Fridays for Future : Luisa Neubauer hält Flughafenblockaden für legitim

Um den Forderungen von Klimaschützern Nachdruck zu verleihen, seien Aktionen zivilen Ungehorsams vertretbar, so Neubauer. Die 23-Jährige wird zudem Kolumnistin.

Klimaaktivistin Luisa Neubauer hält Aktionen zivilen Ungehorsams im Kampf für mehr Klimaschutz für legitim.
Klimaaktivistin Luisa Neubauer hält Aktionen zivilen Ungehorsams im Kampf für mehr Klimaschutz für legitim.Foto: imago images / Seeliger

Luisa Neubauer, eine der Hauptorganisatorinnen der „Fridays for Future“-Demonstrationen, hält Aktionen zivilen Ungehorsams im Kampf für mehr Klimaschutz für legitim. In der Wochenzeitung „Zeit“ sagte Neubauer, sie finde es vertretbar, Brücken oder Flughäfen lahmzulegen, um den Forderungen von Klimaschützern Nachdruck zu verleihen. Auf die Frage, ob sie derartige Aktionen der Gruppe „Extinction Rebellion“ für legitim halte, sagt Neubauer: „Ja. Wir brauchen ein breites Spektrum an Aktionen, um den Druck auf die Politik zu erhöhen. Dazu gehören angemeldete Demonstrationen wie bei ‚Fridays for Future‘, aber auch Formen des zivilen Ungehorsams.“

Angesprochen auf die Kapitalismuskritik aus den Reihen von „Fridays for Future“ stimmt Neubauer der These zu,  dass das System gewinnbasierten Wirtschaftens in Frage gestellt werden müsse. „Durch die Art, wie wir wirtschaften, wird global gesehen die Hälfte der Menschheit ausgebeutet. Ich finde es alles andere als radikal, zu sagen, diese Art zu leben kann nicht Bestand haben.“ Der fossile Kapitalismus könne in seiner jetzigen Form das 21. Jahrhundert nicht überleben.

Neubauer wird Stern-Kolumnistin

Zudem wurde am Mittwoch bekannt, dass die Klimaaktivistin Neubauer Kolumnistin beim Magazin „Stern“ wird. Wie das Magazin mitteilte, schreibt die 23-Jährige von diesem Donnerstag an im Wechsel mit drei anderen Autoren unter dem Titel „Auf dem Weg nach morgen“.

In ihrem ersten Artikel kritisiert Neubauer demnach die Klimapolitik der Bundesregierung. Die Hamburgerin gilt als das deutsche Gesicht der Fridays-for-Future-Bewegung, die von der Politik mehr Ehrgeiz im Kampf gegen die Erderhitzung fordert. Neben Neubauer werden der Philosoph Richard David Precht, der Sozialpsychologe Harald Welzer und die Kulturwissenschaftlerin Aleida Assmann in der neuen „Stern“-Kolumne zu Wort kommen.

Protestaktionen in mehr als 500 Städten geplant

Bei dem neuerlichen globalen Klimastreik am Freitag sind allein in Deutschland nach Angaben der Aktivisten von Fridays for Future Protestaktionen in mehr als 500 Städten geplant. Eine vergleichbare Zahl an Parallelveranstaltungen habe es an einem Aktionstag hierzulande noch nie gegeben, teilte das Aktionsbündnis am Mittwoch mit. Die vor allem von Schülern und Studenten getragene internationale Bewegung kämpft für deutlich konsequentere Klimaschutzmaßnahmen und eine Einhaltung des im Pariser Klimaabkommen von 2015 vereinbarten Ziels, die Erderwärmung auf eineinhalb Grad Celsius zu begrenzen.

Die bisherigen Maßnahmen von Politik und Wirtschaft betrachtet sie als unzureichend. Die Bewegung, die in Deutschland unter dem Namen Fridays for Future agiert, demonstriert jeden Freitag und organisierte bereits mehrere große internationale Streikaktionen. Am Freitag werden sich erstmals in großem Umfang andere Verbände und Organisationen an den Protesten beteiligen, um deren Forderungen Nachdruck zu verleihen.

In der Bundesrepublik rufen die Evangelische Kirche, die Gewerkschaft Verdi sowie mehrere große Umweltschutzorganisationen zur Teilnahme an dem Klimastreik auf. Daneben beteiligen sich mehr als 200 weitere Organisationen und Initiativen - von den Tafeln über den Deutschen Alpenverein bis zu Bündnissen von Unternehmen, Eltern und Künstlern.

Am Freitag tagt in Berlin parallel auch das sogenannte Klimakabinett der schwarz-roten Bundesregierung, um über Klimaschutzmaßnahmen zu beraten. Fridays for Future kritisierte die bisherigen Planungen der Regierung am Mittwoch als unzureichend. Die Große Koalition arbeite auf ein Klimaziel hin, "das dem Pariser Abkommen völlig widerspricht".

Mehr zum Thema

Parallel zu den Aktionen von Fridays for Future werden eigenständige Protestaktionen von Aktivisten erwartet, die auch zu "friedlichen und kreativen Blockaden" aufrufen. Zu diesen gehört die Bewegung Extinction Rebellion, die auf sogenannte Aktionen zivilen Ungehorsams setzt. In Berlin ist etwa eine sogenannte Fahrraddemo geplant, um den Berufsverkehr zu stören. (Tsp, dpa, AFP)

Mehr lesen? Jetzt E-Paper gratis testen!