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Eskalation in der Provinz Idlib : Syrisches Militär greift türkischen Militärkonvoi an

Bei einem Angriff syrischer und russischer Flugzeuge auf einen türkischen Konvoi hat es Tote gegeben. Ankara kritisiert den Angriff scharf.

Der angegriffene türkische Militärkonvoi in der nordsyrischen Provinz Idlib.
Der angegriffene türkische Militärkonvoi in der nordsyrischen Provinz Idlib.Foto: Omar Haj Kadour/AFP

Ein türkischer Militärkonvoi ist in der nordsyrischen Provinz Idlib aus der Luft angegriffen worden. Das bestätigte das Militär in einer vom Verteidigungsministerium in Ankara veröffentlichten Stellungnahme am Montagnachmittag.

Der türkische Konvoi kam am Montagnachmittag im Dorf Maar Hattat, das nördlich von Chan Scheichun an der Aleppo-Damaskus-Fernstraße liegt, zum Stehen. Ein Reporter der Nachrichtenagentur AFP zählte rund 50 Militärfahrzeuge, darunter Truppentransporter und mindestens fünf Panzer. Kriegsflugzeuge und mit Maschinengewehren ausgerüstete Hubschrauber griffen demnach Ziele in der Umgebung an.

Zuvor hatte die Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte berichtet, die Luftangriffe der syrischen und russischen Armee hätten einen von der Türkei unterstützten Rebellen getötet. Dem türkischen Militär zufolge sollen allerdings drei Zivilisten getötet und zwölf verletzt worden sein.

Die Türkei kritisierte den Angriff scharf: „Wir verurteilen diesen Angriff nachdrücklich, der den Vereinbarungen sowie der Zusammenarbeit und dem Dialog mit Russland zuwiderläuft“, hieß es. Man habe Russland zuvor über den Konvoi unterrichtet. Er habe unter anderem „Nachschubrouten offenhalten und die Sicherheit unseres Beobachtungspostens“ sicherstellen“ sollen. "Trotz wiederholter Warnungen, die wir gegen die russischen Behörden ausgesprochen haben, gehen die Militäraktionen der Regime-Truppen in der Region Idlib weiter, in Verletzung der bestehenden Memoranden und Vereinbarungen mit Russland", erklärte Ankara.

Frankreichs Präsident Macron forderte unterdessen Damaskus und Moskau dazu auf, die Waffenruhe in Idlib zu achten. Es sei "zwingend" notwendig, dass die im September im russischen Sotschi getroffene Vereinbarung eingehalten werde, sagte er dem russischen Staatschef Wladimir Putin bei einem Treffen im südfranzösischen Bregançon. Putin hob hervor, Russland unterstütze die syrische Armee im Kampf gegen "Terroristen".

War die Munition für islamistische Rebellen gedacht?

Mögliche Hintergründe für den Angriff lieferte ein Bericht der staatlichen syrischen Nachrichtenagentur Sana über den Konvoi. Darin hieß es, mit Munition beladene türkische Fahrzeuge hätten die Grenze zu Syrien überquert, um Terroristen in der umkämpften Rebellenhochburg Idlib zu unterstützen.

Russland, die Türkei und der Iran fungieren in Syrien als Garantiemächte, unterstützen aber unterschiedliche Seiten in dem Konflikt. Während Russland und der Iran aufseiten des syrischen Präsidenten Baschar al-Assad stehen, unterstützt die Türkei Rebellen und will vor allem den Einfluss der Kurden im Norden Syriens an der Grenze zur Türkei eindämmen.

Die Provinz Idlib ist die letzte Region, die noch größtenteils unter Kontrolle von arabischen Aufständischen gegen die syrische Führung ist. Zudem wird ein großes Gebiet mit Unterstützung der USA von Kurden beherrscht. Die Türkei unterhält in der Region zwölf sogenannte Beobachtungsposten. Russland und die Türkei hatten sich um Idlib auf eine Deeskalationszone und eine Pufferzone für die Region geeinigt. Machthaber Baschar al-Assad begann Ende April jedoch mit Angriffen auf die Aufständischen im Gebiet. (dpa, AFP)

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