
© dpa/Fabian Sommer
Diplomat wird zum Lyriker: Wirbel im Auswärtigen Amt um Schmähgedicht gegen Baerbock und Habeck
In der Mitarbeiterzeitschrift des Auswärtigen Amts erscheint ein Gedicht, das Robert Habeck und Annalena Baerbock aufs Korn nimmt. Intern ist der Ärger groß.
Stand:
Ein Schmähgedicht gegen die frühere Außenministerin Annalena Baerbock und Ex-Vizekanzler Robert Habeck (beide Grüne) hat für Ärger im Auswärtigen Amt gesorgt. In der aktuellen Ausgabe der Mitarbeiterzeitschrift „internAA“ war laut „Spiegel“ einen Tag lang online ein lyrisches Stück mit dem Titel „Ken & Barbie“ zu lesen, das klar auf die beiden ehemaligen Minister zielte.
Über Habeck heißt es demnach darin: „Heizung aus, Pullover an, selbstgestrickt, von Mann zu Mann“ sowie „Ein Kinderschreck im Höhenflug, Politik, ganz wie ein schlechtes Buch, ein Land, das sucht, das strebt, fragt sich, wohin der Weg nun geht.“
Baerbock wird den Angaben zufolge so beschrieben: „Die Außenwelten, feministisch gedacht, die Welt zu retten, doch nicht jeder hat gelacht … Mit Hochglanzschminke um die Welt, das Haar immer perfekt gewellt, Hochglanzreden ohne Geschick, hatte die Menschen nicht mehr im Blick.“
Zur Pointe über Baerbocks Wechsel zu den Vereinten Nationen heißt es weiter: „Und sie, die Heimat verlässt, auf zum Big Apple, welch ein Fest, ein Job ergaunert, ganz elegant, das Volk frohlockt, nun ist sie verbannt.“
Der Autor ist laut „Spiegel“ kein Unbekannter: Das Gedicht sei mit „SIGGIG“ unterzeichnet worden. Dabei handele es sich um den stellvertretenden deutschen Konsul im rumänischen Temeswar, Siegfried Geilhausen. Er bestätigte laut „Spiegel“ die Urheberschaft und erklärte, der Text sei „mit karnevalistischem Ernst“ zu lesen.
Diplomat betätigt sich als Lyriker
Geilhausen sollte laut Bericht für die Rubrik über diplomatische „LiterAAten“ etwas „Kurzes, Aktuelles“ beisteuern. Nach einem Tag soll das Gedicht gelöscht worden sein. Die Redaktion habe sich entschuldigt: Das Werk sei versehentlich erschienen, obwohl bereits 2025 entschieden worden sei, es nicht zu veröffentlichen. Von einem „unschönen Fehler“ war demnach die Rede.
Intern gab es dem „Spiegel“ zufolge scharfe Kritik. Die Gleichstellungsbeauftragte Anne Glumm bezeichnete das Gedicht demnach als „rückwärtsgewandte Polemik“ und „infame Diffamierung“. Andere Beschäftigte reagierten gelassener – Baerbock habe im Amt ohnehin nicht nur Anhänger gehabt.
Warum die Redaktion das Gedicht dennoch ins Heft brachte, blieb offen. Die Verantwortliche wollte sich laut „Spiegel“ ohne Freigabe der Pressestelle nicht äußern. Die Hausleitung sei an der Veröffentlichung oder Löschung nicht beteiligt gewesen, verlautete aus dem Ministerium. Autor Geilhausen habe Rückfragen nicht beantwortet, heißt es.
Baerbock hatte im September ihren Posten als Präsidentin der UN-Vollversammlung angetreten. Ursprünglich war dafür die deutsche Top-Diplomatin Helga Schmid vorgesehen.
Der frühere Vizekanzler und Ex-Wirtschaftsminister Habeck hatte nach dem Ausscheiden aus dem Amt zum 1. September auch sein Bundestagsmandat zurückgegeben. Er arbeitet für ein Forschungsinstitut in Dänemark. (Tsp/dpa)
- showPaywall:
- false
- isSubscriber:
- false
- isPaid: