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Jette Nietzard und Jakob Blasel, ehemalige Co-Bundesvorsitzende der Grünen Jugend.

© dpa/Michael Kappeler

„Das fuckt mich krass ab“ : Jette Nietzard bereut Löschung von Tweets und zieht Bilanz über Zeit als Grüne-Jugend-Chefin

Als Co-Chefin der Grünen Jugend löste Jette Nietzard immer wieder Eklats aus. Nach ihrem Rückzug von der Spitze zieht sie erstmals Bilanz – und hält sich für „verbrannt“.

Stand:

Die frühere Co-Vorsitzende der Grünen Jugend, Jette Nietzard, hat erstmals Bilanz gezogen nach ihrer einjährigen Amtszeit. „Mir wurde so oft Egoismus vorgeworfen. Aber für mich persönlich hat das ganze Jahr überhaupt nichts gebracht. Ich bin für viele Medien und die Partei verbrannt“, sagte die 26-Jährige der „Zeit“.

Mehrmals hatte Nietzard während ihrer Zeit an der Spitze der Grünen Jugend Shitstorms ausgelöst. Im Mai etwa zeigte sie sich auf Instagram mit einem Pullover, auf dem der Slogan „All Cops Are Bastards“ prangte. Die Parteispitze distanzierte sich daraufhin von ihr.

Doch Nietzard sagt, sie bereue nichts. Vielmehr ärgerte sie sich, dass sie einige ihrer Äußerungen wieder zurücknehmen musste. „Das fuckt mich krass ab, weil ich das nicht löschen wollte. Ich hätte all die Sachen stehen lassen sollen, weil das meine Überzeugungen sind“, so Nietzard.

Reue nach gelöschtem Silvester-Post

Beispielhaft nennt sie ihren Silvester-Post vom vergangenen Jahreswechsel. Damals hatte Nietzard geschrieben, dass Männer, die ihre Hand beim Böllern verlieren, zumindest keine Frauen mehr schlagen können. Heute sagt sie, sie finde den Tweet immer noch „lustig und völlig in Ordnung“. Sie überlege, „ob ich ihn am kommenden Silvesterabend wieder tweete“.

Nietzard berichtet, nur auf Druck hin, solche Tweets gelöscht zu haben, und stellt ihre Entschuldigungen infrage. „Es gab Menschen, die auf eine krasse Art auf mich eingeredet haben, da dachte ich halt: Fuck, am Ende führt das zu großen Konsequenzen, lösche ich ihn halt.“

Davon, was ihre Posts teilweise für Wellen geschlagen haben, war sie nach eigenen Angaben selbst überrascht. „Ich war bei jedem Skandal aufs Neue perplex darüber, wie groß die Kreise sind, die so etwas ziehen kann“, sagt Nietzard. „Ich wünschte, die vielen anderen Themen, die ich bearbeitet habe, wären ähnlich abgegangen.“

Nietzard spricht nach Mobbing-Vorwürfen von „Führung“

Zuletzt gab es im Zuge einer Recherche des „Spiegels“ auch Mobbing-Vorwürfe gegen Nietzard. Sie soll Menschen diffamiert haben, die sie als Bedrohung für die Grüne Jugend wahrgenommen habe, selbst vor Äußerlichkeiten wie Kleidung keinen Halt gemacht haben. Anonym war die Rede von einer Vorgehensweise wie bei „Schulhof-Mobbing“.

Nietzard äußerte sich dazu nun teilweise selbstkritisch, rechtfertigt ihr Verhalten aber auch. „Manchmal finde ich vielleicht nicht die richtigen Worte und verletze Leute. Das muss ich mir eingestehen“, so die 26-Jährige. Manche würden womöglich sagen, sie sei zu direkt. Doch sie habe ihre Aufgabe darin gesehen, zu führen.

Auf den Einwurf, dass zwischen Führen und Mobben ein Unterschied bestehe, wurde Nietzard konkreter. „Ich habe Menschen davon abgeraten, in Vorstände zu gehen. Wenn ich sie nicht für fähig hielt, habe ich sie nicht unterstützt“, so die Ex-Grüne-Jugend-Sprecherin. „Die können jetzt sagen, das war Mobbing. Ich sage: Das war Führung. Sie hätten ja trotzdem antreten können.“

Nietzard hatte im Juli angekündigt, sich nicht erneut zur Wahl als Sprecherin der Grünen Jugend stellen zu wollen. Ihren Rückzug kommentierte sie damals damit, dass seit einiger Zeit klar sei, dass sie keine Zukunft „in diesem Bundesvorstand“ haben könne. Auch Anfeindungen beklagte sie.

Sie habe versucht, den Blick auf Ungerechtigkeiten zu lenken, so Nietzard. „Ziel meiner Kritik waren immer Menschen in Machtpositionen.“ Im Oktober schied sie aus ihrem Amt aus. Sie ist aber weiterhin Mitglied der Grünen Jugend und in der Partei. (Tsp)

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