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George Pell : Vatikan leitet Verfahren gegen verurteilten Kardinal ein

Nach dem Kindesmissbrauchs-Urteil ist George Pell in Untersuchungshaft überstellt worden. Der Vatikan strebt unterdessen ein kirchenrechtliches Verfahren an.

Der australische Kurienkardinal George Pell.
Der australische Kurienkardinal George Pell.Foto: REUTERS/Erik Anderson

Nach seiner Verurteilung wegen sexuellen Missbrauchs von Minderjährigen ist der ehemalige Finanzchef des Vatikans, George Pell, verhaftet worden. Ein Gericht in Melbourne ließ den 77 Jahre alten australischen Kardinal am Mittwoch ins Gefängnis bringen. Dort soll er nun bis mindestens Mitte nächsten Monats bleiben: Am 13. März wird das Strafmaß gegen ihn verkündet. Im schlimmsten Fall drohen dem früheren Vertrauten von Papst Franziskus bis zu 50 Jahre Haft. Unterdessen gab der Vatikan bekannt, ein kirchenrechtliches Verfahren gegen Pell einzuleiten.

Nach einer kurzen Anhörung verzichtete der Vorsitzende Richter Peter Kidd darauf, Pell wegen seines Alters oder seines Gesundheitszustands Haftverschonung zu gewähren. Der Kardinal hat gerade eine schwere Knie-Operation hinter sich. Bislang war er gegen Kaution frei, durfte Australien aber nicht verlassen. Pell bestreitet die Vorwürfe bis heute mit aller Macht. Über seine Anwälte ließ er ankündigen, gegen den Schuldspruch in Berufung zu gehen.

Nach der Entscheidung des Gerichts verbeugte sich der Kardinal vor Kidd, wie die Zeitung „The Age“ berichtete. Dann wurde er von Justizbeamten aus der Saal abgeführt - ohne Handschellen. Seine erste Nacht hinter Gittern wird er in einem Gefängnis in Melbourne verbringen.

Als Pell am Morgen zu der Anhörung erschienen war, wurde er vor dem Gebäude von Dutzenden aufgebrachter Demonstranten empfangen. Manche schrien: „Sie sind ein verdammtes Monster!“ und „Fahr zur Hölle!“.

Der Erzbischof von Melbourne, Peter Comensoli, entschuldigte sich bei den Opfern sexuellen Missbrauchs. Das Vertrauen in die Kirche sei „furchtbar beschädigt“, sagte er dem Sender ABC. „Wir haben nicht richtig zugehört“, räumte er mit Blick auf die Opfer ein. Australiens katholische Kirche stand auch schon vor der Verurteilung ihres prominentesten Geistlichen wegen Zehntausender Missbrauchsfälle schwer in der Kritik.

Pell war bereits im Dezember von einem Gericht in Melbourne in erster Instanz für schuldig befunden worden, sich in den 1990er Jahren als Erzbischof an zwei 13-jährigen Jungen vergangen zu haben. Wegen einer Anordnung des Gerichts durfte darüber aber nicht berichtet werden. Am Dienstag hatte die Justiz diese Nachrichtensperre aufgehoben.

Pell beharrt auf seiner Unschuld

Als Finanzchef war der Australier praktisch die Nummer drei des Vatikans. Pell gehörte auch zu den engsten Beratern des Papstes. Er ist der bislang ranghöchste katholische Geistliche, der wegen sexuellen Missbrauchs von Minderjährigen verurteilt wurde.

In Rom befasst sich nun auch die Kongregation für die Glaubenslehre mit dem Fall. Die Zentralbehörde des Vatikans kann bei Missbrauchsvorwürfen gegen Kleriker Untersuchungen einleiten, die im äußersten Fall zum Ausschluss eines Beschuldigten aus dem Priesterstand führen können. So urteilte die Glaubenskongregation kürzlich im Fall des emeritierten Erzbischofs von Washington, Theodore McCarrick, den sie wegen sexuellen Fehlverhaltens im Umgang mit Minderjährigen und Erwachsenen schuldig befand. Am Dienstag hatte der Vatikan noch erklärt, mit weiteren möglichen Konsequenzen bis zu einem anstehenden Berufungsverfahren warten zu wollen.

Pells Straftaten rechtfertigten eine sofortige Inhaftierung, erklärte der australische Staatsanwalt Mark Gibson in der Anhörung. Er habe seine Macht als Erzbischof missbraucht. Für die Opfer sei es demütigend und erniedrigend, dass der 77-Jährige bis heute keine Reue zeige und sich auch nicht erklärt habe. Pells Anwälte betonten, der Kardinal beharre auf seiner Unschuld. (dpa)

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