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Wolodymyr Selenskyj spricht auf einer gemeinsamen Pressekonferenz (Archiv).
© Efrem Lukatsky/AP/dpa
Update

Selenskyj warnt vor Atomkatastrophe: „Die Welt sollte Tschernobyl nicht vergessen“

Der ukrainische Präsident fordert neue Sanktionen gegen Russland. Die Besatzer wollen nun Luftabwehrsysteme um das Atomkraftwerk Saporischschja stationieren.

Nach den Angriffen auf das ukrainische Atomkraftwerk Saporischschja im Verlaufe des Ukraine-Krieges hat Präsident Wolodymyr Selenskyj vor einer atomaren Katastrophe gewarnt und Vergleiche zur Tschernobyl-Katastrophe 1986 gezogen. „Die Welt sollte Tschernobyl nicht vergessen und sich daran erinnern, dass das Atomkraftwerk Saporischschja das größte in Europa ist“, sagte der ukrainische Staatschef am Montag.

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Zugleich forderte Selenskyj neue Sanktionen gegen Russland. „Nötig sind neue Sanktionen gegen den terroristischen Staat und die gesamte russische Atomindustrie wegen der Schaffung der Gefahr einer atomaren Katastrophe.“ Die Atomanlage Saporischschja im Süden der Ukraine war in den vergangenen Tagen zweimal unter Beschuss geraten. Dabei wurden Teile der Anlage beschädigt, ein Reaktor musste abgeschaltet werden. 

Die russischen Besatzungstruppen stationieren nun nach eigenen Angaben Luftabwehrsysteme rund um die Anlage. „Die Luftabwehrsysteme des Kraftwerks werden verstärkt“, sagte der Chef der von Moskau eingesetzten Militärverwaltung in der Region, Jewgeni Balizki, am Dienstag im russischen Staatsfernsehen. Moskau und Kiew hatten sich in den vergangenen Tagen wiederholt gegenseitig für Angriffe auf das AKW verantwortlich gemacht. Unabhängig lassen sich die Angaben nicht überprüfen.

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Balizkis Angaben zufolge arbeitet das Kraftwerk derzeit normal. Die Stromleitungen und beschädigten Blöcke des Meilers seien repariert, sagte er. Das Atomkraftwerk Saporischschja verfügt über insgesamt sechs Blöcke mit einer Gesamtleistung von 5700 Megawatt. Bis zum Beschuss am Wochenende waren davon laut ukrainischen Angaben noch drei Blöcke in Betrieb.

Ein Stromerzeugungsblock im Kernkraftwerk Saporischschja in der Stadt Enerhodar.
Ein Stromerzeugungsblock im Kernkraftwerk Saporischschja in der Stadt Enerhodar.
© Olexander Prokopenko/AP/dpa

Ein Bericht der Ukrainer, wonach russische Truppen „Energieeinheiten des Kernkraftwerks Saporischschja mit Sprengstoff verkabelt“ haben sollen, hat sich inzwischen als wahrscheinlich falsch erwiesen, wie der US-Think Tank "Institute for the Study of War" schreibt. Die Quellenlage für die Behauptung sei höchst unsicher.

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Laut russischen Angaben befindet sich der zitierte Offizier, der sich bereit erklärt haben soll, „das Kraftwerk in die Luft zu sprengen, was zu einer nuklearen Katastrophe führen würde“, derzeit in Usbekistan und nicht in der Ukraine. Eine ukrainische Behörde hatte ihn mit den Worten „Dies wird entweder russisches Land oder verbrannte Erde sein“ zitiert.

Das Bundesamt für Strahlenschutz (BfS) hat bislang keine Hinweise auf freigesetzte Radioaktivität. „Es liegen keine Hinweise vor, dass in der Ukraine radioaktive Stoffe freigesetzt worden sein könnten“, teilte das Amt den Zeitungen der Funke Mediengruppe mit. (Tsp, dpa, AFP)

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