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Sieg des Außenseiters. Newt Gingrich und seine Frau Callista freuen sich mit Anhängern in South Carolina über den Erfolg bei den Vorwahlen.
© REUTERS

US-Wahlkampf: Das Rennen bei den Republikanern ist wieder offen

Newt Gingrich besiegt bei den Vorwahlen in South Carolina überraschend deutlich den Favoriten Mitt Romney. Der kann die Scharte in der nächsten Runde in Florida wieder auswetzen.

Er galt als der „unvermeidliche“ Kandidat, der im Herbst US-Präsident Barack Obama herausfordern wird. Diese Aura hat Mitt Romney in der Nacht zum Sonntag eingebüßt. Er verlor die dritte Vorwahl in South Carolina deutlich, erzielte 27,8 Prozent und lag am Ende mehr als zwölf Prozentpunkte hinter dem Sieger Newt Gingrich (40,4 Prozent). Dritter wurde mit 17 Prozent Rick Santorum, den die religiöse Rechte stützt, und Vierter der Querdenker Ron Paul (13 Prozent).

Das Rennen um die Präsidentschaftskandidatur der Republikaner wird nun keinen raschen Sieger finden, urteilen die US-Medien einhellig. Sie warnen jedoch davor, South Carolina als strategischen Wendepunkt zu interpretieren, der den Favoritensturz einleite. Romney sei der Einzige, der über eine landesweite Organisation sowie eine volle Kriegskasse verfüge und einen langen innerparteilichen Kampf durchhalten könne. Eine zentrale Frage wird sein, ob Romney die Zweifel bereits bei der nächsten Vorwahl am 31. Januar im strategisch wichtigen Florida durch einen überzeugenden Sieg überwinden kann. Derzeit liegt er dort im Schnitt der Umfragen mit 40,5 Prozent vor Gingrich (22 Prozent).

Freilich hatte Romney auch in South Carolina acht Tage vor der Abstimmung noch mit mehr als zehn Prozentpunkten geführt. US-Medien erklären die ungewöhnliche Dynamik – mehr als 20 Prozent wechselten binnen einer Woche ihre Präferenz – mit einer Mischung verschiedener Faktoren. In South Carolina sind die Republikaner deutlich konservativer und religiöser als im Schnitt der USA und damit empfänglich für Vorbehalte gegen Romney, der als zu moderat gilt und Mormone ist. Der Anteil von Soldaten und Reservisten ist hoch. Gingrich hatte die Zweifel an Romney geschickt bedient. Weil er aus dem Nachbarstaat Georgia stammt, genießt Gingrich hier einen Empathiebonus. Der schützte ihn gegen die Kritik an seinem Charakter, die er anderswo auf sich zieht. Er ist zum dritten Mal verheiratet, hatte außereheliche Affären und ist der einzige „Speaker“ des Abgeordnetenhauses, der wegen Ethikverstößen offiziell gemaßregelt wurde; deshalb musste er 300.000 Dollar Strafe zahlen.

Gingrich: Obama ist der "größte Foodstamp-Präsident"

Zur Wende in South Carolina trugen zwei Fernsehdebatten bei, in denen Romney defensiv wirkte und Gingrich seine Angriffe entschlossen vortrug. Der Aufforderung, seine Steuererklärungen offenzulegen, wie Kandidaten das üblicherweise tun, wich Romney aus. Unter Druck gestand er ein, dass er auf seine Einkünfte in Höhe mehrerer Millionen nur 15 Prozent Steuern zahle – weniger als die meisten Angestellten. Denn der Großteil stammt aus Finanzgeschäften, für die ein reduzierter Satz gilt, weil sie angeblich Arbeitsplätze schaffen.

Gingrich bediente in den Debatten eine Reihe von Ressentiments, die unter konservativen Weißen im Süden besonders verbreitet sind, darunter die gegen Finanzjongleure. Seine zweite Frau Marianne sagte, er habe seinerzeit am Telefon verlangt, dass sie einer „offenen Ehe“ zustimme, weil er eine Geliebte habe. Als er zum Auftakt der CNN-Debatte danach gefragt wurde, tat Gingrich das in einem gespielten Zornesausbruch als „abscheuliche“ Methode linker Medien ab. Das Publikum klatschte begeistert; Moderator John King wagte nicht, nachzuhaken.

Gingrich nutzt auch Vorurteile gegen angeblich arbeitsscheue Schwarze, die von Sozialprogrammen leben. Er nennt Obama den „größten Foodstamp-Präsidenten“ in der Geschichte Amerikas. Tatsächlich sind arme Weiße die zahlenmäßig größte Gruppe, die solche Lebensmittelgutscheine beziehen, gefolgt von Hispanics. Viele Kommentatoren bezweifeln, dass Gingrich diese Erfolgsstrategie auf andere Staaten übertragen kann.

Generell scheinen viele Erfahrungsregeln aus früheren Wahljahren 2012 nicht zu gelten. Noch nie gab es bei den ersten drei Vorwahlen drei verschiedene Sieger, wie es diesmal der Fall war. Voraussichtlich endet 2012 auch die seit 1980 gültige Regel, dass der Sieger in South Carolina auch die Kandidatur gewinnt. Bisher funktionierte der Mechanismus so, dass sich nach den Vorwahlen in Iowa und New Hampshire ein Favorit des Establishments und ein an der Basis beliebter Underdog gegenüberstanden und South Carolina den Ausschlag zugunsten des Establishment-Kandidaten gab. Gingrich hat 2012 in South Carolina jedoch als Außenseiter gesiegt.

US-Medien sehen in Gingrichs Erfolg eher ein Zeichen für Romneys Schwäche als einen Beleg für Gingrichs Stärke. In den Tagen bis zur Abstimmung in Florida werden beide ihre harten Angriffe fortsetzen. Obama will in der Nacht zu Mittwoch in der Rede zur Lage der Nation auf die langsame Erholung der Wirtschaft verweisen und sein Programm für die nächste Amtszeit vorlegen.

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