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Deutschland hinkt zumindest im Jahr 2018 bei der digitalen Schulausstattung international deutlich hinterher.
© dpa/Marijan Murat
Update

Im internationalen Vergleich in der Schlussgruppe: Deutschlands Schulen bei der Digitalisierung noch hinter Moldawien

Deutschland hinkt einer Pisa-Sonderauswertung bei der digitalen Schulausstattung hinterher. Bei der Lehrerausbildung landet Deutschland auf Platz 76 – von 78.

Deutschland hat im internationalen Vergleich deutlichen Nachholbedarf bei der digitalen Ausstattung von Schulen und Schülern. Zumindest im Jahr 2018 hinkte es hier deutlich hinterher, wie sich aus einer Sonderauswertung der aktuellsten Pisa-Ergebnisse ergibt.

Die für den internationalen Schulleistungsvergleich verantwortliche Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) legte am Dienstag entsprechende Daten auf Basis einer Schulleiterbefragung vor. Über das Thema wurde im Zuge der Corona-Krise viel diskutiert.

Für jede Schülerin und für jeden Schüler gibt es in der Schule einen Computer – in Deutschland ist das noch immer alles andere als selbstverständlich. Hierzulande sind gerade einmal 0,61 Computer pro Lernendem verfügbar. Deutschland steht damit weit unter dem Schnitt der OECD-Staaten: Hier liegt der Wert bei 0,85 Computern pro Schüler.

Einige Länder sind dem aber noch viel weiter voraus: Schulen in Luxemburg etwas verfügen 1,6 Computer pro Schüler. Die USA und Großbritannien 1,5. Sprich: Jeder Schüler kann hier auf mehr als ein Gerät zugreifen.

Noch viel dramatischer ist die Situation, wenn man sich anschaut, wie viele der Schulcomputer tragbar sind, also Laptops oder Tablets. In Coronazeiten wäre das eminent wichtig, Stichwort Homoeschooling. Doch in Deutschland hat sich hier in den vergangenen Jahren kaum etwas getan. Waren bei der vorangegangenen Pisa-Studie von 2015 knapp 18 Prozent aller Schulcomputer tragbar, sind es nun mal gerade 7,3 Prozent mehr.

Pisa-Auswertung zeichnet düsteres Bild in Deutschland

Zum Vergleich: In schwedischen Schulen sind praktisch alle Geräte mobil, in Dänemark sind es gut neun von zehn – und beide Länder verfügen auch ingesamt über eine deutlich bessere Ausstattung als Deutschland.

Schülerinnen und Schüler waren in Dänemark während der Schulschließungen des Corona-Lockdowns also deutlich weniger auf die Ausstattung der eigenen Familie angewiesen als Jugendliche in Deutschland (in Schweden wurden die Schulen bekanntermaßen gar nicht erst geschlossen). Dass der Lockdown in Deutschland insbesondere benachteiligte Schülerinnen und Schüler traf, hatte zu Beginn des Monats bereits OECD-Bildungsdirektor Andreas Schleicher kritisiert.

Und auch sonst zeichnet die Pisa-Sonderauswertung ein eher düsteres Bild. Verfügen Schulen über genügend Geräte, die mit dem Internet verbunden werden können? Ist die Geschwindigkeit des Internets ausreichend? Gibt es genügend Lernsoftware? Können Lehrkräfte auf technische Assistentinnen und Assistenten zurückgreifen? Bei all diesen Fragen erzielt Deutschland Werte, die unterhalb des OECD-Schnitts liegen – und teilweise auch deutlich unterhalb der Werte von Partnerländern wie Katar, Hongkong oder Bulgarien.

Weiter hatten zum Zeitpunkt der Pisa-Erhebung in Deutschland nur 33 Prozent der Schüler Zugang zu einer Online-Lernplattform; im OECD-Schnitt waren es mehr als 54 Prozent. Deutschland landete damit in der Schlussgruppe - und noch hinter etwa Moldawien, das auf rund 40 Prozent kommt.

In Singapur, einigen chinesischen Metropolen oder Dänemark hatten schon 2018 den Angaben zufolge mehr als 90 Prozent der Schüler Zugang zu Lernplattformen.

Asien liegt vorn

Der Untersuchung zufolge lag Deutschland außerdem weit hinten beim Thema digitale Weiterbildung von Lehrern. Nur rund 40 Prozent der Schüler besuchten demnach im Jahr 2018 Einrichtungen, deren Leitung der Meinung waren, es stünden entsprechende Möglichkeiten zur Lehrer-Weiterbildung zur Verfügung.

Hier landete Deutschland auf Platz 76 von 78 – abgehängt von allen anderen Ländern außer Ungarn und Japan. Auch Moldawien erzielt mit rund 60 Prozent einen deutlich besseren Wert. Vorn liegt ebenfalls Asien: Dort waren Schulen, zum Beispiel Singapur mit 90 Prozent, nach eigener Einschätzung deutlich besser aufgestellt.

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Bei der Digitalisierung sei in Deutschland ein Gefälle zwischen Schulen in sozial benachteiligten und sozial bessergestellten Gegenden zu beobachten: In der ersten Gruppe hätten nur 30 Prozent der Schüler Zugang zu digitalen Lernplattformen, in der zweiten Gruppe seien es 37 Prozent.

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Für die Untersuchung werteten die Bildungsexperten den Datensatz der internationalen Pisa-Studie von 2018 unter der Leitfrage aus, inwieweit höhere staatliche Bildungsausgaben zu besseren Lernerfolgen führen. Sie kommen zu dem Schluss, "dass nicht die Höhe der Ausgaben eines Landes für das Bildungssystem den größten Unterschied macht, sondern die Frage, wofür das Geld ausgegeben wird", heißt es in dem OECD-Bericht.

Große Diskrepanz bei Fremdsprachenunterricht in Deutschland

Trotz vergleichsweise hoher Bildungsausgaben stellten die Experten für Deutschland besonders große soziale Unterschiede fest. So sei das Risiko, eine Klassenstufe wiederholen zu müssen, bei Schülern aus sozial benachteiligtem Umfeld anderthalb Mal größer als bei Schülern aus bessergestellten Familien.

[Bitte keine Pseudo-Digitalisierung in der Schule - Lesen Sie hier einen Gastbeitrag zum Thema]

Die Unterschiede zeigten sich auch in den wöchentlichen Unterrichtszeiten bestimmter Fächer - etwa beim Fremdsprachenunterricht: Im Schnitt hätten 15-jährige Schüler in Deutschland, die sozial bessergestellt sind, in der Woche 66 Minuten mehr Fremdsprachenunterricht als benachteiligte Schüler. Dies sei "eine der größten Diskrepanzen im Vergleich zu anderen Pisa-Teilnehmerstaaten", schreiben die Wissenschaftler.

In Deutschland eher selten der Fall: Schüler arbeiten mit Tablets.
In Deutschland eher selten der Fall: Schüler arbeiten mit Tablets.
© dpa/Julian Stratenschulte

In der OECD haben sich insgesamt 37 westlich orientierte Industriestaaten zusammengeschlossen. Bei der Pisa-Studie untersucht die OECD in regelmäßigen Abständen den Leistungsstand von Schülern in verschiedenen Ländern. Die Ergebnisse des Vergleichstests finden viel Beachtung. Die letzte Erhebung fand 2018 statt: Dafür wurden rund 32 Millionen 15-Jährige in 79 Ländern befragt. In Deutschland nahmen 5451 Schüler aus 226 Schulen daran teil. 

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Beim Schulleistungsvergleich werden neben den obligatorischen Tests in Mathematik, Lesen und Naturwissenschaften bei 15-Jährigen jeweils auch persönliche Daten von Schülern, Eltern und Schulleitern per Befragung erhoben. Diese werden für Sonderauswertungen genutzt. So kommt es auch zwischen den eigentlichen Pisa-Ergebnissen, die nur alle drei Jahre vorgelegt werden, immer wieder zu Veröffentlichungen von Pisa-Studienergebnissen.

Die nächste Pisa-Studie steht im Jahr 2022 an. Dabei wollen die Wissenschaftler insbesondere die Auswirkungen der Corona-Krise auf die Bildung in den Blick nehmen. (mit dpa, AFP)

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