Hauptstadtlage : Donald Tusk wünscht Brexiteers erneut in die Hölle

Die EU einigt sich beim Thema Brexit auf einen Wenn-Dann-Beschluss, Hirschhausen verteidigt Schülerdemos. Der Nachrichtenüberblick am Freitagmorgen.

EU-Ratspräsident Donald Tusk.
EU-Ratspräsident Donald Tusk.Foto: Aris Oikonomou/AFP

„Take back control!“ hieß das Versprechen, mit dem die Brexit-Befürworter ihre Wähler für den Ausstieg aus der Europäischen Union köderten. Heute wären die meisten Beteiligten schon froh, wenn sie die Kontrolle nicht komplett verlieren. Der EU-Gipfel diskutierte gestern stundenlang, welche Verlängerung er Theresa May über den offiziellen Brexit-Termin Ende nächster Woche hinaus einräumen soll. Am Ende stand ein Beschluss mit mehreren Wenn-Danns: Der B-Day verschiebt sich auf den 22. Mai, den Tag vor der Europawahl – aber nur wenn das Parlament in London nächste Woche Mays Deal mit der EU doch noch akzeptiert.

Wenn nicht, gilt der Aufschub nur bis zum 12. April; bis dann muss London sagen, wie es weiter gehen soll. Das verschachtelte Terminkonstrukt soll verhindern, dass die Briten außer sich selbst auch noch die Union lahmlegen: Die Europawahl wäre ungültig, wenn ein Noch-Mitglied nicht teilnimmt. Ratspräsident Donald Tusk machte hinterher kein Hehl daraus, wohin er die hartleibigen Brexiteers immer noch wünscht. „Unser Papst sagt, die Hölle sei noch leer“, knurrte der Pole in der mitternächtlichen Pressekonferenz. „Das heißt, es ist reichlich Platz drin.“

Eckart von Hirschhausen kritisiert Scheinargumente

Der Esel gilt als dumm und stur. Ingo Senftleben ficht das nicht an. Der CDU-Spitzenkandidat für die Landtagswahl in Brandenburg mag die Langohren trotzdem; die seien, sagt er, in Wahrheit ziemlich intelligent. Genau so wenig beeindruckt es den gelernten Maurer, dass manche Parteifreunde im Westen ihn im Stillen mit dem Grautier vergleichen, seit er angekündigt hat, dass er nach der Landtagswahl auch mit den Linken sprechen würde.

Diese Parteifreunde wissen vermutlich nicht mal, dass Senftleben reelle Chancen hat, als erster Christdemokrat die SPD-Vorherrschaft in seinem Land zu brechen und Ministerpräsident zu werden. Mein Kollege Thorsten Metzner hat einen Mann porträtiert, der den Bürgern auch in Koalitionsfragen lieber die Wahrheit sagt, statt ihnen vor der Wahl den sprichwörtlichen Bären aufzubinden.

Im Streit um die Schülerdemonstrationen für den Klimaschutz ist kein Argument zu dumm, um nicht von irgendjemandem vorgebracht zu werden. Besonders beliebt ist die Argumentation „ad hominem“. Eckart von Hirschhausen kennt sich damit aus, er ist schließlich Mediziner und kann deshalb Latein. „Ad hominem“ heißt so viel wie: Wenn dir in der Sache nichts mehr einfällt, attackiere deinen Gegner als Person.

Hirschhausen erklärt im Gespräch mit meiner Kollegin Selina Bettendorf nicht nur, warum er den Kinderaufstand unterstützt, sondern führt auch gleich vor, wie man mit dieser Sorte Scheinargumenten umgeht. Er fliege manchmal und fahre privat einen Diesel, sagt der Erfolgsautor, Moderator und Kabarettist. Na und? „Kein Mensch muss perfekt sein, um seine Stimme erheben zu dürfen.“

Walter Lindner gibt Posten als Staatssekretär ab

Womit wir fast bei der Musik wären und also bei Walter Lindner. Der Diplomat verlässt heute seinen Posten als Staatssekretär im Auswärtigen Amt in Richtung der deutschen Botschaft in Indien. Als das bekannt wurde, horchten Lindner-Kenner gleich auf. Ausgerechnet Indien! Wisst ihr noch? Die Beatles? John Lennon beim Guru? Die Erleuchtung? Und dann das legendäre Weiße Album?

Ach so, Entschuldigung, für Lindner-Nichtkenner: Der Mann mit dem markanten Pferdeschwanz hätte locker auch als Musiker Karriere machen können. Auf jeder seiner Auslandsstationen hat er sich erst brav beim Gastgeber vorgestellt und dann eine Band gegründet. Querflöte hat er studiert, Klavier kann er auch. Da käme als Nächstes eine Sitar infrage. Oder eine Bansuri. Und dann, wer weiß – die Erleuchtung?

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