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Erdhaufen einer Baustelle liegen vor dem Reichstag (Symbolbild).

© dpa/Jan Woitas

„Es stinkt“: Nouripour warnt vor Kostensteigerung bei Bauprojekt des Bundestags – und beklagt Geruchsbelästigung

Ein Neubau-Projekt des Bundestags droht eine Milliarde Euro zu kosten. Bundestagsvizepräsident Nouripour kritisiert zudem gravierende Mängel in bestehenden Gebäuden.

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Ein großes Neubauprojekt des Bundestags könnte deutlich teurer werden als geplant. Bundestagsvizepräsident Omid Nouripour spricht im Gespräch mit dem „Spiegel“ von möglichen Kosten von mehr als einer Milliarde Euro. Zugleich kritisiert der Grünen-Politiker bauliche Mängel in bestehenden Parlamentsgebäuden.

Beim geplanten Luisenblock Ost 1 an der Spree unweit des Bundestags „laufen wir auf ein großes Kostenproblem zu. Statt der bisher veranschlagten knapp 900 Millionen können die Kosten die Milliarde übersteigen“, sagte der Bundestagsvizepräsident dem Nachrichtenmagazin. Der Neubau sei für die Arbeitsfähigkeit des Parlaments allerdings relevant.

Neben dem Luisenblock Ost 1 ist auch der Luisenblock Ost 2 auf einer Brache nahe dem Bundestag geplant. „Aktuell läuft der Architektenwettbewerb. Das Preisgericht wird dieses Jahr noch entscheiden“, sagte Nouripour dem „Spiegel“. Der Grünen-Politiker ist Vorsitzender der Kommission des Ältestenrats für Bau- und Raumangelegenheiten des Parlaments und seit März 2025 im Amt als Bundestagsvizepräsident.

Weitere Großprojekte lehnt Nouripour ab. „Der zweite Teil des Luisenblocks Ost wird das letzte große Neubauprojekt sein. Danach ist Schluss. Dann kann es nur noch um die dringende, überfällige Sanierung gehen“, sagte er dem Bericht zufolge.

Probleme bei bestehenden Gebäuden

Der Bundestagsvizepräsident kritisierte außerdem bauliche Mängel in den Parlamentsgebäuden, die zu Geruchsbelästigungen im Plenarbereich und im Jakob-Kaiser-Haus führen sollen. „Hier wurden einst sogenannte SML-Rohre für den Abfluss eingesetzt – leider auch waagrecht. Das führt dazu, dass sie schneller korrodieren, Abwasser sammelt sich, Schwefelsäure entsteht, beschädigt die Rohre und es stinkt“, zitiert der „Spiegel“ den Grünen-Politiker.

Der waagerechte Einbau sei nicht sonderlich schlau gewesen, das wisse jeder Fachmann. Der Austausch der Rohre werde nun Teil der nötigen Sanierung, sagte Nouripour weiter.

Nouripour wies darauf hin, dass weitere Mängel wie undichte Stellen auf den Dächern der Bundestagsbauten überwiegend behoben werden konnten. „Aber das ist leider nicht auf Dauer“, sagte er dem „Spiegel“. Auch hier zeige sich mehr als 20 Jahre nach Inbetriebnahme des Bundestags in Berlin, dass damals beim Bauen Fehler gemacht worden seien.

„Da wurde zu sehr auf Schönheit und weniger auf Verlässlichkeit geachtet. Das rächt sich jetzt. Vor allem die flachen Dächer sind anfällig, gerade bei Starkregen. Mit der Zeit geht da jede Dichtung flöten. Es fehlt der Ablaufwinkel“, sagte Nouripour dem „Spiegel“.

Zwei Drittel der Gebäude müssen in den nächsten 20 Jahren saniert werden.

Bundestagsvizepräsident Omid Nouripour (Grüne)

Der Bundestagsvizepräsident verwies auf einen enormen Sanierungsbedarf beim Bundestag und den Büros für Abgeordnete sowie Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. „Zwei Drittel der Gebäude müssen in den nächsten 20 Jahren saniert werden. Das heißt: 800 bis 1000 Büros sind in den nächsten zwei Jahrzehnten dauerhaft in Sanierung“, sagte er dem „Spiegel“.

Besucherzentrum im Bau

Parallel laufen die Arbeiten an einem neuen Besucherzentrum am Bundestag. Seit letztem Jahr bereitet die Bundesanstalt für Immobilienaufgaben (BImA) als Bauherrin den Neubau vor, wie die BImA im Dezember mitteilte. Ab 2028 soll das Zentrum errichtet werden, die Fertigstellung ist für 2032 geplant, ein Jahr später soll es an den Bundestag übergeben werden.

Das Besucherzentrum entsteht dort, wo jetzt der Berlin-Pavillon steht. Von dort sollen Besucher durch einen Tunnel in den Bundestag gelangen, statt wie heute über Container. Ab Beginn des kommenden Jahres soll der Pavillon zurückgebaut werden.

Unterhalb des Platzes der Republik entsteht zusätzlich eine unterirdische Kältezentrale für das Empfangs- und Reichstagsgebäude. Für das Besucherzentrum wurden knapp 193 Millionen Euro im Bundeshaushalt eingeplant, für die Kältezentrale rund 60 Millionen. Die Kosten würden derzeit geprüft, hieß es von der BImA.

Bis zur Eröffnung des Besucherzentrums sollen Besucher über einen provisorischen Eingang an der Paul-Löbe-Allee in das Parlamentsgebäude gelangen. Die bisherigen Eingangscontainer werden im kommenden Jahr abgebaut. Auf der Fläche des künftigen Besucherzentrums sollen im kommenden Jahr archäologische Untersuchungen stattfinden. Auch nach Blindgängern und Munition aus dem Zweiten Weltkrieg wird gesucht. (Tsp/dpa)

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