• Drei Söhne werden Zeuge der Tat: Weißer Polizist schießt schwarzem Mann mehrmals in den Rücken

Drei Söhne werden Zeuge der Tat : Weißer Polizist schießt schwarzem Mann mehrmals in den Rücken

In Wisconsin schießt ein Polizist auf einen Mann als er in sein Auto zu seinen Kindern steigen will. Der Gouverneur verurteilt die Tat.

Demonstration gegen Polizeigewalt und Rassismus während des Parteitags der Demokarten am 20. August in Milwaukee, Wisconsin.
Demonstration gegen Polizeigewalt und Rassismus während des Parteitags der Demokarten am 20. August in Milwaukee, Wisconsin.Foto: Brian Snyder/REUTERS

Es sind ähnliche Bilder wie vor ein paar Tagen in Louisiana: Ein Schwarzer Mann läuft im Schritttempo vor Polizeibeamten weg. Diese gehen nur wenige Meter hinter ihm, mit erhobener Waffe. Der amerikanische Menschenrechtsanwalt Ben Crump verbreitete am Montagmorgen ein Video von dem brutalen Polizeieinsatz auf Twitter. Aufgenommen am Sonntagabend in Kenosha, im US-Bundesstaat Wisconsin.

Im Hintergrund der Aufnahme sind aufgeregte Stimmen zu hören. Zwei weiße Polizisten mit erhobener Waffe, verfolgen einen Mann dabei, wie er um seinen Wagen herumgeht. Als der Mann die Autotür aufmacht und einsteigen will, schießt einer der Beamten ihm mehrere Male - aus nächster Distanz - in den Rücken. Dabei hält er ihn an seinem weißen Tanktop fest. Auf der Aufnahme sind insgesamt sieben Schüsse zu hören. Menschen schreien fassungslos auf. Eine Frau beobachtet die Szene aus nächster Nähe, sie rudert mit den Armen, wirkt völlig entsetzt.

Rechtsanwalt Crump schreibt auf Twitter: Es handle sich bei dem Opfer um den 29-jährigen Jacob Blake. "Er wollte in sein Auto steigen, nachdem er angeblich den Streit zweier Frauen geschlichtet hatte." Sein Zustand sei kritisch. Crump schreibt weiter: "Es ist bestätigt: Jacob Blakes drei Söhne waren im Auto, als die Polizei auf ihn schoss. Sie sahen einen Polizei, der auf ihren Vater schoss. Sie werden für immer traumatisiert sein."

Der "Washington Post" zufolge, soll die Polizei noch nicht kommentiert haben, wie es zu den Schüssen kam. Das Justizministerium von Wisconsin werde die Schießerei untersuchen, berichtet die Zeitung weiter und beruft sich auf die örtliche Polizei.

Tony Evers, Gouverneur von Wisconsin, veröffentlichte ein Statement am Sonntagabend: "Obwohl uns noch nicht alle Einzelheiten bekannt sind, wissen wir mit Sicherheit, dass er nicht der erste Schwarze Mann oder Mensch ist, der in unserem Staat oder in unserem Land von Einzelpersonen in der Strafverfolgung erschossen, verletzt oder erbarmungslos getötet wurde." Er und seine Frau würden hoffen, dass Blake seinen Verletzungen nicht erliegen werde.

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"Wir müssen zwar unser Einfühlungsvermögen zeigen, aber ebenso wichtig ist unser Handeln. In den kommenden Tagen werden wir von den gewählten Amtsträgern in unserem Staat, die den Rassismus in unserem Staat und in unserem Land viel zu lange nicht erkannt haben, genau das verlangen."

Am Abend gab es Proteste in Kenosha

Die "New York Post" berichtet von Protesten gegen Polizeigewalt am Sonntagabend in Kenosha nur wenige Stunden nach dem brutalen Polizeieinsatz. Zunächst sollen sich Demonstrierende am Ort der Schießerei zusammengefunden haben, dann sollen sie sich auf den Weg zur Polizeiwache gemacht haben. Im Laufe der Nacht sollen mehrere Mülltonnen und Autos gebrannt haben. Polizisten seien in spezieller Schutzausrüstung angerückt und es sei zu Ausschreitungen zwischen Demonstranten und Beamten gekommen.

Das Video auf Twitter verbreitet sich schnell und löst Empörung aus. Bernice King, die Tochter von Martin Luther King Jr. und Leiterin des King Centers, sagte auf Twitter, sie sei bestürzt, ein weiteres Video zu sehen, auf dem eine schwarze Person "von der Polizei brutal behandelt und/oder erschossen" werde. "Jeder, der nicht glaubt, dass wir über den Ausnahmezustand hinaus sind, wählt einen Mangel an Einfühlungsvermögen und Bewusstsein", schrieb King.

Sie spielt damit auf die landesweiten Proteste gegen Rassismus und Polizeigewalt an, die seit der Tötung des unbewaffneten Afroamerikaners George Floyd bei einem brutalen Polizeieinsatz in der Stadt Minneapolis Ende Mai, andauern. Floyds Familie war ebenfalls von Crump vertreten worden. Das Video erinnert zudem an einen ebenfalls brutalen Polizeieinsatz in Louisiana am vergangenen Freitag. Beamte hatten einen Schwarzen Mann mit Dutzenden Schüssen getötet. Er war im Schritttempo vor ihnen geflohen.

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