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Er ist der Favorit bei der Präsidentschaftswahl am Sonntag. Ein zerrissenes Wahlplakat von Recep Tayyip Erdogan.

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Die Kandidaten für die Präsidentenwahl: Drei für die Türkei: Ein Favorit, ein Frommer und ein Freiheitskämpfer

Neben Premier Recep Tayyip Erdogan treten bei der Präsidentenwahl am Sonntag ein frommer Muslim und ein liberaler Kurde an. Haben Ekmeleddin Ihsanoglu und Selahattin Demirtas ein Chance?

Sollte Recep Tayyip Erdogan am Sonntag die erste Direktwahl des türkischen Präsidenten gewinnen, setzt er zu einem historischen Rekord an. Nach einer ersten fünfjährigen Amtszeit könnte er im Falle einer Wiederwahl bis zum Jahr 2024 an der Spitze des Staates bleiben. Dann wäre Erdogan mehr als 20 Jahre an der Macht – länger als Staatsgründer Mustafa Kemal Atatürk. 

Das hätte bei Erdogans Geburt niemand für möglich gehalten. Der fromme Muslim aus einfachen Verhältnissen stieg in Istanbul als islamistischer Nachwuchspolitiker auf. Als Erdogan 1994 zum Bürgermeister gewählt wurde, hatten auch seine säkularistischen Gegner sein Talent erkannt. Sie brachten ihn 1998 wegen religiöser Volksverhetzung mehrere Monate ins Gefängnis, doch aufhalten konnten sie ihn nicht. Im Jahr 2002 gewann die von ihm gegründete AKP die Parlamentswahlen, im März 2003 wurde Erdogan Ministerpräsident. 

Das säkularistische Establishment in Justiz, Bürokratie und Militär wehrte sich weiter gegen den Aufstieg Erdogans und der frommen Anatolier, die unter der AKP-Regierung die alten Eliten der Türkei verdrängten. Im Jahr 2007 setzte Erdogan seinen Freund Abdullah Gül als Staatspräsident gegen die Säkularisten durch, vier Jahre später entmachtete er die Militärs. 

Erdogan hat viele Feinde, aber mehr Wähler

Trotz aller politischen Siege und einem halben Dutzend gewonnener Wahlen hat sich bei Erdogan eines nicht verändert: Nach wie vor sieht er sich selbst und „seine“ Leute als Opfer von Unterdrückung und Arroganz. Diese Weltsicht erstarrte im Laufe der Jahre zu der Überzeugung, dass jede Gegnerschaft gegen die AKP-Regierung von dunklen Motiven getragen sein muss. 

Und genau so handelt Erdogan inzwischen. Hinter den Protesten von Umweltschützern und unzufriedenen Bürgern um den Istanbuler Gezi-Park im vergangenen Jahr ortete er eine internationale Verschwörung gegen die Türkei. Als Istanbuler Staatsanwälte im Dezember mit Korruptionsvorwürfe gegen Erdogans Regierung an die Öffentlichkeit gingen, sprach Erdogan von einem Coup der Bewegung des islamischen Prediger Fethullah Gülen, der die AKP lange unterstützt, sich dann aber von der Regierung abgewandt hatte. Kritiker befürchten, dass Erdogan diese Wagenburg-Mentalität mit ins Präsidentenamt nehmen und dass die Polarisierung im Land weiter zunehmen wird.

Ekmeleddin Ihsanoglu: Ein frommer Muslim gegen Erdogan

Konservativer als die AKP: Ekmeleddin Ihsanoglu.

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Manche in der Türkei bedauern Ekmeleddin Ihsanoglu. Obwohl der 70-jährige über keinerlei Erfahrung mit Parteipolitik und Wahlkämpfen verfügt, stürzte sich der frühere Generalsekretär der islamischen Weltorganisation OIC in den Kampf gegen Recep Tayyip Erdogan, den besten Wahlkämpfer, den die Türkei je gesehen hat. 

Als Kandidat aufgestellt wurde Ihsanoglu von den beiden größten Oppositionsparteien des Landes, der säkularistischen CHP und der nationalistischen MHP. Der fromme Muslim sollte es Erdogan unmöglich machen, im Wahlkampf mit der eigenen Religiosität zu punkten. Zudem sollten Alter und Ansehen des Kandidaten die gewohnt rüden Attacken des Premiers zügeln. 

Doch Erdogan ließ sich nicht beeindrucken und griff Ihsanoglu als Vertreter einer abgehalfterten Elite an – obwohl er ihn selbst einst an die Spitze der OIC gehievt hatte. In dem Umfragen kommt Ihsanoglu nicht über 40 Prozent hinaus. Das ist zwar respektabel für einen Mann, der den meisten Türken vor kurzem noch unbekannt war, aber es reicht nicht, um Erdogan zu schlagen. Zudem sorgte Ihsanoglus Kandidatur in den Reihen der CHP für so scharfe Kritik, dass einige Experten einen Boykott eines Teils der säkularistischen Wähler erwarten. Dies wiederum würde Erdogan nutzen. 

Für den Fall, dass er trotz aller gegenteiligen Voraussagen Präsident wird, hat Ihsanoglu einen neuen Stil des Ausgleichs und der Toleranz in Ankara angekündigt. Allerdings müsste Ihsanoglu als Präsident mit der Regierung Erdogan zurechtkommen, was sicher nicht einfach würde.

Selahattin Demirtas: Hoffnungsträger der Kurden

Selahattin Demirtas: Ein Kurde als Präsident der Türkei?

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Mit seinen 41 Jahren ist Selahattin Demirtas, der Vorsitzende der Kurdenpartei HDP, der mit Abstand jüngste der drei Präsidentschaftskandidaten. Die Umfragen lassen zwischen sechs und neun Prozent für ihn erwarten. Schafft es Demirtas jedoch, mehr als zehn Prozent der Stimmen auf sich zu vereinigen, dann könnte sein Wahlergebnis dazu beitragen, einen Sieg von Ministerpräsident Recep Tayyip Erdogan im ersten Wahlgang am Sonntag zu verhindern. 

Der Anwalt Demirtas machte im Wahlkampf eine gute Figur. Er präsentierte sich bewusst als liberale und säkuläre Alternative zu Erdogan. So forderte er ein Ende des Pflichtfachs Religion in staatlichen Schulen. Er ließ sich mit seiner Frau und seinen zwei Kindern fotografieren und fuhr bei Wahlkampfauftritten mit dem Fahrrad – für die Türkei ein Novum. 

Zudem setzte sich Demirtas geschickt als Zielscheibe von Manipulationsversuchen der Regierung in Szene. Unter anderem beschwerte er sich über die Benachteiligung durch das Staatsfernsehen TRT, das stets in voller Länge über Erdogan-Reden berichtete, Demirtas aber häufig ignorierte. 

Unabhängig vom Wahlausgang besteht das vielleicht größte Verdienst von Demirtas darin, dass er die Kurden endgültig ins Zentrum der türkischen Politik geholt hat. Mit seinem weltmännisch-gewandten und gemäßigten Auftreten brachte er der nicht-kurdischen Öffentlichkeit in der Türkei ein neues Bild von den Kurden nahe. Dass es in der Türkei einen kurdischen Kandidaten gab und dass sich kaum jemand darüber aufregte, ist ein Zeugnis der Veränderungen, die das Land im vergangenen Jahren erlebt hat.

Lesen Sie hier wie das Wahlsystem in der Türkei funktioniert.

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