Grüne fordern bessere Honorierung : Kaum noch Hausbesuche von Therapeuten

Für Therapeuten sind Hausbesuche ein Draufzahlgeschäft, deshalb finden sie kaum noch statt. Die Grünen drängen auf bessere Vergütung.

Meist nur noch in der Praxis: Hausbesuche sind für Physiotherapeuten ein Draufzahlgeschäft.
Meist nur noch in der Praxis: Hausbesuche sind für Physiotherapeuten ein Draufzahlgeschäft.Foto: Dieter Kroll/dpa

Die Grünen verlangen, Hausbesuche von sogenannten Heilmittelerbringern besser zu honorieren. Die Vergütung für Physiotherapeuten, Logopäden, Podologen, Ergotherapeuten und Diätassistenten sei nicht kostendeckend, heißt es in einem Brief der gesundheitspolitischen Sprecherin der Fraktion, Maria Klein-Schmeink, an Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU). Dies führe dazu, „dass Hausbesuche häufig gar nicht mehr stattfinden“.

Gerade im ländlichen Raum seien Hausbesuche durch Therapeuten von großer Bedeutung für die oftmals nicht mobilen Patienten, sagte Klein-Schmeink dem Tagesspiegel. "Es darf nicht sein, dass diese Leistung aus wirtschaftlichen Gründen nicht mehr angeboten werden kann." Bereits im Wortlaut des geplanten Terminservice- und Versorgungsgesetzes müsse "klargemacht werden, dass die Vergütungen für Hausbesuche künftig eine gute Versorgung für alle Versicherten ermöglichen, unabhängig von ihrem Wohnort".

10,95 Euro pro Hausbesuch von der AOK

Um den Therapeutenberuf attraktiver zu machen, plant Spahn, die Honorare von der Grundlohnsumme abzukoppeln. Sie können dann stärker steigen als die beitragspflichtigen Einnahmen aller gesetzlich Krankenversicherten.Zudem sollen die Entgelte zum Jahr 2020 vereinheitlicht werden – und zwar durch Anhebung auf den „höchsten von einer Krankenkasse in einer Region vereinbarten Preis“.

Was das für die Honorierung von Hausbesuchen bedeutet ist allerdings noch unklar, denn bislang gibt es dafür ganz unterschiedliche Abrechnungsvarianten. Je nach Region und Kassenart werden entweder zusätzlich Wegegelder bezahlt oder komplette Einsatzpauschalen abgerechnet. Außerdem wird zwischen der Visite von Patienten zuhause und in sozialen Einrichtungen differenziert. In Berlin beispielsweise erhalten Logopäden von den Ersatzkassen pro Hausbesuch 14,98 Euro. Von der AOK gibt es für die gleiche Leistung lediglich 8,50 Euro plus 2,16 Euro Wegegeld - wenn ein weiterer Patient im gleichen Heim behandelt wird, gibt es für dessen Visite aber nur 3,23 Euro. Physiotherapeuten bekommen in Berlin den Hausbesuch mit 10,95 Euro vergütet, die Ersatzkassen zahlen 13,92 Euro.

"Immens wichtig für immobile Patienten und Heimbewohner"

Hausbesuche seien „immens wichtig, für die Versorgung von immobilen Patienten und Heimbewohnern“, heißt es in dem Brief. „Die Neuregelung muss daher dafür sorgen, dass Hausbesuche wieder wirtschaftlich werden und die Versorgung nicht mehr von Parametern abhängt, die sachlich nicht begründbar sind, oder auf die der Therapeut keinen Einfluss nehmen kann.“

Zuvor hatten sich auch schon Kassenärzte über die schlechte Honorierung von Hausbesuchen beklagt. Wenn die Vergütung nicht angehoben werde, könnten sie "perspektivisch nicht mehr stattfinden", drohte der Vorsitzende der Kassenärztlichen Bundesvereinigung, Andreas Gassen. Hausbesuche würden für Ärzte derzeit in einer Größenordnung von 25 Euro honoriert. Die Mediziner erhielten damit aber immer noch "deutlich mehr als die Heilmittelerbringer", betonte Klein-Schmeink.

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