Neue Agentur hilft ausländischen Fachkräften : Schneller in den Pflegejob

Die Anerkennung ausländischer Pflegekräfte dauert Gesundheitsminister Jens Spahn zu lang. Eine Fachagentur soll die Verfahren nun deutlich verkürzen.

Wollen ausländische Pflegekräfte schneller in den Job bringen. Gesundheitsminister Jens Spahn und der saarländische Ministerpräsident Tobias Hans (beide CDU).
Wollen ausländische Pflegekräfte schneller in den Job bringen. Gesundheitsminister Jens Spahn und der saarländische...Foto: Kay Nietfeld/dpa

Mithilfe einer eigens gegründeten Fachagentur will Gesundheitsminister Jens Spahn ausländische Pflegekräfte deutlich schneller als bisher in deutsche Krankenhäuser und Pflegeheime bringen. „Wir handeln jetzt und lösen das Problem, dass Zulassungsverfahren für Pflegekräfte aus dem Ausland zu lange brauchen“, sagte der CDU-Politiker am Montag in Berlin. Durch professionelle Bündelung sollen die dringend benötigten Fachkräfte künftig nicht mehr länger als sechs Monate auf Visum, Berufsanerkennung und Arbeitserlaubnis warten müssen. Bisher kann das gute zwei Jahre dauern.

Ihren Sitz hat die Deutsche Fachkräfteagentur für Gesundheits- und Pflegeberufe (DeFa) in Saarbrücken. Das komme nicht von ungefähr, sagte der saarländische Regierungschef Tobias Hans, denn als Grenzregion verfüge man über Erfahrungen mit der Integration ausländischer Fachkräfte.

4200 Verfahren sind schon in Arbeit

Gegründet wurde das Projekt schon vor knapp zwei Monaten. Damit sei ein Beschluss der Konzertierten Aktion Pflege vom Juni dieses Jahres umgesetzt worden, betonte Spahn. Und der Andrang ist beachtlich, obwohl bisher noch nicht groß dafür geworben wurde, die Helfer pro Verwaltungsverfahren 350 Euro Gebühr verlangen und bisher nur Anträge für Pflegekräfte von den Philippinen und aus Mexiko unterstützt werden. 4200 Verfahren seien bereits in Arbeit, hieß es. Die Angeworbenen könnten im zweiten Quartal des kommenden Jahres einreisen.

Spahn versicherte, dass man nur Fachpersonal aus Ländern anwerbe, deren Bevölkerung sehr jung sei und die deutlich über ihren eigenen Bedarf hinaus ausbildeten. „Wir wollen anderen nicht die Pflegekräfte klauen, sondern den Menschen Perspektiven bieten, die sie zuhause nicht haben.“ Nach Angaben des Ministers kamen in jüngerer Zeit allein von den Philippinen rund 2000 Pflegekräfte nach Deutschland, zwei Drittel davon über Privatinitiative von Pflegeanbietern. Hauptauftraggeber für die Agentur werde aber der Bund sein. Er stelle den Saarbrückern für die bürokratische Hilfe bei der Pflegekräfte-Anwerbung in den nächsten vier Jahren 4,7 Millionen Euro zur Verfügung.

Allein durch mehr Ausbildung, gezielte Umschulung und bessere Bezahlung sei der steigende Pflegekräftebedarf hierzulande nicht zu decken, betonte der Minister. Schon jetzt gebe es in Deutschland, je nach Schätzung, 50.000 bis 100.000 offene Stellen. Die Zahl der Menschen, die Leistungen der Pflegeversicherung beziehen, sei in drei Jahren von drei auf 4,1 Millionen gestiegen. Und bis 2030 benötige man wegen der demografischen Entwicklung weitere 115 000 Pflegekräfte. Da müssten „alle Register gezogen werden“, sagte Spahn. Ohne verstärkte Anwerbung und Zuwanderung aus dem Ausland komme man nicht über die Runden.

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