Deutsch-Polnisches Barometer : Sympathien der Polen für Deutsche werden kaum erwidert

56 Prozent der Polen finden ihre deutschen Nachbarn sympathisch. Doch diese Zuneigung erwidert nicht einmal jeder dritte Deutsche. Auch identifiziert sich ein größerer Teil der Polen mit Europa.

Die Brücke verbindet den deutschen Ort Coschen im Landkreis Oder-Spree (Brandenburg) und das polnische Dörfchen Zytowan.
Die Brücke verbindet den deutschen Ort Coschen im Landkreis Oder-Spree (Brandenburg) und das polnische Dörfchen Zytowan.Foto: Patrick Pleul/dpa

Auf offizieller Ebene ist das Verhältnis zwischen Deutschland und Polen derzeit eher kühl. Seit dem Amtsantritt der nationalkonservativen Regierung in Warschau gab es zwischen den Nachbarn Differenzen in der Flüchtlingspolitik, auch Einschränkungen der Rechtsstaatlichkeit in Polen werden in Berlin mit Sorge beobachtet. Der Vorsitzende der Regierungspartei „Recht und Gerechtigkeit“, Jaroslaw Kaczynski, brachte zudem die Forderung nach deutschen Reparationszahlungen für die polnischen Verluste im Zweiten Weltkrieg ins Gespräch.

Doch während sich Politiker in Warschau kritischer über Deutschland äußern als früher, haben diese Töne auf die Einstellung der Polen zu ihren deutschen Nachbarn offenbar keinen unmittelbaren Einfluss: 56 Prozent der Polen bringen den Deutschen Sympathien entgegen. Die Zuneigung wird allerdings von den westlichen Nachbarn nicht im gleichen Maße erwidert: Nur 29 Prozent der Deutschen geben an, dass ihnen die Polen sympathisch sind. Das geht aus dem am Dienstag veröffentlichten Deutsch-Polnischen Barometer hervor, einer repräsentativen Umfrage im Auftrag des Instituts für öffentliche Angelegenheiten in Warschau, der Körber-Stiftung und der Konrad-Adenauer-Stiftung.

Regelrechte Abneigung gegenüber ihren Nachbarn empfinden nur elf Prozent der Polen, aber 23 Prozent der Deutschen. Bemerkenswert ist, dass die positive Wahrnehmung der Deutschen im östlichen Nachbarland in diesem Jahr größer ist als in allen früheren Umfragen seit dem Jahr 2000. Dagegen nahm in Deutschland die positive Einstellung gegenüber den Nachbarn in diesem Zeitraum nicht zu.

Zwei Drittel der Polen sehen Verhältnis zu Deutschland als gut

Unterschiedlich wird in beiden Ländern auch der aktuelle Stand der bilateralen Beziehungen bewertet: 64 Prozent der Polen, aber nur 31 Prozent der Deutschen bezeichnen das Verhältnis zwischen ihren Ländern als „gut“ oder „sehr gut“. Während die Umfrage auf der polnischen Seite im Jahr 2008 zu einem ähnlichen Wert kam, hat sich die Einschätzung in Deutschland drastisch verschlechtert. Die Studie kommt auch zu dem Ergebnis, dass sich Deutsche und Polen kaum kennen: In beiden Ländern haben jeweils zwei Drittel der Befragten das Nachbarland seit 1989 noch nicht besucht. Diejenigen, die das Nachbarland regelmäßig besuchen, haben grundsätzliches ein positives Bild vom jeweils Anderen.

Auch in der Haltung zu Europa in den beiden EU-Mitgliedstaaten kommt die Umfrage zu einem bemerkenswerten Ergebnis: In Polen gaben 73 Prozent der Befragten an, sich mit Europa zu identifizieren, in Deutschland waren es nur 54 Prozent. Dabei gilt die derzeitige polnische Regierung als europaskeptisch, in mehreren zentralen Fragen, darunter die Entwicklung der Rechtsstaatlichkeit in Polen und die Verteilung von Flüchtlingen innerhalb der EU, gibt es derzeit Konflikte zwischen Warschau und Brüssel. „Der Beitritt zur Europäischen Union war erklärtes Ziel der demokratischen Regierungen Polens nach 1989 und fußte auf einem breiten gesellschaftlichen Verlangen nach Zugehörigkeit zu dieser Gemeinschaft“, sagt Agnieszka Łada, Programmleiterin beim Institut für öffentliche Angelegenheiten in Warschau.

Polnische Gesellschaft beim Thema Reparationen gespalten

Zumindest in einem Punkt ist in der Umfrage ein Einfluss der von der PiS-Regierung angestoßenen Debatten erkennbar: Heute sind 32 Prozent der Befragten in Polen der Meinung, die Beziehungen der beiden Länder sollten sich auf die Vergangenheit konzentrieren. Vor sieben Jahren waren es noch 20 Prozent. Jeder zweite Pole sagt heute außerdem, das Leid und die Opfer, die Polen im Laufe der Geschichte erbracht haben, seien von der internationalen Öffentlichkeit nicht ausreichend anerkannt worden. In Deutschland sind 17 Prozent der Befragten dieser Meinung.

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In der Frage, ob Polen von Deutschland Reparationen fordern solle, ist die polnische Gesellschaft gespalten: 46 Prozent unterstützen die Forderung. Dagegen sagen 40 Prozent der Befragten, das Thema sei endgültig abgeschlossen, und beide Länder sollten sich auf ihre Zusammenarbeit in der EU konzentrieren.

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