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Raumfahrtprogramm "Bavaria One" : Major Markus Söder strebt ins Weltall

Kurz vor der Landtagswahl präsentiert Bayerns Ministerpräsident Söder die Weltraummission "Bavaria One" - mit seinem Konterfei. Es hagelt Spott und Kritik.

Bayerns Ministerpräsident Markus Söder
Bayerns Ministerpräsident Markus SöderFoto: Screenshot von Twitter @Markus_Söder

Knapp zwei Wochen vor der Landtagswahl in Bayern nimmt Ministerpräsident Markus Söder (CSU) Kurs auf das Weltall. Am Dienstag präsentierte Söder die bayerische Raumfahrtstrategie "Bavaria One". Bayern wolle in den kommenden Jahren mehr als 700 Millionen Euro investieren und zu Europas Nummer Eins in der Luft- und Raumfahrt werden.

"Die Menschen in Bayern werden davon auf verschiedenste Weise profitieren – von neuen Arbeitsplätzen in der Forschung und Entwicklung bis hin zu neuen Satelliten-gestützten Anwendungen, die zum Beispiel die Landwirtschaft erleichtern und den Katastrophenschutz verbessern", sagte Söder, dem Umfragen ein Debakel bei der Landtagswahl am 14. Oktober prognostizieren.

Söder, der laut "Augsburger Allgemeine" auch gerne Astronaut geworden wäre und bereits im Frühjahr über das Vorhaben gesprochen hatte, verbreitete die Ankündigung der bayerischen Weltraummission per Twitter. Nach einem ersten Tweet folgte ein zweiter, der Söder bei der Präsentation des Vorhabens auf einer Bühne vor einem Logo von "Bavaria One" mit einem riesigen Konterfei Söders quasi als Kommandant der "Mission Zukunft" zeigt.

"Zukunft heißt Technologie. Bayern ist Marktführer", schrieb Söder zu dem Foto. "Wir investieren in Digitalisierung, Robotik, künstliche Intelligenz, Hyperloop und Raumfahrt und entwickeln sogar Quantencomputer."

Söders Ankündigung und vor allem das Logo sorgten für Kritik und Spott im Netz.

Juso-Chef Kevin Kühnert antwortete auf Söders Tweet: "Worin Sie währenddessen nicht investieren: Bezahlbare öffentliche Wohnungen, gebührenfreie Kitas, unbefristete Jobs für Angestellte Lehrkräfte und vieles mehr." Und Kühnert fügte hinzu. "Vielleicht muss man wirklich hinterm Mond leben, um Prioritäten so zu setzen.

"Söder: Das unheimliche Wesen aus einer fremden Welt", kommentierte ein Twitter-Nutzer. Eine andere Nutzerin schrieb: "Bayern - unendliche Weiten. Wir befinden uns in der Gegenwart." Söders Pläne seien "Lichtjahre vom gesunden Menschenverstand entfernt".

Sechs Jahrzehnte nach dem ersten Affen in der Erdumlaufbahn ziehe es nun wohl auch Söder ins All, spottete ein weiterer.

"Jetzt ist Major Markus völlig losgelöst", twitterte ein Nutzer in Anspielung auf den "Major Tom" aus Peter Schillings gleichnamigem Lied.

Den Vorsitzenden der Freien Wähler im Landtag Hubert Aiwanger überzeugte Söders Weltraummission ebenfalls nicht. Das Raumfahrtprogramm müsste den Namen "Bavarian Größenwahn" statt "Bavaria One", sagte er laut "Nordbayern.de". Bayern solle erst einmal die naheliegenden technischen Probleme wie Mobilfunklöcher und fehlendes flächendeckendes Internet lösen. Söder sehe sich offenbar "in der Rolle des Mr. Spock und ernennt seinen Wirtschaftsminister allen Ernstes zum 'Raumfahrtkoordinator'. Das ist lachhaft", so Aiwanger.

Der bayerische FDP-Spitzenkandidat Martin Hagen nutzte Söders Bildvorlage gleich für Werbung in eigener Sache.

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