Gipfel-Angebot an Ruhani : Trumps Iran-Volte könnte gut für Europa sein

Der Möchtegernstaatsmann Donald Trump handelt aus purer Eitelkeit. Für Europa hat sein Gesprächsangebot an den Iran aber Vorteile. Ein Kommentar.

US-Präsident Donald Trump will mit Irans Präsident Hassan Ruhani über ein neues Atomabkommen direkt verhandeln.
US-Präsident Donald Trump will mit Irans Präsident Hassan Ruhani über ein neues Atomabkommen direkt verhandeln.Foto: Bernd von Jutrczenka/-/Office of the Iranian Presidency/AP/dpa

Skepsis und Spott liegen nahe. Vielleicht lohnt aber ein zweiter Blick. Für die Skepsis spricht die Erfahrung. Bisher frohlockten die Schurken, wenn Donald Trump einen Kim Jong Un oder Wladimir Putin ohne Vorbedingungen traf. Sie bekamen die Aufwertung eines Gipfels mit dem US-Präsidenten, die Vorgänger Obama vermieden hatte. Was erhielt Trump als Gegenleistung? Bisher ist kein Ertrag sichtbar, der das Entgegenkommen rechtfertigt. Trump schadet westlichen Interessen, wenn er Diktatoren schmeichelt.

Er ist ein Möchtegernstaatsmann. Ihm geht es um die eigene Bedeutung, nicht um US-Interessen. Er möchte im Mittelpunkt stehen. Die Aufmerksamkeit ist ihm sicher, wenn er mit Krieg droht. Erneut, wenn er einen Gipfel anbahnt. Und abermals, wenn die Bilder von ihm und einem unwahrscheinlichen Partner um die Welt gehen. Trump sieht sich schon in den Geschichtsbüchern, wie Nixon in China oder Kennedy mit Chruschtschow in Wien.

Ungewohnt für Trump - der Iran stellt Bedingungen

Nun also ein Gipfel mit dem Iran, nachdem beide eben noch mit Krieg gedroht hatten? Freilich mit einer ungewohnten Neuerung. Der Iran stellt Bedingungen: Trump müsse den Rückzug aus dem Atomabkommen zurücknehmen. Kann das gut gehen? In Trumps Welt stellt er die Bedingungen, nicht das Gegenüber. Vielleicht findet sich ein Ausweg wie bei den Strafzöllen mit Europa. Trump nimmt den Austritt aus dem Deal nicht zurück, lässt aber die Sanktionen zunächst ruhen.

Für Europa und Deutschland hätte eine solche Entwicklung drei Vorteile. Auch die Sekundärsanktionen der USA gegen Drittstaaten, die mit dem Iran handeln, würden ruhen. Die wirtschaftliche Reintegration in den Welthandel, die ein Hauptmotiv für den Iran war, sein Atomprogramm zu beenden, könnte weitergehen. Zweitens würde die Kluft zwischen Europa und den USA kleiner. Beide wollen Nachverhandlungen, damit der Iran auch die Raketenentwicklung stoppt und Terrorgruppen nicht unterstützt, verfolgen dabei aber verschiedene Wege. Trump setzte auf Sanktionen, Europa auf Gespräche ohne Sanktionen. Drittens stehen die Aussichten auf Nachbesserungen des Deals nicht schlecht. Ökonomisch ist der Iran unter enormem Druck.

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