• Rüstungsproblem „Kampfschuhsystem“: Soldaten müssen bis zu anderthalb Jahre auf neue Stiefel warten
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Rüstungsproblem „Kampfschuhsystem“ : Soldaten müssen bis zu anderthalb Jahre auf neue Stiefel warten

Sohlen lösen sich ab, Soldaten bekommen Blasen an den Fersen. Doch die Lieferung neuer Stiefel aus braunem Rauleder dauert.

Diese Soldaten des Jägerbataillons 292 kamen 2012 aus dem Afghanistan-Einsatz zurück - offenbar mit unterschiedlichen Stiefel.
Diese Soldaten des Jägerbataillons 292 kamen 2012 aus dem Afghanistan-Einsatz zurück - offenbar mit unterschiedlichen Stiefel.Foto: Patrick Seeger / DPA

Als neue Verteidigungsministerin muss Annegret Kramp-Karrenbauer (CDU) große Rüstungsprojekte wie das nächste Kampfflugzeug, den neuen schweren Transporthubschrauber und das Mehrzweckkampfschiff (MKS) 180 in Angriff nehmen. Doch hinzu kommen vermeintliche Ausrüstungslappalien, die im Alltag der Truppe große Relevanz haben – die Ausrüstung mit Stiefeln.

Sohlen lösen sich ab, Soldaten bekommen Blasen an den Fersen. Viele der Frauen und Männer kaufen sich da Privatschuhe – von Vorgesetzten nicht genehmigt, aber geduldet. Deshalb hat das Verteidigungsministerium – noch unter Ursula von der Leyen – den Streitkräften neue Stiefel zugesichert. Seit 2016 ist geplant, dass sie statt dem „Ganzjahresschuh“ zwei Mal den „Kampfschuh, schwer“ und ein Mal den „Kampfschuh, leicht“ erhalten.

Doch die Soldatinnen und Soldaten müssen teilweise bis zu anderthalb Jahre länger als zuletzt geplant auf die neuen Stiefel warten. Das geht aus einer Antwort des Verteidigungsministeriums an die FDP-Abgeordnete Marie-Agnes Strack-Zimmermann hervor, die dem Tagesspiegel vorliegt. In formvollendetem Amtsdeutsch heißt es dort: „Die vollständige Umsetzung des neuen Kampfschuhsystems Streitkräfte wird nach derzeitiger Planung bis zum Ende des zweiten Quartals 2022 abgeschlossen sein.“ Bislang hatten alle Angehörige der Streitkräfte bereits bis Ende 2020 neue Schuhe erhalten sollen.

Auf Nachfrage des Tagesspiegel im Verteidigungsministerium heißt es dazu: „Aufgrund begrenzter Produktionskapazitäten der Industrie ließ sich dieser Zeitansatz jedoch nicht halten.“ Eine konkrete Zahl, wie viele der Soldatinnen und Soldaten aktuell über komplett neue Schuhe verfügen, nannte die zuständige Sprecherin nicht. Demnach verfügen „derzeit erst einige“ über einen vollständigen neuen Kampfschuhsatz.

"Keine Frage der Mode, sondern der Sicherheit"

Laut dem Schreiben an die Abgeordnete haben inzwischen zwar gut 160.000 der knapp 183.000 Truppenmitglieder ein erstes Paar des schweren, schwarzen Kampfschuhs – es fehlt aber noch das zweite. Und: Nur gut 31.000 Soldatinnen und Soldaten können bisher den leichten Kampfschuh ihr Eigen nennen.

Die FDP-Verteidigungspolitikerin Strack-Zimmermann kritisiert: „Es mutet schon grotesk an, dass es acht Jahre dauert, die gesamte Truppe mit neuem Schuhwerk auszurüsten. Das ist schließlich keine Frage der Mode, sondern eine der Sicherheit. Man stelle sich vor, Feuerwehrleute würden Brände in Pantoffeln löschen.“

Intensivere Pflege mit Nubuk-Aufraubürste

Die neuen, leichten Kampfstiefel sind aus braunen Rauleder gefertigt. Die Oberfläche soll so an sandigen Einsatzorten nicht so schnell abgeschmirgelt werden. Dafür müssen die Angehörigen der Streitkräfte sie jetzt aber mit einem Spray und einer Nubuk-Aufraubürste intensiver pflegen – die Oberfläche verklebt sonst.

Das neue Schuhwerk war im Vorfeld nicht nur von der Truppe praktisch erprobt, sondern sogar im Labor getestet worden. Unter anderem sollte so sichergestellt werden, dass die Fußbekleidung mindestens 72 Stunden wasserdicht bleibt und sowohl wärmeregulierend als auch atmungsaktiv ist. Zudem muss sie antistatisch sein, damit etwaige empfindliche Ausrüstung der Soldatinnen und Soldaten nicht beschädigt wird.

Lange Wartezeiten bei den neuen Kampfstiefeln hatte zuletzt auch der Wehrbeauftragte Hans-Peter Bartels in seinem jüngsten Jahresbericht kritisiert. „Leider trübt das Ausgabeverfahren die Freude etwas“, merkte er an. „Rekruten, so die Wahrnehmung vieler dienstälterer Soldaten, würden bei der Ausgabe von Nachfolgemodellen bevorzugt behandelt.“ Alte Hasen, die beim Stiefeltausch noch das Vorgängermodell ausgehändigt bekommen, fühlen sich als Soldaten zweiter Klasse.

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