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Flüchtlinge in Europa : 450 Migranten in Holzboot auf dem Mittelmeer gerettet

Zwei Schiffe haben von einem Holzboot auf dem Mittelmeer mehrere Hundert Flüchtlinge aufgenommen. Italien und Malta streiten um die Zuständigkeit für die Migranten.

Flüchtlinge aus Afrika rufen auf dem Mittelmeer in einem Boot um Hilfe (Archivbild).
Flüchtlinge aus Afrika rufen auf dem Mittelmeer in einem Boot um Hilfe (Archivbild).Foto: Emilio Morenatti/dpa

450 Migranten auf einem Holzboot sind unweit der Küsten italienischer Inseln im Mittelmeer gerettet worden. Die Migranten befänden sich seit Samstagmorgen an Bord eines italienischen und eines Frontex-Schiffs, berichtete die Nachrichtenagentur Ansa. Acht Frauen und Kinder seien wegen ihres Gesundheitszustands von der italienischen Küstenwache nach Lampedusa gebracht worden. Ob die übrigen Menschen auch nach Italien gefahren werden, war zunächst unklar.

Italien und Malta hatten sich am Freitag nicht bereit erklärt, das Boot in einen Hafen einfahren zu lassen. Wieder stritten die beiden Länder über die Zuständigkeit für die Migranten. Das Boot sei in maltesischen Gewässern gewesen, deshalb müsse sich Malta darum kümmern, erklärte Italien Innenminister Matteo Salvini am Freitagabend auf Twitter. „Malta, die Schlepper und die Gutmenschen ganz Italiens und der ganzen Welt sollen wissen, dass dieses Schiff in einen italienischen Hafen nicht einfahren kann und darf.“

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Medienberichten zufolge handelte es sich um ein großes Fischerboot, mit dem die Migranten von Libyen aus gestartet sein sollen und es bis auf wenige Seemeilen vor die Insel Linosa bei Lampedusa geschafft haben. Dies wäre eine neue Entwicklung: Seit langem fahren von dem Bürgerkriegsland vor allem überladene Schlauchboote und Kähne ab, mit denen eine Überfahrt nach Italien so gut wie unmöglich ist. In der Vergangenheit hatten Schlepper dagegen häufig größere Boote benutzt, um Migranten direkt nach Lampedusa oder Malta zu bringen.

Italienische Kommentatoren sprachen am Samstag bereits davon, die „Route nach Lampedusa“ sei wieder geöffnet. Die Schlepper würden damit auf die jüngsten Entwicklungen in der Seenotrettung reagieren, schrieb „La Repubblica“.

Derzeit sind keine privaten Seenotretter im Mittelmeer unterwegs, die Migranten von den schrottreifen Booten retten und in der Vergangenheit nach Italien brachten. Italien hatte Hilfsorganisationen die Einfahrt in die Häfen des Landes zuletzt verwehrt. Auch andere Schiffe mit geretteten Migranten waren mehrere Tage auf dem Meer blockiert. Die Insel Malta sieht sich nicht für die Aufnahme von im Mittelmeer Geretteten zuständig. (dpa)


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