Großbritannien : 250 Polizisten wegen Nervengift-Attacke im Einsatz

Im Fall der Nervengift-Attacke auf einen russischen Ex-Spion hat die britische Polizei neue Spuren. Insgesamt wurden schon mehr als 240 Beweisstücke gesichert.

Ermittler in Gasmasken untersuchen einen Krankenwagen auf Spuren von Nervengift an einer Wartungsstation in Harnham nahe Salisbury.
Ermittler in Gasmasken untersuchen einen Krankenwagen auf Spuren von Nervengift an einer Wartungsstation in Harnham nahe...Foto: Andrew Matthews / dpa

In Großbritannien laufen die Ermittlungen nach der Nervengift-Attacke auf einen russischen Ex-Spion auf Hochtouren. Mehr als 250 Polizisten sind nach Angaben von Innenministerin Amber Rudd im Einsatz. Es gebe mehr als 200 Zeugen und mehr als 240 Beweisstücke. Wie die BBC am späten Samstagabend berichtete, wurden Spuren des Nervengifts in einem italienischen Restaurant in der englischen Stadt Salisbury gefunden. Dort hatten Sergej Skripal und seine Tochter vergangenen Sonntag gegessen bevor sie auf einer Bank bewusstlos aufgefunden wurden. "Es gab Spuren der Verunreinigung mit dem Nervengift sowohl im Pub 'The Mill', als auch im Restaurant 'Zizzi' in Salisbury", sagte die englische Gesundheitsbeauftragte Sally Davies am Sonntag dem Sender BBC.

Es sei davon auszugehen, dass bis zu 500 Menschen die beiden Örtlichkeiten im kritischen Zeitraum zwischen dem 4. und 5. März aufgesucht hätten, sagte Davies. "Ich bin zuversichtlich, dass dies nicht die Gesundheit von denjenigen beeinträchtigt, die das Pub 'The Mill' oder 'Zizzi' aufgesucht haben", sagte sie. Es gebe jedoch Menschen, die besorgt seien, dass ein langfristiger Kontakt "mit diesen Substanzen" über Wochen oder Monate zu Gesundheitsproblemen führen könne.

Besucher des Pups und des Restaurants sollen ihre Kleidung waschen

Die Gesundheitsbehörden erklärten, das Risiko für die Bevölkerung sei gering, sie rieten Betroffenen allerdings als Vorsichtsmaßnahme ihre Kleidung und persönliche Sachen zu waschen. "Es ist möglich, aber unwahrscheinlich, dass eine solche Substanz, die mit Kleidung oder Sachen in Kontakt gekommen ist, noch in geringen Mengen vorhanden sein könnte und damit die Haut kontaminieren kann", hieß es in einer Mitteilung. "Mit der Zeit könnte ein wiederholter Hautkontakt mit verunreinigten Dingen ein geringes Risiko für die Gesundheit darstellen." Kleidung, die nur in der Reinigung gesäubert werden könne, sollte in zwei zusammengebundene Plastiktüten gelegt und "bis auf Weiteres sicher verwahrt werden". Handys und andere elektronische Geräte sowie Handtaschen sollten mit Feuchttüchern abgewischt werden, die dann im Hausmüll entsorgt werden sollten. Schmuck und Brillen sollten per Hand mit warmem Wasser und Spülmittel gereinigt und anschließend mit kaltem Wasser abgespült werden.

Die Polizei geht davon aus, dass der Ex-Doppelagent und seine Tochter gezielt mit Nervengas angegriffen wurden. Um welches Gift es sich genau handelt, ist der Polizei nach eigenen Angaben bekannt. Sie machte die Information jedoch nicht öffentlich. Aus US-Geheimdienstkreisen verlautete, dass die Hauptannahme der Ermittler sei, dass das Nervengift von russischer Seite eingesetzt worden sei, um Skripal für seinen Verrat als russisch-britischer Doppelagent zu bestrafen. Skripal hatte dem britischen Geheimdienst die Identität Dutzender russischer Spione verraten, bevor er 2004 in Russland verhaftet und 2006 in einem Geheimprozess zu einer 13-jährigen Gefängnisstrafe verurteilt wurde. 2010 kam er im Zuge eines Gefangenenaustauschs frei und lebt seitdem in Großbritannien. Russland wies die Vorwürfe zurück.

Sollte ein anderer Staat in den Anschlag involviert sein, werde Großbritannien entsprechend reagieren, sagte Finanzminister Philip Hammond am Sonntag in der BBC. Zunächst müssten aber die Ermittlungen der Polizei abgeschlossen werden. Innenministerin Rudd zufolge sind der 66-jährige Skripal und seine 33 Jahre alte Tochter Yulia immer noch in einem kritischen Zustand, aber stabil. Ein Polizist, der am Sonntag als einer der ersten vor Ort war, wird schwer erkrankt ebenfalls in einer Klinik behandelt. Er sei ansprechbar und stehe in Kontakt zu seiner Familie, sagte Rudd. (Reuters / afp)

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