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Pavel Durov erklärt seinen Standpunkt zu Russland.
© REUTERS/Albert Gea

Telegram-Gründer Pavel Durov reagiert auf Kritik: „Ich habe meine Firma und mein Zuhause verloren – und ich würde es wieder tun“

Durov wendet sich auf Englisch an seine Follower und versichert seine Verbundenheit zur Ukraine. Ein Vorfall mit Russlands Geheimdienst bewegt ihn immer noch.

Pavel Durov, Gründer des Messenger-Dienstes Telegram, hat sich in seinem persönlichen Telegram-Channel an die Öffentlichkeit gewandt, um seine Beziehung zu Russland klarzustellen. Damit wolle er auf diejenigen reagieren, die „sich gefragt haben, ob Telegram für Ukrainer unsicherer ist, weil ich mal in Russland gelebt habe“, schreibt Durov.

Telegram wird besonders in Russland und der Ukraine verstärkt zur politischen Kommunikation genutzt. Sowohl die staatlichen Nachrichtenagenturen, als auch bekannte Aktivisten sowie Protestgruppen nutzen den Messenger, um ihre Botschaften zu verbreiten.

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Gerade im Ukraine-Krieg nutzen viele Menschen vor Ort den Messenger, um Informationen über den Angriffskrieg Russlands, wie etwa Truppenbewegungen oder russische Bombardements auszutauschen.

Durov war zuvor in die Kritik geraten, weil er angekündigt hatte, russische und ukrainische Kanäle während des Krieges aufgrund der ansteigenden Verbreitung von Falschinformationen zu sperren. Doch wenige Tage darauf nahm Durov diese Aussage zurück und versicherte, dass er keine Telegram-Kanäle sperren werde.

„Zahlreiche Nutzer haben uns gebeten, nicht zu erwägen, die Telegram-Feeds für die Dauer des Konflikts abzuschalten, da wir ihre einzige Informationsquelle sind.“

Ukrainische Mutter und Repressalien durch den FSB

Der am Montagabend veröffentlichte Text nimmt offenbar Bezug auf Kritik an Durovs vorherigen Aussagen. In dem Text, den der Russe auf Englisch veröffentlichte, betont der seine ukrainische Herkunft mütterlicherseits: „Bis heute haben wir viele Verwandte in der Ukraine. Deshalb ist dieser tragische Konflikt ein sehr persönlicher sowohl für mich als auch für Telegram.“

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Allen, die Zweifel daran hätten, dass er russische und ukrainische Accounts gleichermaßen behandele, wolle Durov erzählen, wie seine Karriere in Russland endete.

„Vor neun Jahren war ich CEO von VK, dem größten Sozialen Netzwerk in Russland und der Ukraine.“ 2013, so schreibt Durov, habe ihn der russische Inlandsgeheimdienst FSB gebeten, Daten ukrainischer Nutzer:innen von VK herauszugeben, die 2013 beim Euro-Maidan gegen den pro-russischen Präsidenten Viktor Yanukovych protestierten.

Seiner Darstellung nach weigerte sich Durov damals, dem FSB die Daten auszuhändigen. Er hätte das als „Betrug" an den ukrainischen Nutzer:innen empfunden. Daraufhin sei er als CEO gefeuert worden und habe Russland verlassen müssen.

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Ob diese Darstellung so stimmt, ist unklar. Medienberichten aus dem Jahr 2014 zufolge habe Durov gesagt, seine Entlassung hänge damit zusammen, dass er sich geweigert hätte, eine VK-Gruppe des Oppositionspolitikers Alexej Nawalny zu löschen.

 „Ich würde es – ohne zu Zögern – wieder tun“

„Ich habe meine Firma und mein Zuhause verloren und ich würde es – ohne zu Zögern – wieder tun“, schreibt Durov. Er lächele immer noch voller Stolz, wenn er seinen VK-Post von damals sehe – darin habe er die Anordnung des FSB gepostet, mit seiner Antwort.

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Der Post, den Durov anspricht, ist weiterhin auf seinem VK-Profil zu finden. Darin schrieb er damals: „Die Weitergabe der persönlichen Daten der Ukrainer an die russischen Behörden wäre nicht nur ein Verstoß gegen das Gesetz, sondern auch ein Verrat an all den Millionen Ukrainern, die uns vertraut haben.“

In dem Schreiben des FSB sind 39 VK-Gruppen aufgelistet, deren Mitglieder der Geheimdienst ausfindig machen wollte. Der Post ist von April 2014, das Schreiben des FSB von Dezember 2013.

Seitdem sei viel Zeit vergangen, vieles habe sich verändert, schreibt Durov heute. „Ich lebe nicht mehr in Russland, habe dort keine Firmen und keine Angestellten mehr.“ Aber eine Sache bleibe gleich: „Ich stehe für unsere Nutzer:innen, egal was kommt. Ihre Rechte auf Privatsphäre sind heilig – jetzt mehr als sonst.“

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