• Experten warnen vor angeblichem „Wundermittel“: Trump nimmt Malaria-Medikament zur Corona-Vorbeugung

Experten warnen vor angeblichem „Wundermittel“ : Trump nimmt Malaria-Medikament zur Corona-Vorbeugung

Nach eigener Aussage nimmt der US-Präsident seit mehreren Tagen ein umstrittenes Malaria-Medikament. Schon in der Vergangenheit gab Trump zweifelhafte medizinische Ratschläge.

Er habe „sehr gute Dinge“ über das Malaria-Präparat gehört, sagte Trump.
Er habe „sehr gute Dinge“ über das Malaria-Präparat gehört, sagte Trump.Foto: Leah Millis/Reuters

US-Präsident Donald Trump nimmt nach eigenen Angaben ein Malaria-Medikament als Corona-Prophylaxe. Er nehme seit etwa eineinhalb Wochen Hydroxychloroquin ein, sagte Trump am Montag im Weißen Haus. Er habe „sehr gute Dinge“ über das seit Langem zugelassene Malaria-Präparat gehört, sagte Trump. Das Weiße Haus veröffentlichte am Abend ein Schreiben von Trumps Leibarzt Sean Conley, wonach Trump und er nach zahlreichen Diskussionen zu dem Schluss gekommen seien, dass mögliche Vorteile einer Behandlung mit Hydroxychloroquin die damit verbundenen Risiken überwiegen. Es gibt bislang keine belastbaren wissenschaftlichen Belege für eine Wirksamkeit des Medikaments im Zusammenhang mit dem Coronavirus.

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Trump hatte im März und April immer wieder für Hydroxychloroquin als Therapie für die vom neuartigen Coronavirus verursachte Erkrankung Covid-19 geworben. Das Medikament sei ein „Geschenk Gottes“ und könne einer der größten Durchbrüche der Medizingeschichte werden, schwärmte er. Ende April warnte die US-Lebensmittel- und Arzneibehörde (FDA) allerdings vor dem angeblichen Wundermittel: Es gebe keine belastbaren Beweise einer Wirksamkeit gegen Covid-19, das Mittel erhöhe aber das Risiko lebensgefährlicher Herzrhythmus-Störungen. Zuvor hatte eine Studie bei Einnahme des Medikaments in Kombination mit einem Antibiotikum eine höhere Sterblichkeit bei Patienten festgestellt.

Viele Ärzte und Krankenschwestern nähmen es vorsorglich ein, behauptet Trump

Auf Nachfrage nach wissenschaftlichen Erkenntnissen zum Nutzen einer solchen Prophylaxe behauptete Trump, er habe dazu viele Anrufe bekommen und viele Ärzte und Krankenschwestern nähmen es auch vorsorglich ein. Es blieb zunächst unklar, ob Trump mit dem Medikament einer Infektion mit dem neuartigen Virus vorbeugen will, oder er die Hoffnung hat, dass damit mögliche Covid-Symptome milder ausfallen würden. 

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Trump erklärte, er habe die Einnahme des Medikaments mit dem Arzt des Weißen Hauses abgestimmt. Er nehme auch Zink ein, um sein Immunsystem zu stärken. Der 73-Jährige betonte, er werde alle paar Tage auf das Virus getestet und sei stets negativ. Anfang Mai hatte es im Weißen Haus zwei bestätigte Corona-Infektionen gegeben, darunter die Sprecherin von Vizepräsident Mike Pence. Mit Blick darauf erklärte Trumps Leibarzt nun: „Der Präsident ist sehr guter Gesundheit und ist symptomfrei geblieben.“

Hydroxychloroquin wird auch zur Behandlung von Arthritis verwendet

Hydroxychloroquin ist in den USA neben Malaria zum Beispiel auch zur Behandlung der Autoimmunkrankheit Lupus und von Arthritis zugelassen. Derzeit untersuchen mehrere Studien einen möglichen Nutzen des Medikaments im Zusammenhang mit Covid-19. Das Nationale Gesundheitsinstitut der USA hatte erst am Donnerstag erklärt, es gebe nun eine klinische Studie mit rund 2000 Probanden, in der geklärt werden soll, ob die Einnahme von Hydroxychloroquin gemeinsam mit dem Antibiotikum Azithromycin im frühen Stadium einer Covid-19-Erkrankung Krankenhausaufenthalte und Todesfälle reduzieren kann.

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Es gibt bislang keine Impfung gegen das Coronavirus Sars-CoV-2 und keine nachweislich effektive Behandlung für Covid-19. Das ursprünglich für Ebola entwickelte Medikament Remdesivir hat in einer größeren Studie zumindest die durchschnittliche Krankheitsdauer verringert. Das Medikament hat daher eine Ausnahmegenehmigung zur Behandlung von Covid-19 in Krankenhäusern in den USA erhalten.

Trumps medizinische Aussagen haben Konsequenzen

Aussagen des Präsidenten in medizinischen Belangen haben Gewicht - selbst wenn er einschränkt, dass er kein Arzt sei. Nach seinem anhaltenden Werben für den Wirkstoff Chloroquin etwa stieg die Zahl der Verschreibungen in den USA trotz Warnungen von Experten um das 46-fache an, wie eine Analyse der „New York Times“ Ende April zeigte. Suchanfragen bei Google nach Kaufmöglichkeiten gingen einer anderen Studie zufolge durch die Decke.

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Ende März hatte die FDA auch gewarnt, dass Menschen Hydroxychloroquin mit Chloroquinphosphat verwechselten, das für Aquariumfische eingesetzt werde. Mindestens eine Person sei daher nach der Einnahme des vermeintlichen Covid-Medikaments gestorben, erklärte die FDA. Trumps medizinische Ratschläge werden in den USA mit Argwohn betrachtet, nachdem er unter anderem spekuliert hatte, ob nicht das direkte Spritzen von Bleich- oder Desinfektionsmittel in den Körper eine gute Coronavirus-Therapie sein könnte. (dpa)



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