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„Nur mit Skepsis und Vorsicht“ : Trump-Berater Navarro attackiert Top-Virologen Fauci

Die Demontage des wichtigsten Beraters der US-Regierung in der Corona-Pandemie geht weiter. Dr. Fauci wehrt sich und nennt die Vorwürfe „Unsinn“.

Anthony Fauci, Direktor des Nationalen Instituts für Infektionskrankheiten der USA
Anthony Fauci, Direktor des Nationalen Instituts für Infektionskrankheiten der USAFoto: dpa/Kevin Dietsch/Pool UPI

Der Handelsberater von US-Präsident Donald Trump, Peter Navarro, hat mit harscher Kritik an dem prominenten Immunologen Anthony Fauci in der Coronakrise für Wirbel gesorgt. Navarro schrieb in einem Gastbeitrag für „USA Today“, Fauci habe in jedem Punkt, in dem er mit ihm in der Krise zu tun gehabt habe, falsch gelegen. „Wenn Sie mich also fragen, ob ich auf Dr. Faucis Rat höre, ist meine Antwort: nur mit Skepsis und Vorsicht.“

Die Kommunikationsdirektorin des Weißen Hauses, Alyssa Farah, teilte am Mittwoch auf Twitter mit, der Gastbeitrag habe nicht den normalen Genehmigungsprozess des Weißen Hauses durchlaufen und gebe ausschließlich Navarros Meinung wieder. US-Präsident Donald Trump schätze das Fachwissen der medizinischen Experten, die seine Regierung beraten.

Trump sagte am Mittwoch im Weißen Haus zu dem Gastbeitrag: „Das ist Peter Navarro, aber ich habe ein sehr gutes Verhältnis zu Dr. Fauci.“ Trump selbst hatte Fauci, der Teil der Corona-Arbeitsgruppe des Weißen Hauses ist, am vergangenen Donnerstag vorgeworfen, „viele Fehler“ gemacht zu haben.

Fauci wies die Anschuldigungen des Weißen Hauses als „Unsinn“ zurück, der nicht hilfreich sei, wie das Magazin „The Atlantic“ berichtete. Fauci sagte demnach: „Ich kann mir in den wildesten Träumen nicht ausmalen, wieso sie das machen würden“. Die Anschuldigungen rückten letztlich das Weiße Haus in eine schlechtes Licht, sagte er.

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Medien wie die „Washington Post“ und CNN hatten vor wenigen Tagen berichtet, dass sie eine Liste des Weißen Hauses mit Aussagen Faucis bekommen hätten, die zeigen soll, dass sich dieser in der Pandemie mehrfach getäuscht habe.

Die „New York Times“ wertete die Fauci-Liste des Weißen Hauses als Versuch, die Glaubwürdigkeit des Experten zu untergraben.

Fauci fordert „Reset“ im Kampf gegen Corona

Fauci äußert in Interviews offen seine Sorge über die Entwicklung der Pandemie in den USA. Er hat mehrfach davor gewarnt, Schutzmaßnahmen vorschnell zurückzunehmen. Das steht im Kontrast zu Trump, der sich trotz dramatisch steigender Infektionszahlen optimistisch zeigt und möglichst schnell zur Normalität zurückkehren will.

Der Seuchenexperte hat zudem einen Neuanfang im Kampf gegen die Corona-Pandemie gefordert. Es müsse „der Reset-Knopf gedrückt“ werden, sagte Fauci in einem am Mittwoch veröffentlichten Interview des Magazins „The Atlantic“ zur Frage, was besser gemacht werden könne.

„Ich meine damit nicht, dass alle einen Lockdown vollziehen." Man müsse vielmehr „eine Auszeit nehmen" und dafür sorgen, dass an einem Strang ziehen. Wenn die nun von hohen Fallzahlen betroffen Bundesstaaten beschließen würden, es einige Wochen lang richtig zu machen – etwa mit einer Maskenpflicht – „garantiere ich, dass diese Zahlen fallen würden".

Neuinfektionen erreichen Höchststand

Die Zahl der nachgewiesenen Corona-Neuinfektionen erreichte unterdessen einen neuen Höchststand. Rund 67.400 Menschen wurden am Dienstag positiv auf das Virus getestet, wie aus Zahlen der Johns-Hopkins-Universität hervorging. Das übertrifft den Wert von vergangenem Freitag, als rund 66.600 Neuinfektionen binnen 24 Stunden vermeldet wurden. Insgesamt haben sich in den USA, wo rund 330 Millionen Menschen leben, mehr als 3,4 Millionen Menschen mit dem Erreger Sars-CoV-2 infiziert, mehr als 136-000 Menschen starben.

Wegen der dramatischen Zunahme an Neuinfektionen haben zahlreiche Bundesstaaten im Süden und Westen des Landes die phasenweise Wiedereröffnung der Wirtschaft gebremst, pausiert oder Lockerungen der Eindämmungsmaßnahmen zurückgenommen. De Gouverneurin von Alabama, Kay Ivey, ordnete am Mittwoch das Tragen von Masken in der Öffentlichkeit an, wann immer es Menschen nicht möglich ist, einen ausreichenden Sicherheitsabstand einzuhalten. Der Einzelhandelsriese Walmart erklärte, das Tragen von Masken sei in den Geschäften des Unternehmens künftig landesweit verpflichtend.

Erster Gouverneur mit Coronavirus infiziert

Der Gouverneur des US-Bundesstaats Oklahoma, Kevin Stitt, erklärte, ein Coronavirus-Test sei bei ihm positiv ausgefallen. Es gehe ihm insgesamt gut, aber er habe sich von seiner Familie isoliert und werde aus der Quarantäne weiter arbeiten, sagte der Republikaner. Unter den 50 Gouverneuren der US-Bundesstaaten ist Stitts Infektion der erste bestätigte Corona-Fall.

Die US-Gesundheitsbehörde CDC warb unterdessen mit Nachdruck für das Tragen von Masken zur Eindämmung der Pandemie. Die Ausbreitung des Virus könnte damit innerhalb einiger Wochen unter Kontrolle gebracht werden, warb die Behörde. „Wenn wir jeden dazu bringen könnten, jetzt sofort eine Maske zu tragen, denke ich, könnten wir diese Pandemie in vier, sechs, acht Wochen unter Kontrolle bringen“, sagte CDC-Direktor Robert Redfield in einem Interview des Chefredakteurs des Fachmagazins „Journal of the American Medical Association“. Es stimme ihn traurig, dass die Frage des Maskentragens zu einer politischen geworden sei, sagte Redfield in dem Interview. (dpa)

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