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Mit Krisen-typischem Accessoire: Außenminister Heiko Maas (SPD).
© imago images/Christian Schroedter

Außenminister Maas verspricht: Grenzen bleiben trotz Corona offen

Der Außenminister vertraut darauf, dass alle aus den Fehlern in der Anfangszeit der Pandemie gelernt haben. Was er zur Lage in Deutschland sagt.

Außenminister Heiko Maas (SPD) hat zugesichert, dass deutsche Grenzen zu den Nachbarstaaten auch bei einer weiteren Verschärfung der Corona-Lage geöffnet bleiben werden. „Ja, die Grenzen werden offenbleiben“, sagte er dem Tagesspiegel vor dem Beginn des zweiten Lockdowns am Montag.

„Wir haben im Frühjahr genügend Erfahrungen gemacht, wie wir Kontrollen organisieren, falls sie notwendig werden“, betonte Maas. „Ich bin sicher, dass wir Staus an der Grenze, die Dutzende von Kilometern lang sind, nicht sehen werden.“

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Er sehe derzeit auch „kein Nachbarland, das leichtfertig dazu beitragen will, dass wir die Grenzen dicht machen“ und stehe im ständigen Austausch mit seinen EU-Amtskollegen. „Wir halten uns insbesondere gegenseitig auf dem Laufenden, welche Entscheidungen wir fällen müssen, die andere betreffen, wie etwa die Reisewarnungen.“

Der SPD-Politiker erinnerte daran, dass nach dem Sommer Reiserückkehrer zum Anstieg der Infektionen beigetragen hatten: „Darauf mussten wir reagieren und haben viele Regionen innerhalb der EU zum Risikogebiet erklärt. Daraufhin sank der Anteil der Infektionen signifikant, der von rückkehrenden Touristen herrührte.“

In der Krise sei die Lage in Deutschland zwar „angespannt“, aber sie sei besser als in einigen anderen Ländern. „Was ich aus dem Ausland an Reaktionen wahrgenommen habe, war eher eine Mischung aus Bewunderung und dem Wunsch, es ähnlich zu machen“, sagte der Außenminister: „Wer unsere Situation mit der anderer Länder vergleicht, kommt zu dem Schluss: Deutschland steht so schlecht nicht da.“

Dennoch seien die von Montag an geltenden neuerlichen Einschränkungen notwendig. „Uns steht ein harter Winter bevor“, meinte Maas.

Soll sich nach dem Willen von Maas nicht wiederholen: Im März stauten sich Lkw an der Grenze zu Polen über Dutzende von Kilometern.
Soll sich nach dem Willen von Maas nicht wiederholen: Im März stauten sich Lkw an der Grenze zu Polen über Dutzende von Kilometern.
© Sebastian Gabsch PNN

In den kommenden Wochen werden einer Studie zufolge deutlich mehr Menschen mit Corona-Infektionen sterben als in den vergangenen Wochen. Nach Modellrechnungen einer Forschungsgruppe am Max-Planck-Institut für Dynamik und Selbstorganisation in Göttingen dürfte die Zahl der Todesfälle durch Covid-19 in Deutschland bereits Anfang November auf mindestens 500 bis 800 pro Woche zunehmen, sagte die Leiterin Viola Priesemann.

Möglicherweise falle der Anstieg sogar noch stärker aus, da sich seit Ende September auch immer mehr ältere Menschen angesteckt haben.

Das Robert-Koch-Institut meldete am Samstagmorgen erneut einen Höchstwert registrierter Corona-Neuinfektionen: 19.059 neue Fälle haben die Gesundheitsämter am Vortag verzeichnet. Ende September hatte Kanzlerin Angela Merkel (CDU) gewarnt, dass es zu Weihnachten 19.200 Neuinfektionen am Tag geben könne – weniger als zwei Monate vor Weihnachten ist dieser Wert nun schon fast erreicht.

Kommt es im Dezember gar zu verschärften Restriktionen?

Unionsfraktionschef Ralph Brinkhaus (CDU) schließt auch eine weitere Verschärfung der Corona-Schutzmaßnahmen nicht aus. Zwar sei der Plan, dass es vor Weihnachten wieder zu Lockerungen komme, sagte er den Zeitungen der Funke Mediengruppe, garantieren könne das aber niemand.

„Viel wird davon abhängen, ob alle mitziehen“, meinte er. Dann hätte man eine gute Chance, auf weitere Verschärfungen verzichten zu können. „Wenn aber flächendeckend die Leute ihr Ding machen, dann kriegen wir ein Problem“, sagte der Politiker.

Bund und Länder hatten sich am Mittwoch auf massive Kontaktbeschränkungen verständigt, um die rasche Ausbreitung des Coronavirus zu stoppen. Ab Montag müssen Gastronomie sowie Freizeit-, Kultur- und Sporteinrichtungen schließen. Der Handel sowie Schulen und Kitas sollen geöffnet bleiben.

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