Kampf gegen Coronavirus : Leyen hofft auf Impfstoff bis Ende des Jahres

Die Entwicklung eines Impfstoffs dauert normalerweise Jahre. EU-Kommissionschefin Leyen hat bereits Ende 2020 im Blick. Experten sind nicht so zuversichtlich.

Hauptsache steril: EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen im Brüsseler Plenarsaal. 
Hauptsache steril: EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen im Brüsseler Plenarsaal. Foto: imago images/ P. Buissin

Bei der weltweiten Suche nach einem Corona-Impfstoff zeigt sich EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen optimistisch. Die deutsche Politikerin hofft, dass schon Ende des Jahres ein Impfstoff entwickelt sein könnte. Microsoft-Gründer Bill Gates, der sich seit Jahren für eine bessere Gesundheitsversorgung in der Welt engagiert, forderte die führenden G20-Wirtschaftsmächte zu gemeinsamen Anstrengungen zur Impfstoffentwicklung und mehr finanziellen Beiträgen auf. Auch deutsche Politiker mahnten, die Bemühungen hierfür international zu bündeln.

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Mit der Ausbreitung des Coronavirus Sars-CoV-2 ist ein Wettbewerb zwischen Biotech-Firmen und Forschungsinstituten weltweit entbrannt, um einen wirksamen Impfstoff herstellen. Dennoch rechnen die wenigsten Experten damit, dass es noch in diesem Jahr einen gut wirksamen, sorgsam abgesicherten und in immensen Mengen verfügbaren Impfstoff geben kann.

Nur wenige Experten gehen von einem Impfstoff in diesem Jahr aus

Leyen zufolge sitzen zwei der vielversprechendsten Forscherteams in Europa. „Sie planen, schon bald mit den klinischen Tests zu beginnen“, sagte die CDU-Politikerin der „Bild am Sonntag“. Dann folgten mehrere Schritte bis zu einer Zulassung und Massenproduktion eines Impfstoffs. „Ich hoffe, dass sie gegen Ende des Jahres einen Impfstoff entwickelt haben“, sagte sie. Für eine zügige Impfkampagne spreche die EU schon jetzt mit Herstellern über weltweite Produktionskapazitäten.

Hintergründe zum Coronavirus:

International bemüht sich die Impfstoff-Allianz CEPI („Coalition for Epidemic Preparedness Innovations“) um die Entwicklung eines Impfstoffes. Zu den Mitbegründern der Allianz gehört die Bill-und-Melinda-Gates-Stiftung. Bill Gates schrieb in einem Gastbeitrag für die „Welt am Sonntag“, die CEPI sei dabei, mindestens acht mögliche Impfstoffe zu entwickeln. 

Forscher gehen von mindestens 18 Monaten Wartezeit aus

Wissenschaftler gingen davon aus, dass in 18 Monaten mindestens einer von ihnen anwendungsbereit sein werde. „Nur mit einer entsprechenden finanziellen Förderung kann dieser enge Zeitplan eingehalten werden.“ Viele Länder hätten CEPI in den vergangenen zwei Wochen Unterstützung zukommen lassen, „doch benötigt die Koalition für ihre Arbeit mindestens zwei Milliarden Dollar“, so Gates.

Er mahnte zugleich, eine Covid-19-Schutzimpfung müsse als „globales öffentliches Gut“ eingestuft werden und daher für alle bezahlbar und zugänglich sein. „Um diese Ziele zu erreichen, sollten sich die G20 bereits jetzt mit der Logistik eines globalen Immunisierungsprojekts auseinandersetzen“.

In Berlin hatte auch Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier in seiner Fernsehansprache am Samstag mit Blick auf die Coronavirus-Krise gefordert, Wissen und Forschung sollten geteilt werden, damit man schneller zu Impfstoff und Therapien gelange. Auch die ärmsten und verwundbarsten Länder müssten dazu Zugang haben.

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Bundesbildungsminister Anja Karliczek will bei ihren EU-Kollegen für mehr Geld für die CEPI werben, zu deren Gründungsmitgliedern auch Deutschland gehört. „Die reichsten Länder der Welt müssen sich viel stärker für die Impfstoffentwicklung gegen das neue Corona-Virus engagieren“, sagte die CDU-Politikerin am Sonntag der Deutschen Presse-Agentur in Berlin. „Corona bedroht Leben und Wohlstand auf dem gesamten Planeten.“ Auch die saudische G-20-Präsidentschaft müsse hier aktiv werden. 

140 Millionen Euro für die Impfstoff-Allianz

Deutschland sei mit einigen anderen Ländern vorangegangen und habe seine Zusagen für die Impfstoff-Allianz um 140 Millionen Euro aufgestockt. 90 Millionen bis 2021 seien ohnehin schon fixiert gewesen.

Erste experimentelle Kandidaten für einen Impfstoff gibt es bereits - kleine klinische Studien an Menschen damit laufen vereinzelt schon oder werden demnächst beginnen. Die Zulassung und die klinische Prüfung sind jedoch üblicherweise langwierig. Gemeinhin werden für die Entwicklung von Impfstoffen etwa 15 Jahre veranschlagt.

Bei Sars-CoV-2 soll es viel schneller gehen. Dafür wird vor allem auf biotechnologische Verfahren gesetzt, bei denen nicht wie üblich die Viren selbst zur Herstellung eines Impfstoffes benötigt werden, sondern nur deren genetische Information.

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Der Präsident des für Impfstoffe zuständigen Paul-Ehrlich-Instituts, Klaus Cichutek, hatte im März erklärt, er rechne mit ersten klinischen Prüfungen in Deutschland im Sommer bis Herbst. Er hielt es auch für möglich, dass dann 2021 größere klinische Prüfungen mit Tausenden oder vielleicht Zehntausenden Probanden beginnen könnten. 

Man dürfe die Abläufe nicht zu sehr beschleunigen, es brauche verträgliche, sichere Impfstoffe. Auch Anthony Fauci, Direktor des Nationalen Instituts für Infektionskrankheiten in den USA, und Lothar Wieler, Präsident des Robert Koch-Instituts in Berlin, rechnen mit einem Impfstoff frühestens im Frühling 2021. (dpa)

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