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Mehr Zuständigkeit unter 112 : Spahn plant Reform der Notfallversorgung

Wer die 112 anruft, der könnte in weniger dringenden Fällen an einen niedergelassenen Arzt vermittelt werden. Das sieht ein Plan vom Gesundheitsministerium vor.

Notaufnahme vom Charité-Krankenhaus Benjamin Franklin in Steglitz-Zehlendorf
Notaufnahme vom Charité-Krankenhaus Benjamin Franklin in Steglitz-ZehlendorfFoto: imago/Schöning

Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) will die Versorgung bei medizinischen Notfällen reformieren. Die Telefonnummer 112 für den Rettungsdienst und die Nummer 116117 für die Terminservicestellen der niedergelassenen Ärzte sollen faktisch zusammengeschaltet werden. Das geht aus einem Gesetzentwurf des Gesundheitsministeriums hervor, über die die Zeitungen der Funke Mediengruppe (Montag) berichteten.

In der Notfallleitstelle sollen die Mitarbeiter demnach in einem „Ersteinschätzungsverfahren“ ermitteln, ob dem Anrufer im Krankenhaus oder bei einem ambulanten Arzt am besten geholfen werden kann. Den Plan für eine Reform hatte Spahn bereits Ende letzten Jahres verkündet, nun gibt es den entsprechenden Gesetzesentwurf.

„Derzeit sind die Notaufnahmen der Krankenhäuser zu häufig überlaufen, weil unter den Patienten auch solche sind, denen andernorts besser geholfen werden könnte“, sagte Spahn den Funke-Zeitungen. Dadurch seien die Wartezeiten für Patienten oft zu lang, die dringend auf die Hilfe in der Notfallambulanz angewiesen seien.

Außerdem sollen dem Bericht zufolge an Krankenhäusern spezielle Notfallzentren eingerichtet werden, in denen Patienten je nach Schwere ihrer Erkrankung entweder in eine stationäre oder eine ambulante Behandlung geschickt werden sollen. Die Notfallzentren sollen „jederzeit zugänglich“ und „räumlich derart in ein Krankenhaus eingebunden“ sein, dass sie von den Patienten „als erste Anlaufstelle im Notfall wahrgenommen werden“, wie es hieß. Als Betreiber der „Integrierten Notfallzentren“ werden die Kliniken und die Kassenärztlichen Vereinigungen gemeinsam genannt.

SPD unterstützt Spahns Vorhaben

Die SPD unterstützt das Vorhaben des Gesundheitsministers. "Die Notfallversorgung in Deutschland muss besser organisiert werden", sagte Fraktionsvize Karl Lauterbach der Düsseldorfer "Rheinischen Post" (Online-Ausgabe). Patienten mit leichten Erkrankungen blockierten zu oft die Notaufnahmen, selbst während der Öffnungszeiten von Haus- und Fachärzten.

"Außerdem sterben in Deutschland mehr Menschen als in manchen anderen Industrienationen an den akuten Folgen von Schlaganfällen, Herzinfarkten oder schweren Unfällen", sagte der stellvertretende SPD-Fraktionsvorsitzende. Ein wesentlicher Grund dafür sei, dass Patienten in die falschen Krankenhäuser gebracht würden. "Zwischen Jens Spahn und mir besteht Einvernehmen, dass es eine Neuregelung braucht", sagte Lauterbach.

Er sei sicher, dass die Länder mitziehen werden. "Auch sie sehen den dringenden Handlungsbedarf", betone der SPD-Politiker. Ein Gesetzentwurf von Spahn sieht vor, die Nummer 112 für den Rettungsdienst und die Nummer 116 117, unter der die Terminservicestellen der niedergelassenen Ärzte zu erreichen sind, faktisch zusammengeschaltet werden. (epd, AFP)

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