Junge Alternative : Warum die AfD-Jugend zerfällt

Die AfD-Nachwuchsorganisation in Baden-Württemberg wird vom Verfassungsschutz beobachtet. Seitdem steht die Junge Alternative im Bund vor der Spaltung.

Das Logo der AfD-Nachwuchsorganisation.
Das Logo der AfD-Nachwuchsorganisation.Foto: dpa/Jens Kalaene

Sie galt stets als noch radikaler als die Mutterpartei und stand wegen Verbindungen zur völkischen „Identitären Bewegung“ immer wieder in der Kritik – Ärger gab es deswegen lange nicht. Doch nun steckt die AfD-Jugend Junge Alternative (JA) in der tiefsten Krise ihrer etwas über fünfjährigen Geschichte. Nachdem vergangene Woche herauskam, dass der Verfassungsschutz den JA-Landesverband in Baden-Württemberg beobachtet, zerfällt die Nachwuchsorganisation.

Für die AfD ist das kein unerheblicher Vorgang: Über die JA rekrutiert die Partei, die nicht gerade reich an jungen Leuten ist, ihren Nachwuchs. In den Bundestag ist kürzlich eine Reihe an Jungen Alternativen eingezogen – allen voran der Ex-Chef der JA, Markus Frohnmaier. „Eine Jugendorganisation in Baden-Württemberg, die vom Verfassungsschutz beobachtet wird, ist für junge Leute natürlich wenig attraktiv“, sagte er dem Tagesspiegel.

Begonnen hatten die Schwierigkeiten für die Junge Alternative kurz nach den Protesten in Chemnitz. Dort hatte die AfD gemeinsam mit Pegida einen Trauermarsch veranstaltet. Die Rufe nach einer Verfassungsschutzbeobachtung der AfD wurden immer lauter. Anfang September gaben die Landesämter in Bremen und Niedersachsen bekannt, dass sie die jeweiligen Landesverbände der Jungen Alternative beobachten.

Austrittswelle in Baden-Württemberg

Die AfD musste reagieren. Der Parteinachwuchs entschied, den niedersächsischen Ableger abzuspalten. Dieser galt als besonders problematisch. Der ehemalige Chef der niedersächsischen AfD-Jugend, Lars Steinke, hatte etwa den Hitler-Attentäter Stauffenberg als „Verräter“ verunglimpft. Mittlerweile läuft ein Parteiausschlussverfahren gegen ihn.

Schwerwiegendere Folgen hat die Beobachtung des baden-württembergischen Landesverbandes. Der Verfassungsschutz sieht Anhaltspunkte für verfassungsfeindliche Bestrebungen. Es folgte eine Austrittswelle: Zunächst traten der Vorsitzende Moritz Brodbeck und weitere Vorstandsmitglieder zurück. Brodbeck erklärte, die Beobachtung sei Folge eines „fortgesetzten Fehlverhaltens“ eines nennenswerten Teils der baden-württembergischen Mitglieder. „Insgesamt haben wir etwa 70 Mitglieder in Baden-Württemberg verloren“, sagt Frohnmaier.

„Zunehmend sektenartigen Strukturen“

Bei den Jungen Alternativen herrscht Katerstimmung. In der Vergangenheit gab es in der AfD-Jugend immer wieder Uneinigkeit darüber, wie eng man mit der „Identitären Bewegung“ (IB), die vom Verfassungsschutz beobachtet wird, umgehen soll. Mehrfach gab es personelle Überschneidungen zwischen JA und IB. Das hat offenbar auch dazu beigetragen, dass die JA in Baden-Württemberg jetzt beobachtet wird.

In einer gemeinsamen Austrittserklärung einiger Mitglieder aus Baden-Württemberg heißt es, in mehreren Bezirksverbänden seien „regelrechte Parallelstrukturen mit engen Verbindungen zur IB“ aufgebaut worde. Der Hälfte der JA-Mitgliedschaft gehe es nicht mehr „um eine freiheitlich-patriotische Jugendpolitik“, sondern um die Verfestigung einer „totalen Ablehnung dessen, was sie nebulös als System bezeichnen“. Durchgesetzt werde dieser Kurs „in zunehmend sektenartigen Strukturen“.

Dem Portal „Vice“ sagte Alexander Leschik, Mitglied des JA-Bundesvorstands, dass er und zwei weitere Mitglieder aus Nordrhein-Westfalen aus dem Gremium zurücktreten und anschließend einen Austritt ihres Landesverbandes aus der JA erreichen wollten. Die Junge Alternative würde dann gut ein Viertel ihres Personals verlieren, weitere Landesverbände könnten folgen.

Frohnmaier: AfD-Jugend will keine Belastung für die Partei sein

Eine Überlegung ist, dass sich diese Landesverbände zu einer neuen Jugendorganisation zusammentun und von der Partei anerkennen lassen. Frohnmaier bestätigte das, zuvor hatte das „Redaktionsnetzwerk Deutschland“ berichtet. Frohnmaier sagte aber, erst einmal sei abzuwarten, was im Bericht des Verfassungsschutzes stehe. Die AfD-Jugend wolle keine Belastung für die Partei sein. Damit spielt Frohnmaier darauf an, dass die Beobachtung der JA zu einer Gesamtbeobachtung der AfD beitragen könnte.

Frohnmaier selbst ist in der Vergangenheit alles andere als gemäßigt aufgefallen. Kurz nach der Eskalation in Chemnitz schrieb er: „Wenn der Staat die Bürger nicht mehr schützen kann, gehen die Menschen auf die Straße und schützen sich selber. Ganz einfach!“ Ihm wurde vorgeworfen, er habe indirekt zur Selbstjustiz aufgerufen.

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