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Seehofer äußert sich zur Tat in Frankfurt : Innenminister will mehr Polizei auf Bahnhöfen

Der Tatverdächtige im Fall Frankfurt war in der Schweiz zur Fahndung ausgeschrieben. Er war durch Gewaltdelikte aufgefallen.

Innenminister Horst Seehofer spricht auf einer Pressekonferenz über die Tötung eines Jungen am Hauptbahnhof in Frankfurt.
Innenminister Horst Seehofer spricht auf einer Pressekonferenz über die Tötung eines Jungen am Hauptbahnhof in Frankfurt.Foto: REUTERS/Fabrizio Bensch

Nach dem gewaltsamen Tod eines achtjährigen Jungen im Hauptbahnhof in Frankfurt will Bundesinnenminister Horst Seehofer (CSU) die Sicherheitsmaßnahmen deutlich verstärken. Er setze sich dafür ein, die Bundespolizei bis 2025 um 11 300 Stellen aufzustocken, sagte Seehofer am Dienstag in Berlin. Der Minister hatte angesichts des Verbrechens und weiterer spektakulärer Fälle in den vergangenen Wochen seinen Urlaub unterbrochen. Obwohl die allgemeine Kriminalität zurückgehe, sei das Sicherheitsgefühl der Bevölkerung „sehr angespannt“, sagte Seehofer.

Am Montag gegen zehn Uhr hatte im Frankfurter Bahnhof ein Eritreer eine Mutter und ihr Kind vor einen einfahrenden ICE ins Gleisbett gestoßen. Die 40-jährige Frau konnte sich zur Seite retten, der Junge wurde überrollt. Der Täter versuchte auch, eine 78 Jahre alte Frau ins Gleis zu schubsen, doch sie wehrte sich. Der Eritreer flüchtete, wurde jedoch von Passanten und einem Polizisten in Zivil verfolgt und überwältigt. Im Bahnhof erlitten mehrere Passanten, die die Bluttat ansehen mussten, einen Schock.

Zu dem kurzfristig angesetzten Pressegespräch hatte der Minister die Chefs von Bundespolizei und Bundeskriminalamt, Dieter Romann, und Holger Münch, mitgebracht.

Der Täter galt als gut integriert

Romann berichtete Details zu dem Täter von Frankfurt, dem 1997 in Eritrea geborenen Habte A. Demnach kam er aus der Schweiz nach Deutschland. Der Mann sei 2006 unerlaubt in die Schweiz eingereist, 2008 sei ihm dort Asyl gewährt worden, sagte Romann. Der Eritreer habe eine „feste Arbeit“ bekommen und als „gut integriert“ gegolten. Der Vater von drei Kindern wurde jedoch straffällig. Vor wenigen Tagen bedrohte er mit einem Messer eine Nachbarin.

Habte A. setzte sich daraufhin nach Deutschland ab. In der Schweiz sei nach dem Mann gefahndet worden, sagte Romann. Die deutschen Behörden wurden jedoch nicht informiert. Es sei zudem unklar, wann genau, wo und wie der Eritreer nach Deutschland eingereist sei, sagte der Chef der Bundespolizei.

Das Motiv für die Tat bleibt allerdings weiterhin unklar. Schweizer Behörden vermuten, der Eritreer sei psychisch gestört. Anzeichen für einen terroristischen Hintergrund gibt es nicht.

Die Tat im Frankfurter Bahnhof nannte Seehofer einen „kaltblütigen Mord“. Er betonte, „das trifft uns alle mitten ins Herz“. Er habe der Mutter des Jungen und der ganzen Familie die Anteilnahme der Bundesregierung ausgesprochen. Seehofer dankte den Passanten, die den flüchtenden Täter verfolgt hatten. Das sei „ein positives Beispiel von praktizierter Zivilcourage“. Sein Dank gelte auch dem Personal im Bahnhof, dem Lokführer, den Rettungskräften und der Polizei.

Mehr Videoüberwachung?

Seehofer will nun rasch mit Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer (CSU) und der Deutschen Bahn über mehr Sicherheit für die 5600 Bahnhöfe im Land sprechen. Auch technische Veränderungenen sollen erörtert werden. Seehofer sprach allerdings nur vage von mehr Videoüberwachung, die Kosten könnten sich Bund und Bahn teilen. Den möglichen Einwand, technische Umbauten kosteten viel Geld, wies der Minister präventiv zurück. „Was ich überhaupt nicht akzeptiere ist, wenn gesagt wird, das kostet Millionen und wir machen das nicht“, sagte Seehofer.

Als weitere Faktoren für ein abnehmendes Sicherheitsgefühl in der Bundesrepublik nannte BKA-Präsident Holger Münch den Mord an dem Kasseler Regierungspräsidenten Walter Lübcke, den Sprengstoffanschlag auf ein Haus in Zittau, in dem eine Politikerin der Linkspartei wohnt, sowie Drohungen gegen Moscheen. Münch kündigte eine verstärkte Bekämpfung rechtsextremer Kriminalität an. So soll bei gewaltbereiten Rechten künftig eine ähnliche Risikobewertung vorgenommen werden wie im Fall islamistischer Gefährder.

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