Großbritannien : Wettbüros halten baldigen Brexit für unwahrscheinlich

Die Buchmacher britischer Wettfirmen glauben nicht an einen raschen EU-Ausstieg. Premierministerin May trauen sie aber einiges zu.

Britisches Wettbüro: Im Königreich wird auf vieles gewettet - auch auf den Ausgang des Brexit. Foto: dpa / picture alliance
Britisches Wettbüro: Im Königreich wird auf vieles gewettet - auch auf den Ausgang des Brexit. Foto: dpa / picture alliancepaFotod:

Fußball, Rugby, Tennis – im Vereinigten Königreich wird gerne gewettet. Der Reiz daran: Keiner kann vor dem Spiel wissen, wie es ausgeht. Das gilt auch für den Brexit. Alles ist offen.

Das stellt die Buchmacher in den Wettbüros vor ein Problem. „Es gibt keinen Präzedenzfall, es gibt keine Formel, die uns sagen könnte, wie hoch die Wahrscheinlichkeiten liegt“, sagte kürzlich ein Angestellter des britischen Wettbüros Ladbrokes dem „Wall Street Journal“.

1,3 Millionen Euro für Brexit-Wetten

Die Vorsicht ist verständlich. Schon einmal lagen die Wettfirmen ziemlich daneben. Vor der Brexit-Abstimmung 2016 gab es einen regelrechten Wett-Boom im Königreich. Die Buchmacher waren sicher, dass die Mehrheit der Briten für den Verbleib in der EU stimmen würde. Es kam bekanntlich anders.

Dass Premierministerin Theresa May an diesem Dienstag vom britischen Unterhaus grünes Licht für den Brexit-Deal mit der EU erhält, gilt als nahezu ausgeschlossen. Nur durch ein Wunder könnte sie noch eine Mehrheit erreichen.

Fürs Wetten einigt sich der Brexit dennoch. Unter den politischen Spieleinsätzen ist der EU-Ausstieg gerade der Verkaufsschlager in den britischen Wettbüros. Umgerechnet mehr als 1,3 Millionen Euro setzten die Briten alleine im Dezember beim weltweit größten Online-Wettanbieter „Betfair“ auf die Frage, ob das britische Parlament dem Brexit-Deal zustimmen wird.

Brexit bis Ende März unwahrscheinlich

Aktuell bieten die großen britischen Buchhalter vor allem Wetten über den Zeitplan für den EU-Ausstieg an: Stimmt das britische Parlament bis Ende Januar einem Brexit-Deal zu? Das traditionsreiche Wettbüro William Hill, das seit den 1930er Jahren im Spielgeschäft ist, schätzt die Wahrscheinlichkeit auf 13 Prozent.

Eine andere Frage lautet: Verlässt Großbritannien wirklich planmäßig Ende März endgültig die EU? So richtig glauben, kann man das nicht. Laut der Webseite oddscheckers.com liegt die Wahrscheinlichkeit für den fristgerechten EU-Austritt der Briten bei 20 Prozent.

Kommt ein zweites Referendum?

Oder lässt sich der Brexit womöglich doch noch stoppen? Auch darauf wetten die Briten – etwa auf die Frage: Kommt ein zweites Referendum? Die Chancen dafür stehen bei 38 Prozent, sagen die Buchmacher. Und wie hoch ist die Wahrscheinlichkeit, dass ein zweite Volksabstimmung eine Mehrheit gegen den Brexit bringen würde? Die liegt laut der Firma William Hill bei 22 Prozent.

Gleich hoch stehen die Chancen, dass der Brexit bis Ende März einfach abgeblasen wird. Rund 25 Prozent Wahrscheinlichkeit sieht William Hill, dass bis 29. März die Anrufung des EU-Artikels 50 des EU-Vertrags „revoked“ wird – also rückgängig gemacht wird.

Dass sich Regierungschefin Theresa May vorerst im Amt halten kann, das halten die Buchmacher hingegen für relativ wahrscheinlich. Auf die Frage, ob May zum Brexit Premierministerin bleibt, dafür liegen die Chancen laut betfair.com bei immerhin mehr als 66 Prozent.

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