New Yorker bei einem Besuch in Quarantäne begeben. Mit strikten Maßnahmen wie Ausgangsbeschränkungen und Geschäftsschließungen konnte die Lage in der Metropole aber in den vergangenen Monaten unter Kontrolle gebracht werden.

[Wenn Sie alle aktuellen Entwicklungen zur Coronavirus-Krise live auf Ihr Handy haben wollen, empfehlen wir Ihnen unsere runderneuerte App, die Sie hier für Apple- und Android-Geräte herunterladen können]

Kritiker geben Präsident Donald Trump eine Mitschuld an den verheerenden Auswirkungen des Coronavirus in seinem Land. Der Rechtspopulist hatte die Gefahr durch den neuartigen Erreger zunächst kleingeredet - und dringt bereits seit Monaten auf eine rasche Rückkehr zur Normalität. Vor einigen Tagen nahm Trump auch seine Wahlkampfkundgebungen auf. Er trägt dabei keine Maske.

Wegen der steigenden Infektionszahlen prüft die Europäische Union Medienberichten zufolge, US-Reisenden auch nach der ab dem 1. Juli geplanten schrittweisen Öffnung der EU-Außengrenzen die Einreise zu verweigern. US-Außenminister Mike Pompeo sagte dazu, er erwarte eine Einigung mit der EU über eine Wiederaufnahme des Reiseverkehrs "in den kommenden Wochen". Die USA wollten sich keinem Corona-Risiko durch Reisende aus dem Ausland aussetzen und selbst anderen Ländern keine "Probleme" bereiten. (mit AFP)

Jetzt neu: Wir schenken Ihnen 4 Wochen Tagesspiegel Plus!