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Der Kölner Erzbischof Rainer Maria Kardinal Woelki bei einem Fronleichnamsgottesdienst unter freiem Himmel in Köln.
© imago images/Future Image

Kardinal Woelki: Rückkehr auf Zeit

Der katholische Erzbischof von Köln nimmt trotz Protesten seinen Dienst wieder auf. Jetzt muss der Papst über die Zukunft des Kardinals entscheiden.

Er ist wieder da, zumindest vorerst: Am Aschermittwoch hat der umstrittene katholische Erzbischof von Köln, Rainer Maria Kardinal Woelki, nach einer mehrmonatigen Auszeit seinen Dienst wieder aufgenommen. Gleichzeitig gab er jedoch bekannt, Papst Franziskus während der Auszeit seinen Rücktritt angeboten zu haben.

Als Ausdruck einer Haltung „innerer Freiheit habe ich dem Heiligen Vater meinen Dienst und mein Amt als Erzbischof von Köln zur Verfügung gestellt, so dass auch er frei ist, zu entscheiden, was dem Wohl der Kirche von Köln am meisten dient“, schrieb Woelki in einem Hirtenbrief zum Aschermittwoch, der dem Tagesspiegel vorliegt. Wie das Erzbistum mitteilte, werde der Papst „zu gegebener Zeit“ über das Rücktrittsangebot entscheiden. Bis dahin solle Woelki auf päpstlichen Wunsch seinen Dienst wieder ausüben.

Rund 300 Menschen waren am Mittwoch einem Aufruf der Reforminitiative Maria 2.0 gefolgt und demonstrierten vor dem Kölner Dom gegen Missbrauch und Vertuschung in der katholischen Kirche.
Rund 300 Menschen waren am Mittwoch einem Aufruf der Reforminitiative Maria 2.0 gefolgt und demonstrierten vor dem Kölner Dom gegen Missbrauch und Vertuschung in der katholischen Kirche.
© Guido Schiefer/imago images/epd

Im vergangenen Jahr war im Erzbistum Köln nach langem Streit ein Gutachten zum sexuellen Missbrauch veröffentlicht worden. Nach einer vom Papst angeordneten Visitation und immer stärkeren Protesten, die sich am Umgang des Kardinals mit Vorwürfen des sexuellen Missbrauchs ebenso wie an dessen theologisch konservativen Positionen und mangelnder Kommunikationsfähigkeit entzündeten, hatte der Kardinal dann Ende September in Rom um eine Auszeit gebeten. In der Zwischenzeit hatte Weihbischof Rolf Steinhäuser als „Apostolischer Administrator“ die Leitung des Erzbistums übernommen.

Die Proteste gegen Woelki hatten in den letzten Wochen aber eher noch zugenommen. Eine kürzlich veröffentlichte Umfrage des „Kölner Stadt-Anzeigers“ hatte ergeben, dass 92 Prozent der Kirchenmitglieder im Erzbistum für einen Rücktritt Woelkis plädierten.

"Warum hat ihn der Papst zurückgeschickt?"

Während vor dem Kölner Dom am Mittwoch eine Demonstration der Frauenbewegung „Maria 2.0“ gegen die Rückkehr des Kardinals stattfand, äußerten Vertreter des deutschen Katholizismus teils deutliche Kritik: „Es ist nachvollziehbar, dass Kardinal Woelki seinen Rücktritt anbietet“, sagte etwa die Präsidentin des Zentralkomitees der deutschen Katholiken, Irme Stetter-Karp, auf Nachfrage dieser Zeitung. Offenbar habe er dies bereits während seiner Auszeit getan. „Doch der Papst hat ihn zurückgeschickt in die Erzdiözese Köln. Warum?“, so Stetter-Karp. „Ich sehe keine Basis für einen Neuanfang und würde mir wünschen, dass Papst Franziskus den Ernst der Lage erkennt und so schnell als möglich auf die Bereitschaft des Kardinals zum Rücktritt reagiert.“ Damit bestünde die Chance, dass in der Erzdiözese der Versuch gemacht werden könne, endlich wieder Vertrauen aufzubauen.

"Das ist eine unnötige Hängepartie"

Ähnlich äußerte sich am Mittwoch auch der Münsteraner Kirchenrechtler Thomas Schüller. „Es wird ohne Not eine weitere Schleife eingewoben“, sagte er auf Nachfrage des Tagesspiegels. Man mute den Gläubigen zu, in einer „Zeit der Erprobung“ noch einmal zu schauen, wie es zwischen dem Bischof und dem Gottesvolk weitergehen kann. „Das ist eine unnötige Hängepartie und eine Zumutung für alle Beteiligten.“ Schüller verwies darauf, dass jedes Rücktrittsgesuch eines Bischofs dem katholischen Kirchenrecht zufolge eine Annahme durch den Papst erfordere. Franziskus verzichte aber wieder einmal darauf, eine „klare Entscheidung zu fällen“. „Ein Papst muss einfach auch entscheiden“, sagte Schüller.

Auch Christian Weisner, Sprecher im Bundesvorstand von „Wir sind Kirche“, zeigte sich am Mittwoch skeptisch. „Es ist ein geschickter Schachzug, dass Woelki den Papst wieder in Verantwortung nimmt“, sagte Weisner. „Aber diesen Rücktritt kann der Papst nicht ablehnen.“

Unabhängig von der Frage eines Rücktritts droht Woelki aber in Köln auch noch anderes Ungemach. Wie der „Kölner Stadt-Anzeiger“ berichtete, seien bei der dortigen Staatsanwaltschaft mehrere Strafanzeigen gegen Woelki eingegangen. Anlass ist der Fall des Priesters U., der als Serientäter kürzlich zu zwölf Jahren Gefängnis verurteilt worden war. Im Prozess waren auch Versäumnisse der Bistumsleitung im Umgang mit dem Fall U. deutlich geworden. Die Erstatter der Anzeige sehen im Verhalten Woelkis und seiner Mitarbeiter einen Fall von Beihilfe durch Unterlassen.

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