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Hat eine Gegenstiftung zur Bundesstiftung gegründet: Maike Kohl-Richter.
© Andreas Anrold/dpa

„Dann war der Ofen aus“: Der gescheiterte Kampf der Kohl-Witwe gegen die Stiftung für den Altkanzler

Unbedingt verhindern wollte Maike Richter-Kohl, dass der Bund eine Stiftung für Helmut Kohl gründet. Nun legt die mit der Arbeit los.

Von Hans Monath

Helmut Kohls Witwe hat gegen die Arbeit der neuen Bundeskanzler-Helmut-Kohl-Stiftung nicht alle Mittel ausgereizt, die sie zuvor angedroht hatte. Maike Kohl-Richter hatte im vergangenen Jahr angekündigt, sie werde gegen die vom Bundestag beschlossene öffentlich-rechtliche Stiftung klagen.

Dies habe sie nicht getan, erklärte nun der Vorsitzende des Stiftungskuratoriums, Volker Kauder (CDU), der ein langjähriger politischer Wegebegleiter Kohls war. „Eine Klage ist nicht eingereicht worden“, sagte der frühere Chef der Unionsfraktion im Bundestag am Donnerstag in Berlin. Die Stiftung, die sich im Aufbau befindet, will demnächst mit einer ersten Veranstaltung an die Öffentlichkeit gehen.

Die Witwe warnte: Das widerspricht dem letzten Willen meines Mannes

Der Bundestags hatte die Stiftung für den Kanzler der Einheit im Mai 2021 beschlossen und mit 2,9 Millionen Euro jährlich ausgestattet. Zuvor hatte Kohl-Richter gewarnt: „Das Vorhaben widerspricht dem letzten Willen meines Mannes.“ Sie verwies auf Zweifel ihrer, Anwälte ob Kohls Leben und Politik in diesem Modell tatsächlich „objektiv“ aufgearbeitet werden könnten.

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Langwierige Verhandlungen zur Einbindung der Witwe in die Arbeit einer öffentlich- rechtlichen Stiftung waren zuvor gescheitert. Nach Angaben von Kohl-Richter, welche die Abläufe aus ihrer Sicht auf der Website „www.helmut-kohl.de“ darstellt, waren die Gegenseite nicht bereit, ihr angemessenen Einfluss einzuräumen.

„Wir haben keinen Kontakt“, sagte Kuratoriumschef Kauder nun auf Fragen nach der Haltung der Witwe. Seinen Angaben zufolge pflegte er lange gute Beziehungen zu Altkanzler Kohl und zu dessen damaliger zweiten Frau. Diese habe den Kontakt jedoch in dem Moment abgebrochen, da sie von der Absicht der Stiftungsgründung erfahren habe. „Dann war der Ofen aus“, sagte der CDU-Politiker.

Eine Stiftung für den Kanzler der Einheit: Helmut Kohl im Wahlkampf Anfang 1990 in Erfurt.
Eine Stiftung für den Kanzler der Einheit: Helmut Kohl im Wahlkampf Anfang 1990 in Erfurt.
© REUTERS / Michael Urban

Kohl-Richter hat im vergangenen Jahr mit anderen Persönlichkeiten den Verein „Helmut-Kohl-Stiftung“ gegründet und ist der Meinung, eine Stiftung zur Pflege des Erbes des Politikers dürfe nicht in Berlin, sondern müsse in dessen Heimatstadt Ludwigshafen ihren Sitz haben. Kauder betonte dagegen, die Aufgabe seiner Institution sei es, die Erinnerung an das politische Wirken des Kanzlers in seiner Amtszeit wachzuhalten. „Wir sind nicht die Helmut-Kohl-Stiftung, sondern die Bundeskanzler-Helmut-Kohl-Stiftung“, sagte er. Sie sei „eine öffentliche Institution und kein privates Erbe“.

Mit der Spendenaffäre will die Stiftung sich nicht befassen

Kohl war von 1982 bis 1998 Regierungschef. Als seine größten Leistungen gelten seine Beiträge zur Wiedervereinigung Deutschlands und zum Zusammenwachsen Europas. 1999 fiel mit der Spendenaffäre ein dunkler Schatten auf sein Lebenswerk.

Diesen Aspekt von Kohls Wirken will die Stiftung aber nicht in den Blick nehmen. „Die Spendengeschichte war Partei und nicht Bundeskanzler, insofern wird das nicht zu unserem Thema werden, wenigstens nicht in absehbarer Zeit“, sagte CDU-Politiker Kauder.

Geschäftsführerin Jacqueline Boysen versicherte, die Stiftung werde „nicht unkritisch“ mit Kohl umgehen, wenn es etwa um die Finanzierung der Einheit oder die Asylpolitik gehe. „Geschichte kann nicht funktionieren, wenn man nur die helle Seite zeigt“, sagte sie. Boysen betonte, die Stiftung sei „freundlich zu allen und offen für alle“ aus dem Kreis um Kohl.

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Sie habe Verständnis, dass die Perspektive eines Verwandten eines verstorbenen Politiker „immer eine andere ist als die wissenschaftlich-historische“. Ihre Schlussfolgerung: „Diese Distanz muss man aushalten.“ Die gesetzlich definierte Aufgabe laute, „ein zeitgemäßes Bild von Kohl zu zeichnen“, die Erinnerung an dessen große historische Verdienste wachzurufen und aktuelle Fragen zu stellen.

Zum 40. Jahrestag der Wahl Kohls zum Kanzler lädt die Stiftung am 27. September zu ihrer Eröffnungsveranstaltung, die zwei Politiker zusammenbringt, die sonst nicht gemeinsam auftreten: Das Grußwort spricht CDU-Vorsitzender Friedrich Merz, das Schlusswort Ex-Kanzlerin Angela Merkel.

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