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Satire? „Fridays for Future“ über Großeltern : „Die sind doch eh bald nicht mehr dabei“

Der deutsche Ableger von „Fridays for Future“ sorgt mit einem Tweet über Ältere für viel Empörung. Alles Satire, sagen die Klimaaktivisten.

Demonstranten der „Fridays for Future“-Bewegung in Frankfurt/Main
Demonstranten der „Fridays for Future“-Bewegung in Frankfurt/MainFoto: dpa/Andreas Arnold

Der deutsche Ableger der Klimaschutzbewegung „Fridays for Future“ hat mit einer im Nachhinein als Satire bezeichneten Bemerkung über alte Menschen für eine Menge Empörung gesorgt. „Warum reden uns die Großeltern eigentlich immer noch jedes Jahr rein? Die sind doch eh bald nicht mehr dabei“, twitterte „Fridays for Future Germany“ am Montag.

Die Kurznachricht löste auf Twitter gleich vielfach heftige Reaktionen aus. Die Zahl der Kommentare stieg rasant.

In vielen Beiträgen wurde der mangelnde Respekt vor der älteren Generation kritisiert. „Geht mal in euch und denkt über eure Selbstgefälligkeit nach“, schrieb etwa eine Nutzerin.

Andere bezeichneten die Äußerung der Klimaaktivisten als „menschenverachtend, niederträchtig und ekelhaft“ oder „pubertär“.

Wieder andere wiesen in sachlicheren Beiträgen darauf hin, dass sich bei „Fridays for Future“ inzwischen auch ältere Menschen engagierten.

„Bitte löscht den Tweet“

Die Berliner Staatssekretärin Sawsan Chebli (SPD) erinnerte auf Twitter daran, wie wichtig Großeltern für Kinder sind. „Bitte löscht den Tweet. Er ist nicht gut“, schrieb sie. „Nichts auf der Welt ist es wert, den Großeltern so viel Verachtung entgegenzubringen.“

Die stellvertretende Vorsitzende der Grünen, Ricarda Lang, erinnerte in einem sehr persönlichen Tweet an die besondere Nähe von Großeltern und Enkeln. „Drückt eure Liebsten, wenn ihr könnt“, schrieb sie dazu.

Die frühere Grünen-Chefin Simone Peter, seit Frühjahr 2018 Präsidentin des Bundesverbandes Erneuerbare Energien, zeigte sich nachsichtig. „Fakt ist, IHR müsst das bisherige eklatante Versagen in der Klimapolitik ausbaden. Und genau so war euer Tweet zu verstehen“, schrieb sie bei Twitter. „Lasst euch nicht kirre machen, sondern kämpft weiter für eure Zukunft. Es ist auch die unserer Kinder.“

CDU-Generalsekretär Paul Ziemiak dagegen kritisierte die Klimaaktivisten und bezeichnete den Tweet als „geschmacklos“. Er sei froh, dass die überwältigende Mehrheit der jungen Menschen in Deutschland nicht so denke, sagte er der „Bild“.

Das Bundesumweltministerium reagierte ebenfalls: „#Klimaschutz geht alle an und ist eine gesellschaftliche Aufgabe über ALLE Generationen hinweg“, twitterte das Ministerium.

Entschuldigung für „satirisch gemeinten Tweet“

In weiteren Tweets stellte „Friday for Future“ die erste Bemerkung dann als Satire dar und entschuldigte sich bei allen, „die sich durch unseren satirisch gemeinten Tweet“ verletzt gefühlt haben.

„Auch die tolle Unterstützung unzähliger Großeltern wollen wir nicht geringschätzen“, hieß es weiter.

Die Gruppe der Großeltern bei „Fridays for Future“ nahm die ganze Sache gelassen. „Immerhin haben die Kids auch nach diesem Klimakatstrophen-Jahr den Humor nicht verloren“, twitterte sie. „Wir können über diesen Tweet lachen – andere hoffentlich auch.“

In der vergangenen Woche hatte ein Tweet der Klimaaktivistin und „Fridays for Future“-Begründerin Greta Thunberg für Furore gesorgt. Sie hatte über eine Zugfahrt mit der Deutschen Bahn getwittert, was das Unternehmen zu einer vielfach kritisierten Reaktion veranlasste.

Thunberg wunderte sich darüber, dass ihr Tweet und vor allem die Erwiderung der Bahn mehr Aufregung verursachten als ihr eigentliches Anliegen Klimaschutz. (Tsp)

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