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Coronavirus in den USA : Trump-Berater bestätigt Versäumnisse beim Krisenmanagement

Der US-Präsident weist Fehler zurück. Doch Berater Fauci sagt, es hätten Leben gerettet werden können. Trump retweetet darauf die Forderung: „Entlasst Fauci“.

Kai Portmann
US-Präsident Donald Trump hört Anthony Fauci zu.
US-Präsident Donald Trump hört Anthony Fauci zu.Foto: Reuters/Joshua Roberts

US-Präsident Donald Trump wehrt sich massiv gegen Vorwürfe der oppositionellen Demokraten und von Medien, frühe Warnungen vor dem Coronavirus ignoriert zu haben.

Er verstehe nicht, warum die Medien und die US-Demokraten ihn dann so heftig für die Einführung eines Einreiseverbots aus China kritisiert hätten, schrieb Trump am Sonntagabend (Ortszeit) auf Twitter und fügte hinzu: „Korrupte Medien!“.

In einem weiteren Tweet griff er namentlich die „New York Times“ an, eines seiner Lieblingsziele, und nannte deren jüngsten Bericht über sein Zögern und seine Versäumnisse in der Corona-Krise „eine Fälschung, so wie die 'Zeitung' selbst.“

Die „New York Times“ hatte zuletzt am Samstag über Trumps Vorgehen in der Anfangsphase der Corona-Krise berichtet und moniert, der Präsident habe „das Ausmaß des Risikos nur langsam zur Kenntnis genommen“ und nicht rechtzeitig reagiert. Stattdessen habe er sich darauf konzentriert, die Wirtschaft zu schützen und Warnungen zurückzuweisen.

Ranghohe Berater des Präsidenten hatten Medienberichten zufolge bereits Ende Januar vor der Coronavirus-Pandemie gewarnt und vorhergesagt, Hunderttausende Amerikaner könnten sterben.

Trump hatte die Gefahr durch das Virus immer wieder heruntergespielt und noch bis Anfang März öffentlich geäußert, es bestehe kein Grund zur Sorge für die USA. Sein Kurs in der Corona-Krise war schwankend, Trump war immer wieder unschlüssig, welche Maßnahmen zu ergreifen waren.

Der US-Präsident hatte zudem bei Pressekonferenzen einen Mangel auch schon an schlichtem medizinischen Wissen offenbart, als er etwa in Zusammenhang mit dem Coronavirus von einem „Keim“ sprach, dem mit Antibiotika nicht beizukommen sei.

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Fauci spricht von „Menge Widerstand“ gegen Runterfahren der USA

Die Kritik am Präsidenten teilt auch dessen oberster Experte für Fragen zur Coronavirus-Pandemie, Anthony Fauci. Fauci, der Chef des Nationalen Instituts für Infektionskrankheiten, äußerte sich am Sonntagabend beim Sender CNN und beantwortete Fragen von Moderator Jake Tapper.

Als Tapper Fauci zum Bericht der „New York Times“ befragt, wonach er und weitere Berater Trumps bereits im Februar zu Kontaktbeschränkungen geraten hätten, antwortet Fauci: „Wir bewerten das allein aus der medizinischen Sicht. Wir geben eine Empfehlung ab. Oft wird diese Empfehlung angenommen, manchmal nicht. Aber es ist, wie es ist. Wir stehen nun mal dort, wo wir jetzt stehen.“

Tapper fragt weiter, ob nicht Todesfälle hätten verhindert werden können, wenn die Richtlinien zu Kontaktbeschränkungen bereits im Februar und nicht erst Mitte März verkündet worden wären.

Fauci sagt zunächst, es sei schwierig, das zu beurteilen in der Rückschau, die Entscheidungen seien sehr kompliziert.

Dann sagt er aber ganz klar: „Wenn wir direkt von Beginn an alles runtergefahren hätten, dann wäre nun alles etwas anders. Aber es gab damals eine Menge Widerstand gegen einen solchen Schritt.“

Trump verbreitet Tweet mit „#FireFauci“

Die Republikanerin DeAnna Lorraine, die bei den Kongresswahlen als Kandidatin gegen die mächtige Demokratin Nancy Pelosi angetreten war, twitterte nach dem Auftritt Faucis bei CNN, dieser habe selber Ende Februar gesagt, es gebe keinen Grund zur Sorge und keine Bedrohung für die USA – während er nun behaupte, es hätten Menschenleben gerettet werden können, wenn Trump früher auf die medizinischen Fachleute gehört hätte.

Lorraine beendete ihren Tweet mit dem Satz: „Time to #FireFauci“ – „Zeit, Fauci zu entlassen“.

Trump wiederum verbreitete Lorraines Tweet und die darin enthaltene Aufforderung, Fauci zu feuern, als Retweet über seinen eigenen Twitterkanal.

Ob der Präsident damit eine Warnung an den Mediziner schicken will oder dessen Entlassung vorbereitet, ist offen. In der Vergangenheit waren immer wieder unterschiedliche Auffassungen der beiden zur Einschätzung der Coronavirus-Pandemie deutlich geworden.

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In den USA gibt es nach Zahlen der Universität Johns Hopkins in Baltimore (Stand Montagmorgen) fast 560.000 bestätigte Infektionsfälle. Mehr als 22.000 Menschen sind demnach an den Folgen einer Covid-19-Erkrankung gestorben.

Trump sieht die USA bereits auf dem Höhepunkt der Coronavirus-Krise und ist überzeugt, dass die Fallzahlen nun sinken. „Ich bin ziemlich sicher, dass wir auf dem Gipfel des Hügels sind. Und jetzt gehen wir herunter. In einigen Fällen haben wir diesen Prozess schon begonnen“, sagte er am Donnerstag.

Trump will die USA rasch wieder zur Normalität zurückbringen. Bei der Wahl des richtigen Zeitpunkts steht er nach eigenem Bekunden „vor der mit Abstand größten Entscheidung meines Lebens“. Er wolle sich dafür „mit den klügsten Menschen“ abstimmen und „hoffe bei Gott, dass es die richtige Entscheidung sein wird.“

Trump-Tochter Ivanka empfiehlt Schutzmasken

US-Präsidententochter Ivanka Trump wirbt derweil in der Corona-Pandemie für das Tragen von Schutzmasken – was ihr Vater für sich ablehnt. Die 38-Jährige twitterte am Sonntagabend ein Foto, das sie und ihre acht Jahre alte Tochter Arabella jeweils mit einem Mund-Nasen-Schutz zeigt.

Die Masken hätten die beiden selbst gemacht. „Sie können online Anleitungen finden, wie man Masken macht“, schrieb sie weiter.

Ivanka Trump rief dazu auf, den Empfehlungen der US-Gesundheitsbehörde CDC zu folgen. Sie erinnerte in einem weiteren Tweet daran, dass Masken zwar hilfreich seien, „aber kein Ersatz für Social Distancing“.

Die CDC hatte dazu geraten, zur Eindämmung des Coronavirus in der Öffentlichkeit Stoffmasken zu tragen, die Mund und Nase abdeckten.

Ivanka ist nicht die erste Frau in der Familie des US-Präsidenten, die sich für das Tragen von Masken stark macht. Zuvor hatte bereits First Lady Melania Trump über Twitter mit einem Maskenfoto für den Schutz geworben. (mit dpa)

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