• Proteste in Frankreich, Belgien und Niederlande: Fast 1000 Festnahmen bei "Gelbwesten"-Demonstrationen
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Proteste in Frankreich, Belgien und Niederlande : Fast 1000 Festnahmen bei "Gelbwesten"-Demonstrationen

Bei Protesten der "Gelbwesten" in Paris ist es zu Zusammenstößen zwischen Demonstranten und Polizei gekommen. Zuvor gab es bereits hunderte Festnahmen.

Demonstranten schwenken französische Flaggen vor dem Arc de Triomphe in Paris.
Demonstranten schwenken französische Flaggen vor dem Arc de Triomphe in Paris.Foto: Benoit Tessier/REUTERS

Schwarze Rauchwolken über Paris: Bei neuen Protesten der "Gelbwesten" ist es abermals zu Ausschreitungen in Frankreichs Hauptstadt gekommen. Demonstranten zündeten in der Innenstadt Barrikaden an, schlugen Fensterscheiben ein und lieferten sich Auseinandersetzungen mit der Polizei. Die Beamten waren mit gepanzerten Fahrzeugen im Einsatz und drängten gewaltbereite Demonstranten mit Tränengas zurück. Landesweit beteiligten sich nach Regierungsangaben rund 77.000 Menschen an den Kundgebungen, fast tausend Demonstranten wurden vorläufig festgenommen.

Nach einem vergleichsweise ruhigen Auftakt der Demonstrationen wurden die Proteste der "Gelbwesten" in Paris im Verlauf des Tages zunehmend von Gewalt bestimmt. In der Nähe des Prachboulevards Champs-Elysées bewarfen Demonstranten die Polizei am Vormittag mit Knallkörpern und anderen Gegenständen.

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Schwere Ausschreitungen bei 'Gelbwesten'-Protesten erwartet
Schwere Ausschreitungen bei 'Gelbwesten'-Protesten erwartet

Mehrere Demonstranten versuchten, das Luxuskaufhaus "Publicis" in Brand zu stecken, wie AFP-Reporter berichteten. Die Protestteilnehmer - einige von ihnen in gelben Westen - entzündeten eine Tanne, die sie gegen die Fassade des Kaufhauses drückten. Die Polizei drängte die Demonstranten unter Einsatz von Tränengas ab. Eine junge Frau wurde mit einer Kopfverletzung zur Behandlung fortgebracht.

Auch an anderen Orten in Paris gab es Ausschreitungen. Nahe der Metro-Station Grands Boulevards setzten die Demonstranten eine Straßenbarrikade in Flammen. In der Avenue de Friedland schlugen sie Fensterscheiben ein.

Die Beamten antworteten mit Tränengas und vereinzelt auch Wasserwerfern. Zudem waren erstmals gepanzerte Räumfahrzeuge der Militärpolizei im Einsatz.

Die Regierung hat landesweit 89.000 Sicherheitskräfte mobilisiert, in Paris sind es 8000. Das sind rund ein Drittel mehr als am vergangenen Samstag, als bürgerkriegsähnliche Bilder um die Welt gingen.

Eiffelturm und Louvre bleiben geschlossen

Landesweit wurden mehr als 950 Menschen vorläufig festgenommen, der Großteil davon in Paris, wie aus Polizeikreisen verlautete. Viele von ihnen trugen nach Behördenangaben Masken, Steinschleudern, Hämmer und Pflastersteine bei sich.

Das Pariser Zentrum glich am Samstag einer Geisterstadt. Touristen-Attraktionen wie Eiffelturm und Louvre sowie zahlreiche Geschäfte bleiben aus Furcht vor Chaos und Plünderungen geschlossen. Zudem blieben 36 Stationen der U-Bahn und der Vorortbahnen RER geschlossen. Rund 50 Buslinien wurden unterbrochen oder umgeleitet.

Mehrere hundert Demonstranten blockierten am Samstagmorgen zeitweise die wichtige Ringautobahn Périphérique. Die Polizei löste die Blockade auf, ohne dass es zu Zusammenstößen kam. Eine örtliche "Gelbwesten"-Sprecherin betonte den friedlichen Charakter der Autobahn-Blockade: "Wir wollen uns Gehör verschaffen, keine Randale machen", sagte Laetitia Dewalle.

Auch in anderen französischen Städten, darunter Marseille und Grenoble, gingen wieder "Gelbwesten" auf die Straße. Die Polizei schätzte die Zahl der Demonstranten am Nachmittag landesweit auf fast 77.000. Vielerorts verursachten die "Gelbwesten" Behinderungen auf den Autobahnen.

Moderate Vertreter der "Gelbwesten" hatten ihre Anhänger aufgerufen, den Kundgebungen in Paris fernzubleiben, um in den Augen der Öffentlichkeit nicht mit den Randalierern in einen Topf geworfen zu werden. Einzelne Aktivisten riefen dagegen zur Einnahme des Elysée-Palasts in Paris auf, des Amtssitzes von Präsident Emmanuel Macron.

Die Protestbewegung fordert den Rücktritt Macrons sowie allgemeine Steuersenkungen, höhere Renten und Löhne. Die bisherigen Zusagen der Regierung reichen den Aktivisten nicht aus.

Proteste auch in Belgien

Auch bei Protesten der "Gelbwesten" in der belgischen Hauptstadt Brüssel sind etwa hundert Menschen festgenommen worden. Die meisten von ihnen wurden noch vor Beginn der Demonstration im Rahmen von "präventiven Maßnahmen" in Gewahrsam genommen, wie die Polizei mitteilte. Etwa 400 Menschen beteiligten sich demnach an dem Protestzug am Rande des Europaviertels. Einige von ihnen griffen die Polizei mit Wurfgeschossen an. Nach den Festnahmen habe sich die Lage aber schnell beruhigt, erklärte eine Polizeisprecherin. Das Europaviertel, in dem Institutionen wie die EU-Kommission, der EU-Rat und das EU-Parlament ihren Sitz haben, wurde wegen der Demonstration komplett abgeriegelt.

Auch in Niederlanden wurde demonstriert

Mehrere Hundert Menschen haben am Samstag bei „Gelbwesten“-Demonstrationen in den Niederlanden gegen die aus ihrer Sicht wachsende Kluft zwischen Arm und Reich protestiert. Neben dem Rücktritt der Regierung des rechtsliberalen Ministerpräsidenten Mark Rutte forderten Teilnehmer den Austritt aus der EU, ein niedrigeres Rentenalter sowie die Aufhebung von Umweltschutzmaßnahmen, wie die Amsterdamer Zeitung „Het Parool“ berichtete. 

„Es muss gerechter zugehen“, lautete eine Forderung von rund 200 Demonstranten in der Hafenstadt Rotterdam. Dort riefen die Organisatoren nach Angaben der niederländischen Nachrichtenagentur ANP die Teilnehmer auf, Ruhe zu bewahren und „einen schönen Tag“ zu verbringen. In Den Haag hatten Polizisten als Vorsichtsmaßnahme den Regierungssitz abgeriegelt. Demonstrationen waren auch in Maastricht, Eindhoven und Groningen angekündigt worden. (dpa, AFP)

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