• Gründer des SPD-Wirtschaftsforums Harald Christ: "Es wird keine Schlappe für Andrea Nahles geben"

Gründer des SPD-Wirtschaftsforums Harald Christ : "Es wird keine Schlappe für Andrea Nahles geben"

Der Unternehmer Harald Christ appelliert an seine Partei: Kein Experimente. Andrea Nahles brauche ein starkes Mandat als Parteichefin.

Der Gründer des SPD-Wirtschaftsforums Harald Christ.
Der Gründer des SPD-Wirtschaftsforums Harald Christ.Foto: promo

Eineinhalb Wochen vor dem SPD-Parteitag hat das SPD-Wirtschaftsforum die Parteibasis zur Wahl von Andrea Nahles zur neuen Parteichefin aufgerufen. „Die Delegierten müssen sich ihrer Verantwortung bewusst sein - es ist nicht die Zeit für Experimente“, sagte der Gründer und Schatzmeister des Forums, Harald Christ, dem Tagesspiegel. Im Folgenden das Interview im Wortlaut:

Herr Christ, in Ihrer Partei reden alle von Erneuerung, aber wie die neue SPD aussehen soll, bleibt vage. Hat wenigstens das Wirtschaftsforum der SPD eine klare Vorstellung?

Die SPD muss sich um die größte soziale Herausforderung unserer Zeit kümmern, wenn sie auf der Höhe der Zeit sein will. Durch die Digitalisierung drohen massive soziale Eruptionen. Zumindest dann, wenn es nicht gelingt, neue Jobs in den neuen digitalen Bereichen zu schaffen, während zugleich Hunderttausende Arbeitsplätze durch Automatisierung und autonome Steuerung wegfallen.

Was kann die SPD tun?

Der Schlüssel ist lebenslange Qualifikation. Frei nach Ludwig Erhard: Im Zeitalter der Digitalisierung ist Qualifikation für alle die Grundlage für Wohlstand für alle. Davon muss sich die SPD leiten lassen. Sie muss massive Investitionen in Bildung und Fortbildung durchsetzen.

Bislang kreist die Debatte in der SPD vor allem um die Abschaffung von Hartz IV….

Man darf 15 Jahre nach der Einführung durchaus über eine Reform debattieren und auch anpassen. Das Prinzip des Förderns und Forderns muss aber erhalten bleiben. Und Fördern heißt vor allem: Qualifizieren! Da müssen wir besser werden, viel besser.

Die Wähler messen der SPD in zwei Politikbereichen traditionell wenig Kompetenz zu: Wirtschaft und innere Sicherheit. Was bedeutet das für die Mehrheitsfähigkeit Ihrer Partei?

Das war nicht immer so. Sie haben aber Recht, dass wir da unsere Werte verbessern müssen. Ich verweise darauf, dass wir die heutige gute Wirtschaftslage Schröders Agenda und der Wirtschaftspolitik eines Sigmar Gabriel mit zu verdanken haben. Die SPD ist die einzige Partei, die wirtschaftliche Stärke, soziale Gerechtigkeit und innere Sicherheit wirklich zusammen bringen kann.

Braucht die SPD wieder einen roten Sheriff?

Sie braucht Personen, die für Recht, Sicherheit und Ordnung stehen, das erwarten die Menschen in unserem Land von der Politik. Der ehemalige SPD-Innenminister Otto Schily war so ein Mann.

Andrea Nahles will auf dem Parteitag am Sonntag kommender Woche zur neuen Vorsitzenden gewählt werden. Wie groß ist die Gefahr, dass ihr die Gegenkandidatur der Flensburger Bürgermeisterin Simone Lange ein gutes Ergebnis verhagelt?

SPD-Fraktionschefin Andrea Nahles bei einer Rede im Bundestag im März dieses Jahres.
SPD-Fraktionschefin Andrea Nahles bei einer Rede im Bundestag im März dieses Jahres.Foto: Fabricio Bensch/Reuters

Ich kann zwar nicht so recht nachvollziehen, was Simone Lange wirklich antreibt. Aber es ist gut, dass es eine weitere Kandidatin gibt. Um das Ergebnis von Andrea Nahles ist mir nicht bange, sie wird gestärkt aus dem Parteitag hervor gehen. Sie hat die Unterstützung einer klaren Mehrheit in der Partei. Und meine sowieso.

Was würde eine Schlappe für Nahles für den Neustart der SPD bedeuten?

Die Delegierten müssen sich ihrer Verantwortung bewusst sein - es ist nicht die Zeit für Experimente. Und da die SPD eine Partei der Vernunft ist, wird es keine Schlappe geben. Andrea Nahles braucht ein starkes Mandat, um die Erneuerung der SPD voranzutreiben. Und sie wird diese breite Rückendeckung bekommen.

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