Schläge auf die Fußsohlen

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Gefangen in Syrien : "Ich saß in Assads Knast"


Hatten Sie Angst, wahnsinnig zu werden?
Nein, das nicht. Aber die Langeweile ging mir auf den Keks. Die einzige Unterbrechung war das Verteilen des Essens. Das kam immer so um fünf Uhr. Es kam mir alles so lang vor. Es gab Gefangene, die haben alle halbe Stunde nach der Zeit gefragt, weil sie mit der Situation nicht mehr klarkamen. Ich habe wirklich gedacht, als ich kurz vor meiner Freilassung nach Damaskus kam, es sei der 1. Advent. Dabei war es gerade mal Ende September.
Hat es in dem Gefängnis Folter oder Misshandlungen gegeben?
Oh ja. Prügelorgien. Richtige Prügelorgien. Die Wärter hatten eine Vorrichtung, auf der sie die Gefangenen festgeschnallt haben, um ihnen dann mit einem Stock auf die Fußsohlen zu schlagen. Danach mussten die Häftlinge im Flur auf- und abrennen, damit die Füße nicht zu sehr anschwellen. Die hatten richtige Klumpen und haben vor Schmerzen geschrieen.
Sie wurden nicht misshandelt?
Nein, ich saß zwar in einer Dunkelzelle, war ansonsten aber ziemlich privilegiert, dass ich nicht geschlagen wurde. Es muss eine Anweisung geben, mit Europäern pfleglicher umzugehen. Anders kann ich mir das nicht erklären.
Haben Sie etwas von der Lage im Land mitbekommen?
Ja, aber das meiste war Blödsinn.


Wie lief Ihre Freilassung ab?
Irgendwann kam ein Wärter und machte sich am Schloss zu schaffen. Ich dachte, was ist denn nun los? „Mitkommen“, sagte der nur und führte mich in den Aufenthaltsraum der Gefängniswärter. Sie gaben mir einen Tee und sagten zu mir „Deutschland gut, Deutschland gut“. Ich wusste nicht, warum Deutschland auf einmal gut sein sollte.
Kennen Sie die Hintergründe, warum Sie plötzlich freikamen?
Ein Wärter sprach ein bisschen Englisch und erklärte mir, dass Kanzlerin Merkel sich auf dem G-20-Gipfel in St. Petersburg mit den Amerikanern in der Syrienpolitik angelegt habe. Das fanden die Syrer wohl toll. Ich habe den Verdacht, dass ich durch die Bemühungen der deutschen Behörden und dem Auftreten Merkels in St. Petersburg freigekommen bin.
Dann ging es weiter nach Damaskus?
Ja, genau. In das Gefängnis der Einwanderungsbehörde. Aber wer da sitzt, der wartet nur noch darauf, dass jemand von der Botschaft vorbeikommt und ihn abholt. Am Tag meiner wiedergewonnenen Freiheit wurde ich nochmal stundenlang durch Damaskus gefahren. Irgendwann saß ich in einem Raum, bekam Tee, Kaffee und Yoghurt. Ein Typ sagte: „Wir warten hier auf Freunde.“ Ich fragte: „Deutsche?“ Und dann sah ich schon drei große Geländewagen, die mich abholten und zum Flughafen brachten.
Das Gespräch führte Lutz Haverkamp.

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