Klimawandel : Wie können Bauern den Klimawandel bremsen?

Neue Bauernregeln: Die Landwirtschaft könnte 2050 der größte Verursacher von Klimagasen sein, weil deren Vermeidung hier besonders schwierig ist.

Ein Bauer bringt Gärreste aus einer Biogasanlage aus. Der enthaltene Stickstoff reagiert in der Luft zu Lachgas.
Ein Bauer bringt Gärreste aus einer Biogasanlage aus. Der enthaltene Stickstoff reagiert in der Luft zu Lachgas.Foto: Patrick Pleul, dpa

Im Klimawandel sind die Bauern sind Opfer und Täter zugleich. Die aktuelle Dürre verschärft die Frage, wie sich die Bauern beim Klimaschutz verhalten. Klar ist: Auch sie müssen mitziehen. Beim Düngen etwa lassen sich große Mengen von Gasen vermeiden, die sich als Umweltbelastung erweisen.

In Deutschland machen die Emissionen der Landwirtschaft gut sieben Prozent aller Emissionen aus. Laut Klimaschutzplan der Bundesregierung sollen sie bis 2030 um 31 bis 34 Prozent im Vergleich zu 1990 sinken. Das ist weniger, als Energiewirtschaft, Industrie oder Verkehr leisten müssen. Aber es liegt in der Natur der Sache. Denn das Problem der Landwirtschaft sind die sogenannten prozessbedingten Emissionen: Die Kuh rülpst nun mal Methan beim Verdauen und aus Kunstdünger und Gülle steigt klimaschädliches Lachgas auf, ohne dass man das verhindern könnte.

Bauernverband hat eine Strategie

Was die Landwirte dennoch tun können, hat der Deutsche Bauernverband (DBV) in seiner Klimastrategie aufgeschrieben. Eine der Maßnahmen: Beim Düngen wenig verschwenden und den Luftkontakt von Gülle vermeiden. „Nach der Novelle des Düngerechts muss Gülle innerhalb von vier Stunden in den Boden eingearbeitet werden“, sagt der Leiter Agrarpolitik bei der Umweltorganisation BUND, Christian Rehmer. In Regionen mit hohem Tierbestand dürfen auch Verordnungen erlassen werden, nach denen die Gülle schon nach einer Stunde im Boden sein muss.

Die beste Methode dafür ist der Schlitzprozess, erklärt Rehmer. Dabei wird die Gülle direkt in einen Schlitz in der Erde geleitet, was neuartige Güllegrubber erledigen. Auch eine ökologische Bewirtschaftung der Böden ohne Kunstdünger geht mit weniger Emissionen einher.

Emissionen einsparen kann auch die Digitalisierung. „Es gibt heute Düngerstreuer, die mit Chlorophyll-Sensoren vorn am Trecker gekoppelt sind und das Grün der Pflanzen messen. Bei Hellgrün wird dann mehr gedüngt als bei Dunkelgrün und so werden die Nährstoffe möglichst effizient genutzt“, berichtet der DBV-Klimaexperte Gerolf Bücheler.

2050 größter Emittent von Klimagasen

Schließlich müsste mehr Humus aufgebaut werden, der CO2 speichert. In der bisher größten Bodeninventur Deutschlands ermittelt das Thünen-Institut für Agrarklimaschutz, wie viel Kohlenstoff in landwirtschaftlichen Böden gespeichert ist. Es zeichne sich ab, dass in Feldern und Wiesen deutlich mehr organischer Kohlenstoff steckt als in allen Bäumen, die in Deutschland wachsen, teilte das Institut mit.

Auch wenn die Bauern künftig all diese gute Ideen umsetzen, wird die Landwirtschaft im Jahr 2050 der größte deutsche Emittent von Klimagasen sein – eben wegen des unvermeidbaren Sockels an Emissionen. Das steht in der Studie „Klimapfade für Deutschland“ des Industrieverbandes BDI. In einem Szenario, in dem die Agraremissionen im Vergleich zu 1990 um 95Prozent reduziert sind, müsste auch der Tierbestand klimagerechter werden. Das ließe sich über neuartiges Futter erreichen, damit Wiederkäuer beim Verdauen weniger Methan ausstoßen. Oder der Viehbestand würde zurückgehen, weil die Deutschen weniger Fleisch essen. Laut Empfehlungen der Deutschen Gesellschaft für Ernährung sollte es aus gesundheitlichen Gründen sowieso nur halb so viel sein wie heute.

Eine Vision für die Landwirtschaft der Zukunft fordert das Leibniz-Zentrum für Agrarlandschaftsforschung. Eine gesellschaftliche Debatte dazu sei absolut notwendig, sagt der Leiter des Zentrums, Frank Ewert. Er fragt: „Wie verbinden wir Ernährungssicherheit mit einer effizienteren Nutzung von Ressourcen und vermindern gleichzeitig negative Auswirkungen auf Klima, Umwelt und Biodiversität?“

Zurück zu den Traditionen

Antworten gaben die Landwirtschaftsminister der 20 wirtschaftsstärksten Länder der Erde in der Abschlusserklärung ihres Treffen Ende Juli. Die G20-Minister stimmen überein, dass die Landwirtschaft zur Lösung der Klimakrise beitragen kann und sie versprechen: „Wir werden nachhaltige Landwirtschaft und den Kampf gegen den Klimawandel fördern, Landwirte in die Entwicklung nachhaltiger Landwirtschaftssysteme einbinden, und die nachhaltige traditionelle Landwirtschaft revitalisieren.“

Dazu sagt Silvia Bender, Agrarexpertin beim BUND: „An sich ist es gut, dass sich die G20 zu nachhaltiger Landwirtschaft verständigen. Aber bislang bleibt alles sehr unkonkret und ist zu sehr auf die Agrarindustrie fokussiert.“ Benders Ansicht nach ist eine Hinwendung zur (klein)bäuerlichen, ökologischen Landwirtschaft überfällig. „Sie ist in Bezug auf Flächen- und Energieeinsatz produktiver und verbindet die Sicherung der Ernährung mit Klimaschutz und dem Erhalt der Böden.“

Dieser Beitrag erschien zuerst im „Background Energie & Klima“, dem digitalen Fachinformationsdienst des Tagesspiegels.

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