Nach Kopfschuss durch Polizisten : Dritter Demonstrant bei Protesten in Belarus getötet

Bei den Protesten gegen die gefälschte Präsidentschaftswahl in Belarus ist der dritte Demonstrant gestorben. Auch Russland erkennt jetzt Mängel bei der Wahl an.

Bewaffnete Polizisten stehen während eines Massenprotests in Belarus auf der Straße.
Bewaffnete Polizisten stehen während eines Massenprotests in Belarus auf der Straße.Foto: Sergei Grits/AP/dpa

Nach dem gewaltsamen Vorgehen belarussischer Sicherheitskräfte gegen regierungskritische Proteste ist ein dritter Demonstrant gestorben. Das Gesundheitsministerium in Minsk bestätigte am Mittwoch den Tod des 43-jährigen Gennadi Schutow, der nach Angaben seiner Familie vergangene Woche bei einer Kundgebung in Brest von Sicherheitskräften angeschossen worden war.

Schutow sei im Krankenhaus gestorben, nachdem sich sein Zustand „stark verschlechtert“ habe, teilte das Ministerium mit. Zur Art seiner Verletzungen äußerte es sich nicht.Schutows Tochter sagte der unabhängigen Nachrichtenseite Tut.by, Polizisten hätten ihrem Vater bei einer Kundgebung in Brest am 11. August in den Kopf geschossen. Die Polizei hatte zuvor eingeräumt, bei der Kundgebung mit scharfer Munition auf Demonstranten geschossen und dabei einen Menschen verletzt zu haben.

Seit der umstrittenen Präsidentschaftswahl am 9. August gibt es in Belarus Massenproteste gegen Langzeit-Präsident Alexander Lukaschenko, der die Abstimmung laut offiziellem Ergebnis mit rund 80 Prozent der Stimmen gewonnen hatte. Die Protestbewegung wirft Lukaschenko massiven Wahlbetrug vor und fordert seinen Rücktritt.

Sicherheitskräfte gingen teils brutal gegen die Demonstranten vor. Hunderte Menschen wurden verletzt, tausende wurden vorübergehend festgenommen. Nach ihrer Freilassung aus dem Polizeigewahrsam berichteten viele Demonstranten von Folter und schweren Misshandlungen.

Russland weist auf Mängel bei Wahl hin

Russland hat derweil erstmals auf Mängel bei der umstrittenen Präsidentenwahl im Nachbarland Belarus (Weißrussland) hingewiesen. „Die Wahl war nicht ideal. Natürlich nicht“, sagte Außenminister Sergej Lawrow am Mittwoch im russischen Staatsfernsehen. Dafür gebe es nicht wenige Beweise, sagte er. Auch die Führung in Minsk sehe das und versuche, mit den Bürgern einen Dialog aufzubauen. Alle sollten versuchen, die Lage in Ordnung zu bringen.

Russland hat sich zum Wahlverlauf im strategisch wichtigen Nachbarland bislang kaum geäußert. Präsident Wladimir Putin hatte als einer der Staatschefs Lukaschenko zum Wahlsieg gratuliert.

Moskau sehe jedoch, dass der Westen die politische Krise nach der Abstimmung zu seinem eigenen Vorteil auszunutzen wolle. „Es geht nicht um Lukaschenko, Menschenrechte und Demokratie. Es geht um Geopolitik. Es geht um die Regeln, die unsere westlichen Partner im täglichen Leben auf unserem Kontinent und in anderen Teilen durchsetzen wollen“, sagte Außenminister Lawrow. Der Westen wolle Belarus eine Ordnung aufzwingen. „Wir haben diesen Kampf schon gesehen, nach dem Ende der Sowjetunion. Zuletzt natürlich in der Ukraine.“

Die Polizei prügelt in Belarus mit Schlagstöcken auf einen Demonstranten ein.
Die Polizei prügelt in Belarus mit Schlagstöcken auf einen Demonstranten ein.Foto: Sergei Grits/AP/dpa

Wegen der Gewalt gegen friedliche Demonstranten und dem mutmaßlichen Wahlbetrug hatten die EU-Außenminister vergangene Woche Sanktionen gegen die politische Führung in Belarus auf den Weg gebracht.

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An diesem Mittwoch befassen sich die EU-Staats- und Regierungschefs in einer Video-Konferenz mit der umstrittenen Präsidentschaftswahl. Die inzwischen nach Litauen geflohene Oppositionspolitikerin Swetlana Tichanowskaja hatte den EU-Gipfel im Vorfeld aufgerufen, das offizielle Wahlergebnis nicht anzuerkennen. (AFP)

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