Menschen schlafen in dreckigen, stinkenden Ställen : Bootsflüchtlinge harren im Mittelmeer auf Viehfrachter aus

Vor Malta sitzen 50 Flüchtlingen auf einem Frachter fest. Zeitgleich tagen die EU-Innenministern zum ersten Mal unter Vorsitz von Horst Seehofer.

Dieses Bild zeigt eine ähnliche Situation an Bord eines Rettungsschiffs 30 Seemeilen nordwestlich der Stadt Abu Kammash in Libyen. Allerdings gibt es an Bord der MV "Talia" weder Schutzanzüge, noch mobile Toilettenkabinen.
Dieses Bild zeigt eine ähnliche Situation an Bord eines Rettungsschiffs 30 Seemeilen nordwestlich der Stadt Abu Kammash in Libyen....Foto: Bundeswehr/Gottschalk/dpa/dpa

Das erste Treffen der EU-Innenminister unter Vorsitz von Horst Seehofer (CSU) ist ohne greifbare neue Verständigung über den Umgang mit Bootsflüchtlingen zu Ende gegangen. Dabei spielen sich an den Außengrenzen der EU gerade wieder schauerliche Szenen ab. Vor Malta liegt der Viehfrachter MV "Talia" mit 50 Migrantinnen und Migranten an Bord.

Der Viehfrachter ist - anders als die Rettungsschiffe von Nichtregierungsorganisationen - nicht auf Migranten vorbereitet. Kapitän Mohammad Shaaban sagt im "Spiegel"-Interview, das 20 Personen ernsthafte, gesundheitliche Probleme hätten. Die Menschen müssten in den dreckigen, stickenden Ställen schlafen. An Bord gebe es keine medizinische Versorgung für die Menschen, und nun würden auch die Vorräte ausgehen

Während die Flüchtlinge darauf warten, endlich europäischen Boden zu betreten, tagen die EU-Innenminister virtuell. Das Treffen ist informell und endet ohne formelle Beschlüsse. Seehofer hatte vor der Sitzung wenige Tage nach Beginn der deutschen EU-Ratspräsidentschaft beklagt, dass weiterhin nur wenige EU-Länder zur Aufnahme von aus Seenot geretteten Migranten und Flüchtlingen bereit seien.

Später gestand er ein, dass es keine greifbaren Zusagen weiterer Länder - bis auf die üblichen sechs bis zehn Staaten hinaus - gebe. Allerdings könnten sich weitere Länder vorstellen, zum Beispiel Kontrollschiffe, Personal oder Geld zur Verfügung zu stellen. Eine neue staatliche Mission zur Seenotrettung will Seehofer dabei nicht im Sinn haben.

Entscheidend auch für den Umgang mit Bootsflüchtlingen ist nach den Worten des Ministers eine Gesamtlösung in der Asylpolitik. Daran seien alle Mitgliedstaaten interessiert und zeigten sich konstruktiv. Die EU-Kommission will voraussichtlich im September ihren Vorschlag dazu vorlegen, wie Innenkommissarin Ylva Johansson am Dienstag bekräftigte. Seehofer hofft für die bis Jahresende laufende deutsche Ratspräsidentschaft auf einen „großen Sprung“ in dem Dossier.

Der Frachter hatte kurz zuvor Tiere transportiert

Der Kapitän der MV "Talia" hatte die Menschen in Not am Freitag gerettet. Der Frachter war nach einer Viehlieferung in Libyen auf dem Weg nach Spanien von den maltesischen Behörden angewiesen worden, die Geflüchteten zu retten. Sie hatten zuvor fünf Tage lang auf einem Motorboot auf dem offenen Meer verbracht. Ein Flugzeug der deutschen Hilfsorganisation Sea-Watch hatte sie schließlich entdeckt und Alarm geschlagen. Die Menschen auf der Flucht stammen mehrheitlich aus Somalia und Dschibuti.

Malta erlaubte dem Kapitän wegen schlechten Wetters, kurzzeitig in maltesische Gewässer einzufahren, jedoch nicht einen Hafen anzusteuern. Die maltesischen Behörden evakuierten am Sonntag zwei Gerettete als medizinische Notfälle. Doch für die Anlandung aller Flüchtlinge stellen weder Malta noch Italien bislang einen Hafen zur Verfügung. (jni, epd)

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